Brüssel und Schäu­b­le ge­gen ho­he Schul­den

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON AN­JA INGENRIETH

BRÜSSEL EU-Wirt­schafts­kom­mis­sar Ol­li Rehn will mor­gen au­to­ma­ti­sche Sank­tio­nen ge­gen Schul­den­sün­der vor­schla­gen, die vie­len Re­gie­run­gen aber zu strikt sind. Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le hin­ge­gen un­ter­stützt die Brüs­se­ler Plä­ne und möch­te so­gar dar­über hin­aus­ge­hen.

Künf­tig soll ein EU-Land schon bei Er­öff­nung des De­fi­zit­ver­fah­rens ein „Pfand“ von 0,2 Pro­zent des Brut­to­in­land­pro­dukts in Brüssel ent­rich­ten. Wer­den die Auf­la­gen er­füllt, be­kommt es das Geld zu­rück – an­dern­falls wer­den die Mit­tel als Stra­fe ein­be­hal­ten.

Der EU-Mi­nis­ter­rat soll die Ent­schei­dung nur mit qua­li­fi­zier­ter Mehr­heit kip­pen kön­nen. Das wä­re ein Rie­sen­fort­schritt. Denn in der Ver­gan­gen­heit wur­den noch nie Geld­stra­fen ge­gen De­fi­zit­sün­der ver­hängt, weil die Be­schluss-Hür­den da­für hoch sind und die Bu­ßen nicht au­to­ma­tisch grei­fen. „Der Sta­bi­li­täts­pakt braucht mehr Biss“, be­ton­te Schäu­b­le ges­tern beim Tref­fen der Ar­beits­grup­pe zur Eu­ro-Re­form in Brüssel. Da­zu sei­en qua­si-au­to­ma­ti­sche Sank­tio­nen ein wich­ti­ger Schritt.

Rehn will zu­dem nicht nur Ver­stö­ße ge­gen die Neu­ver­schul­dungs­Ober­gren­ze von drei Pro­zent ahn­den, son­dern auch ein­schrei­ten, wenn der Ge­samt­schul­den­stand den EU-Grenz­wert von 60 Pro­zent des BIP über­steigt. Die Re­gie­run­gen sol­len die Sum­me ober­halb der Schwel­le jähr­lich um fünf Pro­zent ab­bau­en müs­sen. Das wür­de auch Deutsch­land tref­fen, wo die Staats­ver­schul­dung laut Brüs­se­ler Pro­gno­se 2011 auf deut­lich über 80 Pro­zent steigt. Bei Nicht­er­fül­lung der Spar­vor­ga­ben dro­hen Sank­tio­nen.

Staa­ten mit chro­ni­schen Über­schüs­sen oder De­fi­zi­ten in ih­rer Leis­tungs­bi­lanz müs­sen zu­dem ei­ne jähr­li­che Stra­fe von 0,1 Pro­zent ih­rer Wirt­schafts­leis­tung fürch­ten, weil sie die Sta­bi­li­tät der Eu­ro-Zo­ne ge­fähr­den. Bei an­hal­ten­der Schief­la­ge be­kom­men sie von der Kom­mis­si­on po­li­ti­sche Emp­feh­lun­gen für die Fi­nanz-und Wirt­schafts­po­li­tik, aber auch für die Lohn­ent­wick­lung.

Weil Deutsch­land gro­ße Leis­tungs­bi­lanz-Über­schüs­se hat, könn­ten al­so Sank­tio­nen dro­hen. Aus­ge­schlos­sen scheint da­bei aber ei­ne An­wei­sung, dass Brüssel vor­schreibt, die Löh­ne zu er­hö­hen. Das ver­bie­tet die Ta­rif­au­to­no­mie.

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