Streit um die neu­en Hartz-IV-Sät­ze

Ar­beits­mi­nis­te­rin von der Ley­en will 2011 fast ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro zu­sätz­lich für den Le­bens­un­ter­halt von Lang­zeit­ar­beits­lo­sen und ih­ren Fa­mi­li­en be­reit­stel­len. Die Op­po­si­ti­on wirft ihr den­noch „ so­zia­len Kahl­schlag“ vor. Die Wirt­schaft lobt die bes­se­ren

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON EVA QUADBECK

BERLIN Die Vor­wür­fe so­zia­ler Käl­te tref­fen Ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en. Das sieht man ihr bei ih­rem Auf­tritt vor der Bun­des­pres­se­kon­fe­renz an. „Ich kann das Ge­fühl nach­voll­zie­hen, dass es bes­ser sein müss­te für die Kin­der“, sagt sie. Bis­lang hat­te sie in ih­rer Mi­nis­terLauf­bahn mit El­tern­geld und Ki­taAus­bau meis­tens die Spen­dier­ho­sen an. Ih­re Re­form der Hartz-IVRe­gel­sät­ze, die ei­ne Mi­ni-Er­hö­hung für Er­wach­se­ne und zu­sätz­li­che Sach­leis­tun­gen für die Bil­dung von Kin­dern vor­se­hen, ver­tei­digt sie den­noch ei­sern.

Man dür­fe nicht ver­ges­sen, hält sie ih­ren Kri­ti­kern ent­ge­gen, dass die Lang­zeit­ar­beits­lo­sen ne­ben den Re­gel­sät­zen zahl­rei­che Ver­güns­ti­gun­gen be­kä­men, die Ar­beit­neh­mer mit nied­ri­gen Löh­nen nicht hät­ten: die Be­frei­ung von der GEZGe­bühr für Fern­se­hen und Ra­dio, ver­güns­tig­te Ti­ckets für Bus und Bahn, kos­ten­lo­se Ki­ta-Plät­ze für ih­re Kin­der und die freie Mit­glied­schaft in der Kran­ken­ver­si­che­rung.

Al­ko­hol und Zi­ga­ret­ten zahlt der Staat nicht mehr, Ti­er­nah­rung und Schnitt­blu­men hat­te be­reits die rot­grü­ne Bun­des­re­gie­rung aus den Re­gel­sät­zen ge­stri­chen. „Wenn man mehr ha­ben möch­te, muss das Be­stre­ben sein, Ar­beit auf­zu­neh­men“, sagt die Mi­nis­te­rin. Und die Kri­ti­ker, die hö­he­re Re­gel­sät­ze ver­lan­gen, müss­ten „em­pi­risch be­legt“ auf­lis­ten, wel­che der ins­ge­samt 230 Ein­zel­po­si­tio­nen aus den Aus­ga­ben ver­gleich­ba­rer Haus­hal­te zum Exis­tenz­mi­ni­mum hin­zu­ge­rech­net wer­den soll­ten. Bei Flug­pau­schal-Rei­sen, wie es ein Jour­na­list vor­schlägt, fal­le ihr je­den­falls die Be­grün­dung schwer.

Die Blo­cka­de-An­kün­di­gung der SPD ent­täuscht die Mi­nis­te­rin. Das be­reits fest­zu­le­gen, be­vor die par­la­men­ta­ri­schen Be­ra­tun­gen über­haupt be­gon­nen hät­ten, ent­wer­te die Rol­le der SPD als Teil der Ge­setz­ge­bung. Auch für die So­zi­al­de­mo­kra­ten, die das vom Ver­fas­sungs­ge­richt mo­nier­te Hartz-IV-Ge­setz zu ver­ant­wor­ten hat­te, gel­te die Pflicht, „ver­fas­sungs­fes­te Zu­stän­de her­zu­stel­len“.

Von der Wirt­schaft be­kommt die Mi­nis­te­rin Rü­cken­de­ckung: „Bei der Fest­le­gung der Hartz-IV-Re­gel­sät­ze muss der Lohn­ab­stand zu den­je­ni­gen ge­wahrt blei­ben, die ei­ner re­gu­lä­ren Tä­tig­keit nach­ge­hen. Ei­ne deut­li­che Er­hö­hung hät­te die An­rei­ze für Trans­fer-Emp­fän­ger, ei­ne Be­schäf­ti­gung auf­zu­neh­men, wei­ter ge­senkt“, sag­te der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des DIHK, Die­ter Wans­le­ben, un­se­rer Zei­tung. Zu­gleich lobt er, dass den Kin­dern mit den Sach­leis­tun­gen für Bil­dung bes­se­re Chan­cen ein­ge­räumt wür­den.

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