Pro­zess: Se­ri­en­ver­ge­wal­ti­ger be­reut und weint

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - GESELLSCHAFT -

DÜSSELDORF (wuk) Nach sei­ner Ent­tar­nung als Se­ri­en­ver­ge­wal­ti­ger hat­te sich ein Fa­mi­li­en­va­ter (46) aus der Ei­fel noch da­mit ge­brüs­tet, er ha­be sich in­ner­halb von 15 Jah­ren an fast 1000 Frau­en in Deutsch­land, Bel­gi­en und in den Nie­der­lan­den ver­gan­gen. Seit ges­tern ver­han­delt das Düs­sel­dor­fer Land­ge­richt we­gen neun­fa­cher Ver­ge­wal­ti­gung ge­gen den 46-Jäh­ri­gen. Da­bei ver­goß der Schlos­ser aus Rhein­lan­dP­falz Trä­nen und be­kun­de­te zu­gleich sei­ne Reue.

„Manch­mal ha­be ich mich er­schreckt vor mir. Ich woll­te auch nicht wei­ter ge­hen, woll­te nichts mit al­ler Ge­walt er­zwin­gen“, wis­per­te der klei­ne, drah­ti­ge An­ge­klag­te mit dem kurz­ge­scho­re­nen Voll­bart. Und doch hat er ab 1995 nicht nur un­zäh­li­gen Frau­en im Bun­des­ge­biet und in den Nach­bar­län­dern trick­reich se­xu­el­le Kon­tak­te auf­ge­drängt, son­dern hat min­des­tens neun sei­ner Op­fer laut Ge­ständ­nis mit vor­ge­hal­te­nem Mes­ser ver­ge­wal­tigt. Sein Le­ben lang ha­be er sich we­gen ei­ner Le­se-und Schreib­schwä­che „un­ter Druck“ ge­fühlt, un­ter­le­gen, als Ver­sa­ger, sag­te er. Bis er dann hin­ter der bür­ger­li­chen Fas­sa­de als Ehe­mann und zwei­fa­cher Va­ter ein zwei­tes, ge­hei­mes Le­ben als Se­ri­en­ver­ge­wal­ti­ger be­gann. Zu­nächst hat­te er „un­ter Druck“ nur ei­ne Spiel­sucht ent­wi­ckelt. Als das zu­letzt aber zu teu­er wur­de, ha­be er Tricks er­son­nen, um Sex-Kon­tak­te zu be­kom­men.

Meist ha­be er sich als Be­hin­der­ter aus­ge­ge­ben, ha­be wild­frem­de Frau­en an­ge­spro­chen mit der Bit­te, ihm we­gen ei­ner an­geb­li­chen Läh­mung sei­ner Ar­me oder Hän­de be­hilf­lich zu sein. In an­de­ren Fäl­len drang er mit Strumpf­mas­ke und Mes­ser nachts in die Woh­nun­gen schla­fen­der Frau­en ein und ver­ge­wal­tig­te die Op­fer.

Ein Gut­ach­ter gab an, der An­ge­klag­te sei we­gen die­ses „sucht­ar­ti­gen Drangs“ nur ein­ge­schränkt schuld­fä­hig – und we­gen sei­ner ein­sich­ti­gen Reue the­ra­pier­bar. Ein Ur­teil wird Mit­te Ok­to­ber er­war­tet.

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