Al­ter­na­ti­ve Geld­quel­len

Un­ter­neh­men soll­ten die Fi­nan­zie­rung auf ei­ne brei­te Ba­sis stel­len. Zu ei­nem brei­ten Mix ge­hö­ren auch Lea­sing und Fac­to­ring.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - EXTRA MITTELSTANDSFINANZIERUNG -

WDie Lea­sing-Bran­che ver­än­dert sich stark

enn Fir­men Geld brau­chen, den­ken die meis­ten vor al­lem an den Kre­dit durch die Haus­bank. Da­bei gibt es so in­ter­es­san­te Mög­lich­kei­ten wie Fac­to­ring. Da­bei er­hal­ten die Un­ter­neh­men zwar kei­nen Kre­dit, da­für kom­men sie aber schnel­ler an ihr Geld als üb­lich. Das Prin­zip ist ein­fach: Un­ter­neh­mer ver­kau­fen ih­re For­de­run­gen, al­so die Rech­nun­gen an ih­re Kun­den, an ei­nen Fac­to­rer. Die­ser über­weist – na­tür­lich mit ei­nem Ab­schlag – das Geld so­fort.

Ein gro­ßer Vor­teil: Denn nach ei­ner Aus­wer­tung der Ra­ting­agen­tur Cre­dit­re­form wer­den nur zwei Drit­tel der Rech­nun­gen in­ner­halb von vier Wo­chen be­zahlt. Fac­to­ring er­höht nicht nur die Li­qui­di­tät, son­dern das Un­ter­neh­men kann Ver­bind­lich­kei­ten schnel­ler ab­bau­en. Durch die­se Bi­lanz­kos­me­tik steigt die Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te. In der Fol- ge ver­bes­sert sich das Ra­ting durch die Bank, und die Kos­ten für die Kre­di­te fal­len.

Der Nach­hol­be­darf in Sa­chen Fac­to­ring ist hier­zu­lan­de groß. In Län­dern wie Frank­reich oder Groß­bri­tan­ni­en ist die­ses Ver­fah­ren viel stär­ker ver­brei­tet. Doch lang­sam setzt es sich auch in Deutsch­land durch: „Vor al­lem bei mit­tel­stän­di­schen Fir­men ver­zeich- nen wir ei­nen star­ken An­stieg“, sagt Alexander Mo­se­schus, Ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen Fac­to­ring-Ver­ban­des. Frü­her stan­den Un­ter­neh­men, die Fac­to­ring nut­zen, in ei­nem schlech­ten Ruf: Sie gal­ten als fi­nanz­schwach. Doch die­se Ein­schät­zung hat sich ge­än­dert: Die Ak­zep­tanz von Fac­to­ring ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren stark ge­stie­gen. Es gilt in­zwi­schen als ein Qua­li­täts­merk­mal. Aber nur für Fir­men mit ei­nem kla­ren Ge­schäfts­mo­dell und ei­ner gu­ten Bo­ni­tät kommt Fac­to­ring in Fra­ge.

Ei­ne wei­te­re Al­ter­na­ti­ve ist Lea­sing. Da­bei kau­fen Un­ter­neh­mer neue Ma­schi­nen nicht mehr über ei­nen teu­ren Kre­dit, son­dern sie mie­ten die­se für ei­nen vor­ab de­fi­nier­ten Zei­t­raum. Ge­ra­de ge­gen­wär­tig macht die­se al­ter­na­ti­ve Fi­nan­zie­rungs­form Sinn: We­gen der oft schlech­te­ren Ra­ting­no­ten auf Grund des Ka­ta­stro­phen­jah­res 2009 ha­ben Un­ter­neh­mer es manch­mal schwe­rer, bei ih­rer Bank Geld für In­ves­ti­tio­nen zu be­kom­men. Bei Lea­sing-An­bie­tern könn­te das ein­fa­cher sein: Denn für sie ist we­ni­ger die Ver­gan­gen­heit ent­schei­dend, sie ach­ten eher auf die zu­künf­ti­gen wirt­schaft­li­chen Per­spek­ti­ven. Und die Auf­trags­la­ge ist ja in vie­len Bran­chen der­zeit au­ßer­or­dent­lich gut. Lea­sing ist leicht ver­ständ­lich, ak­zep­tiert und da­her auch bei Mit­tel­ständ­lern weit ver­brei­tet. Zahl­rei­che Grün­de spre­chen für die­se Va­ri­an­te: Denn Un­ter­neh­mer scho­nen ih­re Fi­nan­zen, da nicht der vol­le Kauf­be­trag für die Ma­schi­ne oder das Au­to ab­fließt. Le­dig­lich die mo­nat­li­che Lea­sing­ra­te fällt an, die aber zu­dem noch als Auf­wand steu­er­lich gel­tend ge­macht wer­den kann. Wenn ei­ne In­ves­ti­ti­on da­ge­gen über ei­nen Kre­dit fi­nan­ziert wird, er­höht das die Ver­bind­lich­kei­ten, und die Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te sinkt. Das hat ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf das Bank­ra­ting und die Fi­nan­zie­rungs­kos­ten.

Die Bran­che ver­än­dert sich stark. Zu­sätz­li­che Di­enst­leis­tun­gen ge­win­nen an Be­deu­tung. An­bie­ter über­neh­men Ser­vice­funk­tio­nen, et­wa die Be­treu­ung ei­nes Fuhr­parks oder die War­tung ei­nes EDVSys­tems. DIRK WOH­LEB

FO­TO: ANDRE­AS PROBST

Gro­ße Pro­jek­te las­sen sich oft nur mit Hil­fe al­ter­na­ti­ver Fi­nan­zie­rungs­for­men stem­men.

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