Bund we­gen Bank­boni un­ter Druck

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON BIR­GIT MAR­SCHALL UND THO­MAS REISENER

BERLIN Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um und der Frank­fur­ter Ban­ken­ret­tungs­fonds Soff­in ge­ra­ten we­gen über­höh­ter Ge­halts-und Bo­ni­zah­lun­gen an Bank­ma­na­ger zu­neh­mend in Be­dräng­nis. Re­gie­rung und Soff­in hät­ten bei der Kon­trol­le der Ma­na­ger­ver­gü­tun­gen in der Hy­po Re­al Esta­te (HRE) und an­de­ren Ban­ken mit Bun­des­be­tei­li­gung zu sehr die Au­gen ver­schlos­sen, kri­ti­sier­ten ges­tern Fi­nanz­ex­per­ten der schwarz-gel­ben Ko­ali­ti­on. „Vie­le Ar­beits­ver­trä­ge stam­men noch aus der Zeit vor der Fi­nanz­kri­se. Da­für gibt es das In­stru­ment der Än­de­rungs­kün­di­gung. Das muss künf­tig häu­fi­ger an­ge­wandt wer­den“, sag­te FDP-Fi­nanz­po­li­ti­ker Flo­ri­an Ton­car un­se­rer Zei­tung.

Der Ge­setz­ge­ber hat­te die Jah­res­ge­häl­ter von Vor­stands­mit­glie­dern der Ban­ken mit staat­li­cher Be­tei­li­gung bei 500 000 Eu­ro ge­de­ckelt. Un­ter­halb der Vor­stands­ebe­ne wer­den je­doch viel­fach hö­he­re Ge­häl­ter be­zahlt. Be­kannt wur­den am Wo­che­n­en­de über 200 sol­cher Fäl­le in staat­li­chen oder teil­ver­staat­lich­ten Ban­ken wie der Com­merz­bank.

Zu­dem hat­ten 1400 Mit­ar­bei­ter der ver­staat­lich­ten Skan­dal­bank HRE Bo­ni von ins­ge­samt 25 Mil­lio- nen Eu­ro ein­ge­stri­chen, ob­wohl die Bank vom Steu­er­zah­ler bis­lang mit 142 Mil­li­ar­den Eu­ro an Ga­ran­ti­en und zehn Mil­li­ar­den Eu­ro an Ka­pi­tal­sprit­zen ge­stützt wer­den muss­te.

Der frü­he­re Vor­stands­vor­sit­zen­de der HRE, Axel Wie­andt, er­hielt so­gar ei­ne Pen­si­ons­zu­sa­ge von 240000 Eu­ro pro Jahr ab dem 60. Le­bens­jahr – nach nur 18 Mo­na­ten im Amt. Wie­andt wech­sel­te im Ju­ni 2010 zu­rück zur Deut­schen Bank.

Der­art groß­zü­gi­ge Ver­gü­tun­gen sei­en dem Steu­er­zah­ler nicht zu ver­mit­teln, er­klär­ten Po­li­ti­ker al­ler Par­tei­en. „Wir müs­sen prü­fen, ob Ge­set­ze ge­än­dert wer­den müs­sen“, sag­te Ton­car. Auch nach Auf­fas- sung des fi­nanz­po­li­ti­schen Spre­chers der Uni­ons­frak­ti­on, Leo Daut­zen­berg, soll künf­tig häu­fi­ger in lau­fen­de Ver­trä­ge ein­ge­grif­fen wer­den. „Die Vor­gän­ge bei der HRE und wei­te­ren vom Staat ge­stütz­ten Ban­ken sind nicht ak­zep­ta­bel.“

Bis­her ge­be es ge­gen über­höh­te Ma­na­ger­ge­häl­ter un­ter­halb der Vor­stands­ebe­ne kei­ne aus­rei­chen­de recht­li­che Hand­ha­be, räum­te der Spre­cher des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums ein. Op­po­si­ti­ons­po­li­ti­ker for­der­ten, die ent­spre­chen­de Lü­cke im Fi­nanz­markt­sta­bi­li­sie­rungs­ge­setz zu be­sei­ti­gen. „Schwarz-Rot hat über­se­hen, dass man auch die Ge­häl­ter un­ter­halb der Vor­stands­ebe­ne de­ckeln muss“, sag­te Grü­nen-Po­li­ti­ker Alexander Bon­de un­se­rer Zei­tung. „Die­ser Feh­ler muss um­ge­hend be­sei­tigt wer­den.“

Al­ler­dings war dem Soff­in und auch den neun Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten im so ge­nann­ten Soff­inKon­troll­gre­mi­um be­reits seit zwei Jah­ren be­kannt, dass die Ge­halts­schwel­le häu­fig über­schrit­ten wird. „Je­der wuss­te, dass die Ge­halts­schwel­le von 500000 Eu­ro nur für die Vor­stands­ebe­ne gilt und nicht für die Be­rei­che dar­un­ter“, sag­te Ton­car. We­der der Soff­in noch das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um oder die Par­la­men­ta­ri­er un­ter­nah­men je­doch An­läu­fe, die Ge­häl­ter zu de­ckeln.

FO­TO: SZ

Ex-HRE-Chef Axel Wie­andt ist we­gen ho­her Pen­sio­nen in der Kri­tik.

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