Ge­rin­ge Hin­zu­ver­diens­te sol­len un­at­trak­tiv wer­den

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON GREGOR MAYNTZ

BERLIN Uni­on und FDP wol­len durch ei­ne tief­grei­fen­de Re­form der Hin­zu­ver­dienst­re­geln mehr Ar­beits­lo­se Schritt für Schritt in re­gu­lä­re Ar­beits­ver­hält­nis­se brin­gen. Ein ers­tes ge­mein­sa­mes Pa­pier der Hart­zIV-Ex­per­ten von Uni­on und FDP emp­fiehlt, die bis­her be­lieb­ten „klei­nen Hin­zu­ver­diens­te“ un­at­trak­tiv zu ma­chen. Da­für sol­len sich „gro­ße“ um so mehr loh­nen.

Bis­lang kön­nen Hartz-IV-Emp­fän­ger die Ein­nah­men aus Ne­ben­jobs bis 100 Eu­ro voll­stän­dig be­hal- ten. Je­der Hand­griff dar­über hin­aus wird Hin­zu­ver­die­nern aber re­gel­recht ver­lei­det. Von ei­nem 400 Eu­ro-Job blei­ben dem Be­schäf­tig­ten ge­ra­de ein­mal 160 Eu­ro. Das hängt da­mit zu­sam­men, dass nach gel­ten­der Rechts­la­ge bei Hin­zu­ver­diens­ten ober­halb des Frei­be­tra­ges von je­dem Eu­ro bis 800 Eu­ro nur 20 Cent blei­ben, von je­dem Eu­ro dar­über so­gar nur zehn Cent. Das soll künf­tig mas­siv ver­än­dert wer­den.

Das un­se­rer Zei­tung vor­lie­gen­de Pa­pier, das der Hartz-IV-Be­richt­er­stat­ter der Uni­ons­frak­ti­on, Cars­ten Lin­ne­mann, und der ar­beits­markt- po­li­ti­sche Spre­cher der FDP-Frak­ti­on, Jo­han­nes Vo­gel, für die an­ste­hen­den Ver­hand­lun­gen in ei­ner neu­en Ko­ali­ti­ons­ar­beits­grup­pe ge­mein­sam ver­fasst ha­ben, hält als Ziel fest, „den He­bel der heu­ti­gen Pri­vi­le­gie­rung ,klei­ner Hin­zu­ver­diens­te’ so um­zu­dre­hen, dass Be­schäf­ti­gung in ge­rin­gem Um­fang un­at­trak­tiv und Be­schäf­ti­gung in hö­he­rem Um­fang at­trak­ti­ver ist“. Wört­lich heißt es in dem Pa­pier: „Da­zu könn­ten bei­spiels­wei­se bei ei­nem Frei­be­trag von 40 Eu­ro die ers­ten 200 Eu­ro voll auf Hartz IV an­ge­rech­net wer­den. Ab 200 Eu­ro soll- ten dann deut­lich groß­zü­gi­ge­re Frei­be­trags­re­ge­lun­gen als bis­lang gel­ten, die sich im mitt­le­ren Ein­kom­mens­be­reich mit dem Be­ginn der so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Be­schäf­ti­gung am Richt­wert von 50 Pro­zent Frei­be­trag ori­en­tie­ren“.

Auf die­se Wei­se wür­den Leis­tungs­emp­fän­ger mo­ti­viert, mehr zu ar­bei­ten. Die Ei­gen­in­itia­ti­ve zur Auf­nah­me ei­ner Voll­zeit­tä­tig­keit wür­de be­lohnt wer­den. Für den Staat könn­ten sich auf mitt­le­re Sicht auf die­sem Weg zu­dem „nen­nens­wer­te Ein­spar­po­ten­zia­le er­schlie­ßen“.

Der­zeit sei­en die An­rei­ze aber so ge­setzt, „dass es sich für Lang­zeit­ar­beits­lo­se häu­fig nicht lohnt, sich durch ei­ne Voll­zeit­tä­tig­keit den Weg aus der Hil­fe­be­dürf­tig­keit zu bah­nen“, hal­ten Lin­ne­mann und Vo­gel fest. Die ak­tu­el­le Ge­setz­ge­bung be­güns­ti­ge ei­ne Kom­bi­na­ti­on von Er­werbs­tä­tig­keit in ge­ring­fü­gi­gem Um­fang und Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen. Bis Mit­te Ok­to­ber wol­len sich Uni­on und FDP auf ei­nen Ent­wurf ver­stän­di­gen, der am 20. Ok­to­ber vom Ka­bi­nett be­schlos­sen und dann in den Bun­des­tag ein­ge­bracht wer­den soll.

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