Brand: Ei­ne Mil­li­on Eu­ro Scha­den

Nach dem Feu­er in ei­nem Le­bens­mit­tel­groß­han­del an der Venn­hau­ser Al­lee in der Nacht zu ges­tern wird we­gen des Ver­dachts der schwe­ren Brand­stif­tung er­mit­telt. Ein 24-Jäh­ri­ger Düs­sel­dor­fer wur­de noch am Tat­ort fest­ge­nom­men. Men­schen ka­men nicht zu Scha­den.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER STADTPOST - VON JAN SCHNETTLER

Am Mor­gen da­nach herrscht ge­spens­ti­sche Stil­le an der Venn­hau­ser Al­lee – die Po­li­zei hat die Stra­ße weit­räu­mig ab­ge­sperrt. Vor dem Haus 222 blei­ben im­mer wie­der Fuß­gän­ger ste­hen und bli­cken un­gläu­big auf den Le­bens­mit­tel­groß­han­del, der in der Nacht voll­kom­men aus­ge­brannt ist. Ein bit­te­rer Gestank schwelt in der Luft, auf­ge­quol­le­ne Ei­mer mit Mayon­nai­se und Ketch­up wer­den nach und nach ab­trans­por­tiert. Was­ser, Matsch und Lösch­schaum prä­gen die Sze­ne­rie. Auch 13 St­un­den nach Ein­satz­be­ginn kön­nen die Feu­er­wehr­leu­te noch nicht oh­ne Atem­schutz­ge­rä­te in das Ge­schäft hin­ein. Zu die­sem Zeit­punkt steht noch nicht fest, ob die Be­woh­ner der 21 dar­über­lie­gen­den Woh­nun­gen über­haupt noch ein­mal in das Haus zu­rück­keh­ren kön­nen.

200 Ku­bik­me­ter Le­bens­mit­tel

Was hin­ge­gen be­reits fest­steht: Mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit wur­de das Feu­er, das ei­nen Scha­den von min­des­tens ei­ner Mil­li­on Eu­ro ver­ur­sach­te, aber nie­man­den ver­letz­te, in dem Gas­tro­no­mie­be­darfs-Groß­han­del Al­fa Pack ge­legt. Noch in der Nacht nahm die Po­li­zei ei­nen 24-jäh­ri­gen Düs­sel­dor­fer am Brand­ort fest. Bei der Fest­stel­lung der Per­so­na­li­en er­ga­ben sich „kon­kre­te An­halts­punk­te“, die ei­nen Tat­ver­dacht be­grün­de­ten. Die Er­mitt­lun­gen dau­ern an. „Mehr zu Ver­dachts­grün­den und Per­so­na­li­en wol­len wir aus er­mitt­lungs­tak­ti­schen Grün­den nicht sa­gen“, so Staats­an­walt Andre­as Stü­ve. Noch sei nicht ab­schlie­ßend ge­klärt, ob der Mann tat­säch­lich für das Feu­er ver­ant­wort­lich sei oder nicht.

Über des­sen Aus­bre­chen gibt es un­ter­schied­li­che An­ga­ben. Ein Pas­sant, dem auf­ge­fal­len war, dass Rauch aus dem Ge­schäft quoll, alar­mier­te ge­gen 21.45 Uhr die Feu­er­wehr. Ein Be­woh­ner aus dem ers­ten Stock des Hau­ses sag­te hin­ge­gen, er ha­be zu­nächst bren­nen­de Pa­let­ten auf dem Hin­ter­hof des Ge­bäu­des wahr­ge­nom­men. Als die Wehr ein­traf, stand das 609 Qua­drat­me­ter gro­ße La­den­lo­kal schon in Flam­men. 14 Mie­ter hat­ten sich da be­reits ins Freie ge­ret­tet, ein 61-Jäh­ri­ger, der be­reits schlief, wur­de von den Be­am­ten ge­ret­tet.

„Ei­ne Brand­be­kämp­fung in dem Ge­bäu­de war we­gen der gro­ßen Hit­ze nicht mög­lich“, sag­te Feu­er­wehr-Spre­cher Heinz En­gels. Un­ter den 200 Ku­bik­me­tern Le­bens­mit­teln und Zu­be­hör – von Kä­se über Kon­ser­ven bis hin zu Piz­za­schach­teln – wa­ren vie­le fett­hal­ti­ge, die „wie Zun­der brann­ten“, so En­gels. Von zwei Sei­ten pump­te die Feu­er­wehr folg­lich mit sechs Roh­ren 1000 Li­ter Lösch­was­ser pro Mi­nu­te in das Ge­bäu­de. „Bis in die Mor­gen­stun­den dau­er­te es, die Flam­men zu lö­schen“, so En­gels. Am Mor­gen wur­de ei­ne Au­ßen­wand auf­ge­stemmt, da­mit die Be­am­ten ins In­ne­re ge­lan­gen konn­ten. Die Be­kämp­fung der Glut­nes­ter zog sich so­gar noch in den Nach­mit­tag hin­ein. Dann, nach der Be­gut­ach­tung durch ei­nen Sta­ti­ker, war auch erst klar, dass die ers­te Eta­ge we­gen er­heb­li­cher Ris­se im Mau­er­werk vo­r­erst un­be­wohn­bar bleibt, die An­woh­ner der dar­über­lie­gen­den Stock­wer­ke je­doch in ih­re Woh­nun­gen zu­rück­keh­ren konn­ten.

Der Groß­han­del Al­fa Pack, mit Sitz in We­sel und wei­te­ren Zweig­be­trie­ben in Mül­heim und Bochum, er­klär­te auf An­fra­ge, für die Düs­sel­dor­fer Fi­lia­le sei man „schon län­ger nicht mehr zu­stän­dig, die ist selbst­stän­dig“. Die Be­trei­ber wa­ren nicht zu er­rei­chen. Laut Be­zirks­ver­tre­te­rin Pe­tra Reidt-Schmidt (SPD), die am Vor­mit­tag am Brand­ort vor­bei­kam, „brumm­te der La­den im­mer. Es gab so­gar wie­der­holt Är­ger, weil es nicht ge­nug Park­plät­ze gab und die Kun­den ver­kehrt her­um in die Ein­bahn­stra­ße der Las­sal­le­stra­ße fuh­ren, um dort zu par­ken.“

FO­TO: DASCH

Mit 150 Feu­er­wehr­leu­ten war die Wehr ins­ge­samt fast neun St­un­den im Ein­satz, bis zu­min­dest die Flam­men ge­löscht wer­den konn­ten – die Be­kämp­fung von Glut­nestern dau­er­te noch län­ger. Ein Lösch­ein­satz in dem Ge­schäft war we­gen der enor­men Hit­ze nicht mög­lich.

RP-FO­TO: BAU­ER

Die ers­te Eta­ge des Hau­ses bleibt vor­über­ge­hend un­be­wohn­bar.

FO­TO: HOL­GER HE­RING

An­woh­ner wa­ren fas­sungs­los über den Groß­brand.

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