Ge­gen­wind für Hu­go Cha­vez

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON TO­BI­AS KÄU­FER

CA­RA­CAS Stun­den­lang ließ Ti­bi­say Lu­ce­na ih­re Lands­leu­te war­ten: Of­fen­bar gab es für die Prä­si­den­tin des Na­tio­na­len Wahl­ra­tes hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren ei­ni­ge Fra­gen zu klä­ren. Das Er­geb­nis der Par­la­ments­wah­len in Ve­ne­zue­la, das die Wäch­te­rin über die Wäh­ler­stim­men zu ver­kün­den hat­te, birgt po­li­ti­schen Spreng­stoff. So­wohl die PSUV, Par­tei des so­zia­lis­ti­schen Staats­prä­si­den­ten Hu­go Cha­vez, als auch der ver­ei­nig­te Block der Op­po­si­ti­ons­par­tei­en lie­ßen sich als Sie­ger fei­ern. Zwar ge­wann die PSUV rund 90 der 165 Sit­ze in der Na­tio­nal­ver­samm­lung und da­mit ei­ne sat­te Mehr­heit, doch die Op­po­si­ti­on soll nach ih­rer Les­art 52 Pro­zent al­ler ab­ge­ge­be­nen Stim­men er­hal­ten ha­ben.

Für den po­li­ti­schen Al­lein­un­ter­hal­ter Hu­go Cha­vez ist das zwei Jah­re vor den Prä­si­dent­schafts­wah­len ei­ne alar­mie­ren­de Zahl. Sei­ne An­hän­ger hat­ten im al­ten, noch na­he­zu op­po­si­ti­ons­frei­en Par­la­ment durch­ge­setzt, dass das Wahl­recht die be­völ­ke­rungs­ar­men Pro­vin­zen des Lan­des über­pro­por­tio­nal be­vor­teilt. In den länd­li­chen Re­gio­nen hat die PSUV ih­re Macht­ba­sis. Cha­vez fei­er­te für sei­ne Ver­hält­nis­se zu­rück­hal­tend: Über sei­nen Twit­ter-Ac­count sprach er von ei­nem so­li­den Er­geb­nis, be­glück­wünsch­te das Volk zu ei­nem wei­te­ren Sieg des So­zia­lis­mus und ver­schwand von der Bild­flä­che.

Die Op­po­si­ti­on da­ge­gen er­wach­te aus ih­rem Mau­er­blüm­chen­da­sein. Ramón Guil­ler­mo Ave­le­do vom „Tisch der Ein­heit“ (MUD) wer­te­te das Er­geb­nis als Sieg des ver­ei­nig­ten An­ti-Cha­vez-La­gers: „Un­se­re Hoch­rech­nun­gen ha­ben er­ge­ben, dass wir 52 Pro­zent der Stim­men er­hal­ten ha­ben“, sag­te Ave­le­do dem re­gie­rungs­kri­ti­schen Sen­der Glo­bo­vi­si­on. Cha­vez’ jun­ge Her­aus­for­de­rin Ma­ría Co­ri­na Macha­do, die als ei­nes der un­ver­brauch­ten Ge­sich­ter der ve­ne­zo­la­ni­schen Op­po­si­ti­on gilt, mach­te den Prä­si­den­ten für das schwa­che Ab­schnei­den ver­ant­wort­lich: „Er hat die Wah­len in ein Ple­bis­zit über sich selbst ver­wan­delt. Es ha­ben die Kräf­te in Ve­ne­zue­la ge­won­nen, die den Kom­mu­nis­mus nach ku­ba­ni­schem Vor­bild ab­leh­nen.“

Für Hu­go Cha­vez wird das Re­gie­ren schwie­ri­ger: Bei den vor­an­ge­gan­ge­nen Wah­len hat­te die Op­po­si­ti­on den Ur­nen­gang noch boy­kot­tiert und sich da­mit selbst ins po­li­ti­sche Ab­seits ma­nö­vriert. Nun stellt sich Cha­vez ein ernst­zu­neh­men­der Block ent­ge­gen. Die an­ge­streb­te Zwei-Drit­tel-Mehr­heit ist Ge­schich­te. Viel mehr schmer­zen dürf­te Cha­vez aber, dass nun in den nächs­ten zwei Jah­ren Wi­der­sa­cher her­an­wach­sen kön­nen, die ihm das Le­ben bei der Prä­si­dent­schafts­wahl schwer ma­chen kön­nen.

FO­TO: AP

Prä­si­dent Hu­go Cha­vez.

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