Bund schiebt Ener­gie-Um­bau mit So­fort­pro­gramm an

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON BIR­GIT MAR­SCHALL

BERLIN Die Bun­des­re­gie­rung will den bis 2050 ge­plan­ten Ra­di­kal­um­bau der deut­schen Ener­gie­ver­sor­gung mit ei­nem Zehn-Punk­te-So­fort­pro­gramm an­schie­ben. Der Bau der ers­ten zehn Off­s­horeWind­parks in Nord-und Ost­see soll dem­nach mit ei­nem Fünf-Mil­li­ar­den-Eu­ro-Kre­dit­pro­gramm der staats­ei­ge­nen Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW) ge­för­dert wer­den. Die Wind­ener­gie soll bis 2050 fast 50 Pro­zent zur Ener­gie­er­zeu­gung bei­tra­gen, der­zeit liegt ihr An­teil bei un­ter zehn Pro­zent. Bis 2030 müs­sen 75 Mil­li­ar­den Eu­ro in den Aus­bau der Wind­parks in­ves­tiert wer­den, heißt es im Ener­gie­kon­zept der Bun­des­re­gie­rung.

Das Ka­bi­nett wird das Ener­gie­kon­zept heu­te zu­sam­men mit dem So­fort­pro­gramm und ei­nem wei­te­ren Ge­set­zes­pa­ket zur Um­set­zung der Maß­nah­men ver­ab­schie­den. Es soll noch vor Jah­res­en­de vom Par­la­ment ge­bil­ligt wer­den. Ziel ist, die Treib­haus­gas­emis­sio­nen bis 2050 um 80 bis 95 Pro­zent ge­gen­über dem Jahr 1990 zu re­du­zie­ren. Der An­teil der Strom­er­zeu­gung aus er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en am Brut­to­strom­ver­brauch soll bis 2050 von der­zeit 15 auf 80 Pro­zent stei­gen.

Die Re­gie­rung meint, die­se Zie­le nur er­rei­chen zu kön­nen, wenn sie den von Rot-Grün im Jahr 2000 be­schlos­se­nen Atom­aus­stieg ver­schiebt. Die Lauf­zei­ten für die 17 deut­schen Atom­kraft­wer­ke sol­len um durch­schnitt­lich zwölf Jah­re ver­län­gert wer­den. Die letz­ten Mei­ler dürf­ten nach dem Be­schluss der schwarz-gel­ben Ko­ali­ti­on in den 2040er Jah­ren vom Netz ge­hen.

Das So­fort­pro­gramm kon­zen­triert sich auf den ra­schen Aus­bau der Wind­ener­gie. Da­zu soll die See­an­la­gen­ver­ord­nung so ge­än­dert wer­den, dass der zö­ger­li­chen Hal­tung der Ener­gie­kon­zer­ne ent­ge­gen­ge­tre­ten wird. „Künf­tig wer­den Ge­neh­mi­gun­gen nur ver­län­gert, wenn die In­ves­to­ren kon­kre­te Rea­li­sie­rungs­schrit­te nach­wei­sen“, heißt es in dem Pro­gramm. Bis­her ha­ben In­ves­to­ren Ge­neh­mi­gun­gen häu­fig nur vor­ge­hal­ten, oh­ne aber mit dem Bau zu be­gin­nen.

Die Re­gie­rung will zu­dem ei­ne Netz­platt­form schaf­fen. Re­gel­mä­ßig sol­len Strom­netz­be­trei­ber und Bun­des­län­der dar­über be­ra­ten, wie sie den Netz­aus­bau vor­an­trei­ben. Der Mas­sen­trans­port des Wind­stroms vom Nor­den in den Sü­den der Re­pu­blik ist bis­lang ei­ne noch un­ge­lös­te Fra­ge. Im Ener­gie­kon­zept hat die Re­gie­rung die Re­ge­lun­gen zur Ge­bäu­de­sa­nie­rung ab­ge­schwächt. Sie soll bis 2050 den wich­tigs­ten An­teil an der Zu­rück­füh­rung der Treib­haus­ga­se ha­ben. Ent­ge­gen ur­sprüng­li­cher Plä­ne will die Re­gie­rung Haus­ei­gen­tü­mer je­doch nicht mehr zwin­gen, ih­re Ge­bäu­de zu sa­nie­ren, son­dern An­rei­ze schaf­fen. Ge­prüft wird et­wa die steu­er­li­che För­de­rung von Er­satz­Neu­bau­ten, wenn al­te Ge­bäu­de die vor­ge­ge­be­nen Nor­men für den Ener­gie­ver­brauch nicht er­fül­len. Haus­ei­gen­tü­mer­ver­bän­de hat­ten die Ein­füh­rung ei­ner de­gres­si­ven Son­der-Ab­schrei­bung für kli­ma­freund­li­che Neu­bau­ten ge­for­dert. Ob der Fi­nanz­mi­nis­ter da­für grü­nes Licht ge­ben wird, ist al­ler­dings noch of­fen. Der Er­satz-Neu­bau soll auch im Ge­bäu­de­sa­nie­rungs­pro­gramm der KfW för­der­fä­hig wer­den. Ent­ge­gen bis­he­ri­gen Plä­nen wer­den die Mit­tel für das Pro­gramm 2011 um 500 Mil­lio­nen Eu­ro auf ei­ne Mil­li­ar­de auf­ge­stockt. Das Geld da­für muss Bau­mi­nis­ter Pe­ter Ram­sau­er (CSU) nicht im ei­ge­nen Etat auf­trei­ben, er er­hält es „on top“. Zu­dem will die Re­gie­rung ein neu­es För­der­pro­gramm „En­er­ge­ti­sche Städ­te­bau­sa­nie­rung“ bei der KfW auf­le­gen. Bei der Ge­bäu­de­sa­nie­rung will sie ei­ne „Vor­bild­funk­ti­on“ ein­neh­men. Kom­men­tar

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