CDU be­tont ihr „C“

Die Uni­on hat ges­tern in Berlin über christ­li­che Wer­te de­bat­tiert. Frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der will da­mit Kri­ti­kern ent­ge­gen­tre­ten, die das feh­len­de kon­ser­va­ti­ve Pro­fil sei­ner Par­tei be­män­geln.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON HANNA KOCH

BERLIN CDU und CSU be­geg­nen dem Vor­wurf, sie ver­nach­läs­sig­ten ih­re kon­ser­va­ti­ven Wer­te – und be­sin­nen sich auf das Chris­ten­tum. Ges­tern such­te Frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der vor 700 Zu­hö­rern das Ge­spräch mit Kir­chen­ver­tre­tern bei ei­nem Kon­gress un­ter dem Ti­tel „Das ,C’ ist für uns Pro­gramm“ in Berlin.

„Das christ­li­che Men­schen­bild ist un­ser Mar­ken­kern, zen­tra­ler Grund­wert und Ori­en­tie­rungs­punkt“, sag­te Kau­der bei wei­te­re Ver­an­stal­tun­gen, auch ei­ne Be­sänf­ti­gung der ka­tho­li­schen Par­tei­mit­glie­der.

„Die Dis­kus­si­on ist über­fäl­lig“, sagt et­wa Mar­tin Loh­mann, Spre­cher des „Ar­beits­krei­ses En­ga­gier­ter Ka­tho­li­ken

Herr Geiß­ler, wie wich­tig ist die De­bat­te um das „C“ in der CDU?

Geiß­ler Die Dis­kus­si­on ist hoch­ak­tu­ell. Woran soll sich die Po­li­tik sonst ori­en­tie­ren, wenn nicht am christ­li­chen Men­schen­bild?

„Ehe und ,Ho­mo-Ehe’ wer­den wir nie­mals

gleich­stel­len“

der Be­grü­ßung des Vor­sit­zen­den der Deut­schen Bi­schofs­kon­fe­renz, Erz­bi­schof Ro­bert Zol­litsch, und des Rats­vor­sit­zen­den der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land, Prä­ses Ni­ko­laus Schnei­der.

Kau­der ver­such­te es mit ei­ner phi­lo­so­phi­schen Her­an­ge­hens­wei­se an die Bi­bel, die den Men­schen zur Frei­heit be­ru­fen ha­be: „Wir müs­sen un­se­rem christ­li­chen Kom­pass fol­gen“, ap­pel­lier­te er an die Zu­hö­rer. Da­bei dür­fe die Nächs­ten­lie­be aber nicht zu weit ge­hen. Ab­hän­gig zu sein vom Nächs­ten – so wie der Hartz IV-Emp­fän­ger vom Staat – schrän­ke die Frei­heit ein und sei dem­ent­spre­chend we­nig er­stre­bens­wert.

Ap­plaus ern­te­te Kau­der für die­se Über­le­gun­gen zur Ein­schrän­kung des Wohl­fahrts­staats nicht. Wohl aber für die An­kün­di­gung, die Ehe nie­mals mit der „Ho­mo-Ehe“ gleich­zu­stel­len. Und auch für sein Lob für die kon­ser­va­ti­ve Fa­mi­lie, bei der ein El­tern­teil zu Hau­se die Kin­der­be­treu­ung über­nimmt: „Das ist kein Mo­dell von vor­ges­tern“, so Kau­der. Un­ter­stüt­zung er­hielt der CDU-Po­li­ti­ker von Erz­bi­schof Zol­litsch: „Je­sus war kein rück­wärts­ge­wand­ter So­zi­al­ro­man­ti­ker“, er­klär­te er.

Ein „Si­gnal an die christ­lich­kon­ser­va­ti­ven Krei­se der Uni­on“ – so be­wer­tet der Par­tei­en­for­scher Gerd Lang­guth die Ver­an­stal­tung. Denn von kon­ser­va­ti­ven Krei­sen wer­de der Par­tei Be­lie­big­keit vor­ge­wor­fen – ei­ne Kri­tik, die sich vor al­lem an Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel rich­te. Die hat­te zu­letzt den Um­gang des Paps­tes mit den ra­di­ka­len Pi­us-Brü­dern kri­ti­siert. Das ha­be vie­len Ka­tho­li­ken in der Par­tei nicht ge­passt, sagt Lang­guth. So ist der Kon­gress, der Auf­takt sein soll für in der CDU“. Der er­klär­te Ab­trei­bungs­geg­ner wirft sei­ner Par­tei seit Lan­gem vor, ihr „ka­tho­li­sches Pro­fil kom­plett ver­lo­ren“ zu ha­ben. Doch ge­ra­de beim Reiz­the­ma Ab­trei­bung ist die Gren­ze der kon­ser­va­ti­ven Rück­be­sin­nung bei der CDU er­reicht: Es wer­de „nichts zu­rück­ge­schraubt“, be­ton­te Uni­ons-Frak­ti­ons­chef Kau­der – ei­ne Po­si­ti­on, die von der evan­ge­li­schen Kir­che ge­teilt wird: Frau­en dürf­ten nicht al­lei­ne ge­las­sen wer­den, sag­te Prä­ses Schnei­der. Die Kir­che sei den Men­schen ver­pflich­tet und müs­se ih­nen zur Sei­te ste­hen, et­wa bei der Schwan­ger­schafts­kon­flikt­be­ra­tung.

Die wird von der ka­tho­li­schen Kir­che seit 1999 ab­ge­lehnt – ein Di­lem­ma für die Uni­on, wie es sich bei vie­len christ­li­chen The­men ab­zeich­net. Wel­cher Hal­tung sol­len die Par­tei­en fol­gen, wer legt fest, was der „rech­te“ christ­li­che Weg ist? Die­sel­be Fra­ge muss sich die Par­tei stel­len, wenn sie über kon­ser­va­ti­ve Wer­te dis­ku­tiert.

Kanz­le­rin Mer­kel hat sich für ei­nen mo­der­nen Kurs ent­schie­den. „Die CDU war nie ei­ne rein kon­ser­va­ti­ve Par­tei“, so Par­tei­en­for­scher Lang­guth. Sie ist zwar christ­lich ge­prägt, blieb aber den­noch im­mer eins: Volks­par­tei.

FO­TO: AR­MIN LINN­ARTZ

Teil­neh­mer der Kon­fe­renz: Ro­bert Zol­litsch (o.), Vor­sit­zen­der der deut­schen Bi­schofs­kon­fe­renz, Uni­ons­frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Vol­ker Kau­der und der EKD-Rats­vor­sit­zen­de Ni­ko­laus Schnei­der.

FO­TO: DAPD

Hei­ner Geiß­ler, von 1977 bis 1989 CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär.

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