Hoff­nung auf Nah­ost-Ge­sprä­che trotz Sied­lungs­bau

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON GIL YARON

JE­RU­SA­LEM Als die Bag­ger um acht Uhr mor­gens die Haupt­stra­ße der Sied­ler­stadt Ari­el im West­jor­dan­land ent­lang­don­nern, wer­den sie von den Be­woh­nern des Or­tes mit Ju­bel emp­fan­gen. Die schwe­ren Ge­rä­te fah­ren zum Süd­ost­hü­gel der Stadt, dort sol­len sie ei­ne Bau­stel­le für 50 neue Wohn­ein­hei­ten pla­nie­ren. Für meh­re­re Hun­dert Sied­ler soll hier ein neu­es Heim ent­ste­hen. Sie ver­lo­ren bei der Räu­mung des Ga­za-Strei­fens vor fünf Jah­ren ih­re Häu­ser, leb­ten seit­dem in Wohn­con­tai­nern. Doch was für die Sied- ler zum Neu­an­fang wer­den könn­te, könn­te für die Nah­ost-Frie­dens­ge­sprä­che zwi­schen Is­ra­el Pa­läs­ti­na das Aus be­deu­ten: Die Pa­läs­ti­nen­ser, die das West­jor­dan­land für ih­ren Staat be­an­spru­chen, wol­len nicht ver­han­deln, so­lan­ge Is­ra­el vor Ort mit dem Aus­bau der Sied­lun­gen neue Fak­ten schafft.

Is­ra­els Pre­mier Ben­ja­min Ne­tan­ja­hu woll­te die Fei­ern auf ein Mi­ni­mum be­schrän­ken, um nicht zu pro­vo­zie­ren. Sei­ne Mi­nis­ter wies er an, nicht mit der Pres­se zu spre­chen. Die Sied­ler nah­men des­we­gen von ex­tra­va­gan­ten Fei­ern Ab­stand. Trotz­dem wur­de im West­jor- dan­land an vie­len Or­ten das En­de des zehn­mo­na­ti­gen Sied­lungs­bau­stopps ge­fei­ert. Hard­li­ner aus Ne­tan­ja­hus Li­kud-Par­tei hat­ten mehr als 2000 An­hän­ger aus al­ler Welt in die Sied­lung Re­va­va ein­ge­la­den. Ei­ne gro­ße Uhr lief wie zu Sil­ves­ter rück­wärts, dann lie­ßen die An­hän­ger Tau­sen­de Luft­bal­lons in den Na­tio­nal­far­ben blau und weiß flie­gen: „Heu­te Nacht be­för­dern wir den Baustopp zu­rück in den Pa­pier­korb der Ge­schich­te“, ver­kün­de­te der Ab­ge­ord­ne­te Dan­ny Da­non. Laut An­ga­ben des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums be­sit­zen die Sied­ler rund 2000 gül­ti­ge Bau­ge­neh­mi- gun­gen. Vo­r­erst rech­net der Sied­ler­rat auf­grund bü­ro­kra­ti­scher und fi­nan­zi­el­ler Pro­ble­me aber nur mit rund 600 Baustarts. Um wei­ter­zu­bau­en, bräuch­ten die Sied­ler die Ko­ope­ra­ti­on der Re­gie­rung, die bis­her ei­ne di­rek­te Kon­fron­ta­ti­on mit den Pa­läs­ti­nen­sern und den USA ver­mei­den will.

UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär Ban Ki Moon äu­ßer­te sich ent­täuscht über das Aus­blei­ben ei­ner Ver­län­ge­rung des is­rae­li­schen Baustopps. Bau­ak­ti­vi­tä­ten auf be­setz­tem Ge­biet sei­en il­le­gal, hieß es in ei­ner Er­klä­rung Bans. Is­ra­el sol­le wei­te­re Bau­vor­ha­ben auf Eis le­gen, for­der­te er.

Un­ter­des­sen er­hiel­ten die Frie­dens­ver­hand­lun­gen ei­ne neue Gal­gen­frist. Der pa­läs­ti­nen­si­sche Prä­si­dent Mahmud Ab­bas er­klär­te, er war­te den Be­schluss ei­nes Son­der­gip­fels der Ara­bi­schen Li­ga am 4. Ok­to­ber ab, be­vor er sich ent­schei­de, ob er die Ge­sprä­che ab­bre­che. Die Chef­un­ter­händ­ler bei­der Sei­ten sind der­weil in Washington, wo nach ei­ner Kom­pro­miss­lö­sung ge­sucht wird. Is­ra­els Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ehud Ba­rak schätz­te, dass es gu­te Aus­sich­ten da­für gä­be, dass die Ver­hand­lun­gen trotz des be­schränk­ten Sied­lungs­baus nicht ab­ge­bro­chen wür­den. PARIS (dapd) Der Pa­ri­ser Stadt­rat hat ei­ne Kla­ge ge­gen Jac­ques Chi­rac, Ex-Prä­si­dent Frank­reichs und frü­he­rer Bür­ger­meis­ter der Stadt, zu­rück­ge­zo­gen. Die Stadt­ver­wal­tung hat­te sich zu­vor mit Chi­rac und des­sen Par­tei UMP auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Ent­schä­di­gung in Hö­he von 2,2 Mil­lio­nen Eu­ro für Ver­lus­te ge­ei­nigt, die der Stadt durch ei­nen Kor­rup­ti­ons­skan­dal ent­stan­den sind. Den­noch muss sich Chi­rac dem­nächst we­gen des Vor­wurfs der Ver­un­treu­ung vor Ge­richt ver­ant­wor­ten.

FO­TO: AFP

Jac­ques Chi­rac (l.) bei ei­ner Trup­pen­pa­ra­de in Paris.

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