War­um ist et­was un­ter al­ler Ka­no­ne?

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WISSEN / ROMAN -

NR. 424 – An­ge­la Mül­ler aus Mön­chen­glad­bach fragt: „Wo­her kommt der Aus­druck ‚Un­ter al­ler Ka­no­ne‘“? W ir ge­brau­chen die­se Re­de­wen­dung, wenn wir uns über schlech­te Leis­tun­gen, vor al­lem von Sport­lern, är­gern. Doch das ver­nich­ten­de Ur­teil hat mit Ka­no­ne nichts zu tun, son­dern müss­te ei­gent­lich „un­ter al­lem Ka­non“ hei­ßen. Mit dem la­tei­ni­schen Aus­druck „sub om­ni ca­no­ne“ wur­de frü­her die mi­se­ra­ble Leis­tung ei­nes Schü­lers be­wer­tet, die un­ter­halb des Ka­nons (Maß­stab) lag, was der heu­ti­gen No­te sechs ent­spricht. Apro­pos Ka­non: Der war ei­ne Norm zur Be­no­tung und be­zeich­ne­te im Grie­chi­schen einst so­wohl ei­nen Rohr­stab als auch den Maß­stab der Zim­mer­leu­te. Die­ses Wort hat­ten die al­ten Grie­chen von den As­sy­rern über­nom­men, dort war „ga­nu“ das Rohr. Hier ha­ben Ka­non und Ka­no­ne ih­ren Ur­sprung.

Dass aus der Zeug­nis­no­tiz im 19. Jahr­hun­dert die fal­sche Über­set­zung wur­de, hat an­geb­lich ein säch­si­scher Ober­leh­rer zu ver­ant­wor­ten. Er be­klag­te sich über die Leis­tun­gen sei­ner Schü­ler: „Mei­ne Zen­sur­staf­fel ist ein canon zu fünf Zen­su­ren; lei­der lie­gen die Ar­bei­ten der meis­ten Schü­ler sub om­ni ca­no­ne.“ Da­mit das auch die Dümms­ten der Klas­se ver­stün­den, ha­be er scherz­haft „un­ter al­ler Ka­no­ne“ hin­zu­ge­fügt. Im Lau­fe der Jah­re hat sich die­ser Aus­spruch in ganz Deutsch­land, Ös­ter­reich und der Schweiz ver­brei­tet.

DDT

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