Kriegs­dra­ma bei der Ruhr­tri­en­na­le

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR -

Ein sol­ches Thea­ter gibt es bei uns ja gar nicht mehr: so un­ver­blümt und di­rekt, ein­fach und klar. Ein Thea­ter, das mit­ten aus dem Le­ben ge­ris­sen zu sein scheint – und weil das Stück „Ver­bren­nun­gen“ vom Bür­ger­krieg im Li­ba­non er­zählt, muss es vol­ler Leid und Bes­tia­li­tät sein. Nichts ver­stellt in die­sem Stück des Li­ba­ne­sen Wa­j­di Moua­wad den Blick für das Schick­sal der Men­schen, für Na­wal ins­be­son­de­re, der man das Neu­ge­bo­re­ne aus ih­ren Ar­men und aus ih­rem Le­ben reißt, die sich auf die Su­che be­gibt, die zur Mör­de­rin wird und in zehn­jäh­ri­ger Haft zur sa­gen­um­wo­be­nen „Frau, die singt“. Die Ge­schich­te ist die Ma­trix des Schau­spiels, sei­ne Ge­gen­wart aber ist ein Er­be: Denn Na­wal hin­ter­lässt ih­ren bei­den spä­ter ge­bo­re­nen Kin­dern je­weils ei­nen Brief, den sie ih­rem un­be­kann­ten Va­ter und ih­rem un­be­kann­ten Bru­der über­ge­ben sol­len. Was auf die­ser Wan­de­rung durch die Ver­gan­gen­heit ans Licht ge­langt, ist das Grau­en des Krie­ges, Hass und Schmerz.

Nichts lenkt auf der Büh­ne da­von ab: Ein paar Ti­sche wer­den ge­rückt, ge­kippt, ge­wor­fen; sie die­nen dann als Gr­ab, als Zelt­ein­gang, als Hin­ter­halt. Und zwi­schen ih­nen Op­fer, die ab­ge­knallt wer­den – oder zu Tä­tern. Glän­zend das En­sem­ble des Burg­thea­ters Wi­en, be­klem­mend das Stück, stim­mig die Ins­ze­nie­rung. Die Ruhr­tri­en­na­le glänzt mit ei­nem Thea­ter, das nichts an­de­res mehr ab­bil­den will als die Welt.

LOTHAR SCHRÖDER

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