Gu­te Be­kann­te jaz­zen in Viersen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR - VON BAR­BA­RA STEINGIESSER

VIERSEN Als es zu Be­ginn des In­ter­na­tio­na­len Jazz­fes­ti­vals in Viersen von Po­li­zei­wa­gen nur so wim­mel­te und sich De­mons­tran­ten auf den Stu­fen vor der Fest­hal­le for­mier­ten, dach­te man: Na­nu? Ge­hen die Jazz­fans jetzt für ih­re Mu­sik auf die Bar­ri­ka­den? Denn das Fes­ti­val ist we­gen fi­nan­zi­el­ler Kür­zun­gen in Ge­fahr. Aber nein, die De­mo hat­te mit Jazz nichts zu tun, und es bleibt zu hof­fen, dass die 24. Aus­ga­be des Fes­ti­vals Zweif­ler da­von über­zeugt hat, dass Viersen und die Mu­sik zu­sam­men­ge­hö­ren, so wie es das Gie­bel­re­lief der Fest­hal­le sym­bo­li­siert mit Ly­ra-Spie­ler und Flö­tis­tin, die das Stadt­wap­pen ein­rah­men.

Tat­säch­lich hat sich das Fes­ti­val, das am Sams­tag mit 1300 Gäs­ten bei den Kon­zer­ten von Ma­nu Katché und Klaus Dol­din­ger ei­nen Be­su­cher­re­kord ver­zeich­ne­te, ste­tig wei­ter­ent­wi­ckelt. Es ist ei­ne Ver­an­stal­tung der kur­zen We­ge. Al­les liegt nah bei­ein­an­der, von den himm­li­schen Klän­gen der en­gel­glei­chen Azi­za Musta­fa Za­deh in der Kreuz­kir­che über die beim gro­ßen Pu­bli­kum be­lieb­ten Stars im Saal und Kam­mer­jazz für Ken­ner auf Büh­ne 2 (et­wa mit Ack van Rooy­en und Paul Hel­ler) bis zu den hoch­ta­len­tier­ten jun­gen Wil­den wie Matthias Schriefl, der sich mit sei­nem hu­mor­voll an­ar­chi­schen Al­pen­jazz im Fest­hal­len­kel­ler aus­to­ben konn­te – üb­ri­gens ein High­light des dies­jäh­ri­gen Fes­ti­vals.

Wenn ei­nem Teil der Zu­hö­rer ein­mal ein Kon­zert zu ab­ge­ho­ben er­scheint, wie das of­fen­sicht­lich bei Ste­ve Co­le­man und sei­nen mi­ni­ma­lis­tisch mä­an­dern­den Sa­xo­fon­klän­gen der Fall war, die wie ein ein­zi­ges ein­stün­di­ges Stück er­schie­nen, dann ist auch das kein Pro­blem, denn auf ei­ner der bei­den Ne­ben­büh­nen gibt es im­mer noch ein an­de­res Kon­zert. We­gen der zeit­li­chen und räum­li­chen Dich­te trifft man beim Fes­ti­val in Viersen nicht nur Freun­de und Be­kann­te, son­dern man er­lebt auch die Mu­si­ker aus nächs­ter Nä­he, et­wa wenn sie vor oder nach ih­rem Kon­zert selbst im Pu­bli­kum sit­zen, um den Kol­le­gen zu lau­schen. Von den kur­zen We­gen pro­fi­tie­ren auch Men­schen mit Be­hin­de­rung, für die durch die Zu­sam­men­ar­beit mit der „Ak­ti­on Mensch“ rund­um ge­sorgt ist, vom Pro­gramm in Braille-Schrift und als Au­dio­gui­de über bar­rie­re­freie Auf­zü­ge bis hin zu Be­gleit­per­so­nen, die kos­ten­frei zur Ver­fü­gung ste­hen.

Zu ei­nem ei­ge­nen Schwerpunkt hat sich in den letz­ten Jah­ren un­ter dem Ti­tel „Ju­ni­or’s Jazz Open“ der drit­te Fes­ti­val­tag ent­wi­ckelt, der ganz den Fa­mi­li­en mit Kin­dern und Ju­gend­li­chen ge­wid­met ist und der in die­sem Jahr so vie­le Be­su­cher wie nie zu­vor ver­zeich­ne­te. Durch Work­shops in Schu­le und Mu­sik­schu­le ha­ben Kin­der die Ge­le­gen­heit, die Spra­che der Im­pro­vi­sa­ti­on ken­nen­zu­ler­nen und beim Fes­ti­val ge­mein­sam mit dem künst­le­ri­schen Lei­ter Ali Hau­rand und sei­nen Kol­le­gen auf der Büh­ne zu ste­hen. Beim Kon­zert „Jazz mit Kick!“, das die Pia­nis­tin Laia Genc mit Vier­sener Grund­schul­kin­dern vor­be­rei­tet hat­te, wirk­te auch die groß­ar­ti­ge Sän­ge­rin Sa­bi­ne Küh­lich mit. Und das war noch nicht ein­mal im Pro­gramm an­ge­kün­digt. In­zwi­schen gibt es die Zu­sa­ge, dass die Jazz­ta­ge auch 2011 statt­fin­den wer­den. So kön­nen Viersen und der Jazz doch noch Sil­ber­hoch­zeit fei­ern. Nicht zu­letzt we­gen der Kin­der, die den Jazz mit Be­geis­te­rung auf­ge­nom­men und in ihr Herz ge­schlos­sen ha­ben, hofft man je­doch auf ei­nen Bund für die Ewig­keit.

FO­TO: STEINGIESSER

Klaus Dol­din­ger Viersen.

beim Jazz­fes­ti­val in

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