Lu­xus-Ge­häl­ter für EU-Be­am­te

Deutsch­land fi­nan­ziert als größ­ter Net­to­zah­ler der Eu­ro­päi­schen Uni­on ei­nen Groß­teil der üp­pi­gen Sa­lä­re für EU-Kom­mis­sa­re und ih­re Be­am­ten. Al­lein ein Aka­de­mi­ker ver­dient oh­ne Be­rufs­er­fah­rung schon 4000 Eu­ro mo­nat­lich. Ein Kom­mis­sar kommt auf 20 000 Eu­ro

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON AN­JA INGENRIETH

BRÜSSEL Fran­co Frat­ti­ni ist ein ita­lie­ni­scher Le­be­mann: Als EU-Kom­mis­sar sorg­te der aal­glat­te Ju­rist vor al­lem mit ed­len Maß­an­zü­gen für Auf­se­hen. Sei­ne Lie­be zum Lu­xus konn­te der 53-Jäh­ri­ge in Brüssel voll aus­le­ben. Schließ­lich be­zog er als Vi­ze-Chef der Exe­ku­tiv-Be­hör­de ein Sa­lär von gut 22000 Eu­ro pro Mo­nat – plus Fah­rer und Spe­sen. Frat­ti­ni ver­ließ die Kom­mis­si­on im Früh­jahr 2008, um Au­ßen­mi­nis­ter Ita­li­ens zu wer­den. Ein lu­kra­ti­ver Kar­rie­re­sprung. Den­noch kas­siert er wei­ter kräf­tig Geld aus Brüssel – völ­lig le­gal. Die Sa­lä­re für EU-Be­am­te kos­ten die Steu­er­zah­ler Mil­li­ar­den: Al­lein Berlin fi­nan­ziert als größ­ter Net­to­zah­ler ein Fünf­tel der zu­letzt gut 140 Mil­li­ar­den Eu­ro für den Haus­halt. Ten­denz stei­gend.

Kom­mis­sa­re Knapp 20000 Eu­ro be­trägt das mo­nat­li­che Grund­ge­halt für ei­nen Kom­mis­sar. Je­des der 27 EU-Län­der hat An­spruch auf ei­nen Ver­tre­ter in der Exe­ku­tiv-Be­hör­de. Kom­mis­si­ons-Chef Jo­sé Ma­nu­el Bar­ro­so kas­siert rund 304000 Eu­ro im Jahr und rech­ne­te 2009 obend­rein 730000 Eu­ro für Rei­sen und Re­prä­sen­ta­ti­ons­zwe­cke ab. Eu­ro­pas um­strit­te­ne Au­ßen­mi­nis­te­rin Ca­the­ri­ne Ash­ton kommt so­gar auf 323000 Eu­ro Sa­lär – plus Zu­schüs­se.

Über­gangs­geld Aus­ge­schie­de­ne Kom­mis­sa­re wie Frat­ti­ni ha­ben An­spruch auf 40 bis 65 Pro­zent des Grund­ge­hal­tes für die Dau­er von drei Jah­ren. Of­fi­zi­el­le Be­grün­dung: Das Geld soll ih­nen „beim Über­gang in den Ar­beits­markt hel­fen“ und da­für sor­gen, dass sie nicht „je­den Job an­neh­men müs­sen“. 17 ehe­ma­li­ge Mit­glie­der der EU-Exe­ku­ti­ve be­zie­hen sol­che Über­gangs­hil­fen – auch wenn sie längst ei­ne neue hoch­do­tier­te Tä­tig­keit ha­ben. So wur­de Ex-Haus­halts-Kom­mis­sa­rin Da­lia Gry­bau­skai­te zur Prä­si­den­tin Li­tau­ens ge­wählt. Be­am­te Auch die EU-Be­am­ten sind bes­tens ver­sorgt, ver­die­nen Grund­ge­häl­ter zwi­schen rund 2500 und knapp 18000 Eu­ro. Aka­de­mi­ker stei­gen auch oh­ne Be­rufs­er­fah­rung in der Re­gel mit mehr als 4000 Eu­ro ein. Zu­sätz­lich gibt es je­de Men­ge steu­er­freie Zu­la­gen – et­wa für das Le­ben im Aus­land, den Haus­halt und die Er­zie­hung. Sie sum­mie­ren sich bei Be­am­ten mit zwei Kin­dern schnell auf 5000 Eu­ro als Net­to-Bei­ga­be zum Ge­halt.

Ge­halts­er­hö­hung Die ins­ge­samt rund 44500 Be­diens­te­ten der EUKom­mis­si­on, des Ra­tes und des Eu­ro­pa­par­la­ments for­der­ten En­de ver­gan­ge­nen Jah­res 3,7 Pro­zent Ge­halts­er­hö­hung rück­wir­kend zum Ju­li 2009. Die EU-Haupt­städ­te wol­len je­doch „nur“ 1,85 Pro­zent ge­wäh­ren. Nun muss der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof ent­schei­den. In ei­nem ähn­li­chen Streit­fall 1972 setz­ten sich die Be­am­ten durch.

Ren­te Nor­ma­ler­wei­se kön­nen EU-Be­am­te mit 63 Jah­ren in Pen­si­on ge­hen, der Vor­ru­he­stand ist schon ab 55 mög­lich. Sie er­hal­ten dann für je­des ab­ge­leis­te­te Di­enst­jahr knapp zwei Pro­zent des letz­ten Grund­ge­halts. Nach 16 Jah­ren gibt es den Höchst­satz von 70 Pro­zent. Kom­mis­sa­re, die in der Re­gel nur ei­ne Amt­s­pe­ri­ode in Brüssel blei­ben, kom­men nach fünf Jah­ren auf ei­nen Pen­si­ons­an­spruch von fast 5000 Eu­ro pro Mo­nat.

„Sol­che pa­ra­die­si­schen Son­der­leis­tun­gen sind dem Steu­er­zah­ler nicht ver­mit­tel­bar und ge­hö­ren ab­ge­schafft”, wet­tert die CDU-Eu­ro- pa­ab­ge­ord­ne­te In­ge Gräß­le. Sie will im Kon­troll­aus­schuss be­an­tra­gen, das Ge­halts­bud­get für die Kom­mis­sa­re für 2011 ein­zu­frie­ren, bis sich we­nigs­tens das Über­gangs­gel­dSys­tem än­dert. Auch der Bun­des­tag ist alar­miert. „Es darf nicht sein, dass der deut­sche Steu­er­zah­ler für völ­lig un­zeit­ge­mä­ße Brüs­se­ler Über­ver­sor­gung zur Kas­se ge­be­ten wird“, for­dert Gunther Krich­baum (CDU), Vor­sit­zen­der des Eu­ro­paAus­schus­ses, ge­gen­über un­se­rer Zei­tung. „So ver­liert Eu­ro­pa das Ver­trau­en der Bür­ger.” Die Bun­des­re­gie­rung als größ­ter EU-Net­to­zah­ler müs­se dar­auf po­chen, dass „deut­sches Steu­er­geld in Brüssel nicht län­ger ver­schwen­det wird”.

FO­TO: DPA

Spitzenverdiener: Je­der der 27 EU-Kom­mis­sa­re um Prä­si­dent Jo­sé Ma­nu­el Bar­ro­so (vor­ne) ver­dient knapp 20 000 Eu­ro Grund­ge­halt im Mo­nat.

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