Wes­tLB im Schau­fens­ter

Am Don­ners­tag er­scheint die Ver­kaufs­an­zei­ge für die Bank, de­ren Ei­gen­tü­mer auf Druck der EU die Mehr­heit ab­ge­ben. Doch der Zu­sam­men­schluss mit ei­ner an­de­ren Lan­des­bank er­scheint wahr­schein­li­cher als ein Ver­kauf.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON GEORG WINTERS

DÜSSELDORF Ei­gent­lich ist Fried­rich Merz An­walt und nicht Ver­käu­fer. Doch seit­dem er im Ju­ni of­fi­zi­ell da­mit be­auf­tragt wur­de, ei­nen Käu­fer für die Wes­tLB zu fin­den, spielt der frü­he­re Chef der Uni­ons-Bun­des­tags­frak­ti­on die­se Dop­pel­rol­le. Bei der Wes­tLB as­sis­tiert ihm Mor­gan St­an­ley. An die In­vest­ment­bank kön­nen sich ab Don­ners­tag all je­ne wen­den, die die of­fi­zi­el­le Ver­kaufs­an­zei­ge in der „Fi­nan­ci­al Ti­mes“ und ei­ner über­re­gio­na­len deut­schen Ta­ges­zei­tung ge­le­sen ha­ben.

Die Wes­tLB steht al­so ab über­mor­gen im Schau­fens­ter – auf Druck der EU, die die Ei­gen­tü­mer zwingt, die Mehr­heit an der Bank bis En­de 2011 in neue Hän­de zu ge­ben. Bis Don­ners­tag muss der In­halt der An­zei­ge noch durch meh­re­re Gre­mi­en der Wes­tLB-Ei­gen­tü­mer ge­peitscht wer­den, und des­we­gen hü­ten al­le die De­tails wie ein Klein­od. Doch man­ches ist schon durch­ge­si­ckert, auch wenn ges­tern noch nicht end­gül­tig klar war, ob die bis­her be­spro­che­nen Ein­zel­hei­ten und For­mu­lie­run­gen zu hun­dert Pro­zent von al­len Be­tei­lig­ten so ak­zep­tiert wür­den. Auf je­den Fall soll­te nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung in der An­zei­ge ste­hen, dass das Land NRW und die Spar­kas­sen­ver­bän­de in Nord­rhein-West­fa­len die Bank nicht auf­ge­teilt se­hen wol­len („Die An­teils­eig­ner be­ab­sich­ti­gen, die Wes­tLB voll­stän­dig zu ver­kau­fen“), dass sich die An­zei­ge an in­ter­na­tio­na­le Käu­fer rich­tet, dass die Bank aus Sicht der Ver­käu­fer deut­li­che Fort­schrit­te bei der Re­struk­tu­rie­rung ge­macht hat und im in­ter­na­tio­na­len Ge­schäft, vor al­lem in der Pro­jekt­fi­nan­zie­rung, zu den füh­ren­den In­sti­tu­ten zählt.

Und na­tür­lich auch, dass „ei­ne vom Bie­ter­ver­fah­ren un­ab­hän­gi­ge Trans­ak­ti­on im Zu­ge ei­ner Kon­so­li­die­rung der Lan­des­ban­ken nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann“. Ge­meint ist da­mit der Ver­such der Wes­tLB und der Bay­ern LB, ei­ne mög­li­che Fu­si­on bei­der Un­ter­neh­men aus­zu­lo­ten. Ver­tre­ter bei­der Geld­häu­ser tref­fen sich heu­te mit den Ei­gen­tü­mern al­ler Lan­des­ban­ken im Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um, um über die­sen Fu­si­ons­pro­zess in der Bran­che zu re­den. Nach dort­hin hat Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le ein­ge­la­den. Der Mi­nis­ter wird sich bei die­sem Tref­fen zwar durch die Staats­se­kre­tä­re Jörg As­mus­sen und Stef­fen Kam­pe- ter ver­tre­ten las­sen. Aber auch die zwei­te Rei­he im Mi­nis­te­ri­um wird den Lan­des­ban­ken klar­zu­ma­chen ver­su­chen, dass Ve­rän­de­run­gen nicht mehr auf­schieb­bar sind. Das se­hen Wes­tLB und Bay­ernLB ver- mut­lich ge­nau­so – auch weil es an Al­ter­na­ti­ven fehlt. „Die Wes­tLB ist so als Gan­zes nicht zu ver­kau­fen. Ent­we­der sie schafft die Fu­si­on, oder sie wird zer­legt“, sagt ein frü­he­rer Lan­des­ban­ken-Ma­na­ger. Und es gibt nicht we­ni­ge, die die Si­tua­ti­on im Frei­staat ähn­lich ein­schät­zen.

Al­so muss Schäu­b­le die Be­tei­lig­ten in Düsseldorf und München kaum noch an­trei­ben (auch wenn es erst zu Vor­ge­sprä­chen über mög­li­che Fu­si­ons­ver­hand­lun­gen ge­kom­men ist). Gleich­zei­tig gibt es zu den Plä­nen auch sehr kri­ti­sche Stim­men, wie von der Ra­ting-Agen­tur Moo­dy’s. Die glaubt, dass die Vor­tei­le im Bünd­nis­fall noch auf Jah­re durch Ri­si­ken bei der Li­qui­di­tät und Re­fi­nan­zie­rung über­schat­tet wer­den – mit Fol­gen für die Bo­ni­tät der neu­en Groß­bank, die mit ei­ner Bi­lanz­sum­me von fast 600 Mil­li­ar­den Eu­ro die Num­mer drei in Deutsch­land wä­re. Sie bräuch­te auf je­den Fall neu­es Ka­pi­tal, heißt es in Ban­ken­krei­sen. Und im Kri­sen­fall vi­el­leicht auch neue Staats­hil­fen, glaubt Moo­dy’s.

Im­mer­hin wird hier ge­re­det. An­ders als in Hannover, wo die Nor­dLB sich bis­her al­len Dis­kus­sio­nen ent­zo­gen hat, oder in Frank­furt/Main. Für die dor­ti­ge He­la­ba war bis­her we­der die Wes­tLB al­lein noch die Lan­des­bank Ba­den-Würt­tem­berg (LBBW) ein Wunsch­part­ner. Da­bei ist im Länd­le CDU-Re­gie­rungs­chef Ste­fan Map­pus drin­gend auf Su­che. Aber we­der die ei­ge­nen noch die hes­si­schen Spar­kas­sen woll­ten bis­lang das Bünd­nis ih­rer bei­den Lan­des­ban­ken.

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