En­er­gie­ge­la­den: Ly­am­bi­ko im Sa­voy

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON BAR­BA­RA STEINGIESSER

Da geht man zu ei­nem Kon­zert ei­ner be­kann­ten Band, bei der man weiß, was ei­nen er­war­tet. Ei­ne „Vor­grup­pe“ kommt auf die Büh­ne. Und plötz­lich be­dau­ert man, dass es mit die­sem „Vor­spiel“, wie der Pia­nist es nennt, schon nach ei­ner hal­ben St­un­de vor­bei ist. Manch­mal kann man so et­was er­le­ben. So war es zum Bei­spiel 1998 im „Thea­ter an der Kö“, als Nils Land­gren und Esbjörn Svens­son ein Kon­zert der schwe­di­schen A-cap­pel­la-Band The Re­al Group er­öff­ne­ten, oder jetzt im Sa­voy-Thea­ter.

Dies­mal war der Haupt-Act Ly­am­bi­ko, die sym­pa­thi­sche Sän­ge­rin mit thü­rin­gisch-tan­sa­ni­schen Wur­zeln, die seit zehn Jah­ren durch Deutsch­land tourt und mit ih­rem sieb­ten Al­bum „So­me­thing Li­ke Rea­li­ty“ im Ge­päck wie­der ein­mal in Düsseldorf Sta­ti­on mach­te. Vor dem Kon­zert frag­te ein Zu­hö­rer sei­ne Be­glei­te­rin: „Na, ge­spannt?“ Dar­auf sie: „Nee, wie­so? Ich ken­ne die ja.“ Das war nicht ganz ge­recht, denn Ly­am­bi­ko hat sich von Jahr zu Jahr wei­ter­ent­wi­ckelt. Ih­re in­to­na­ti­ons­si­che­re und auf den Punkt phra­sie­ren­de Stim­me ist selbst­be­wuss­ter und far­ben­rei­cher ge­wor­den. Ge­konnt wech­selt sie zwi­schen cool und hot, zwi­schen me­tal­li­scher Här­te und zar­tem Schmelz. So zum Bei­spiel in „Rest­less“, ei­ner Ei­gen­kom­po­si­ti­on aus dem Jahr 2007, in der sich Rast­lo­sig­keit und Sehn­sucht nach Ru­he kon­trast­reich ge­gen­über­ste­hen. Auch Jazz-Stan­dards und Co­ver-Songs wie Tra­cy Ch­ap­mans „Cross­roads“ ver­ste­hen Ly­am­bi­ko und ih­re Mu­si­ker durch stim­mi­ge Ar­ran­ge­ments in ei­ne pas­sen­de Form zu gie­ßen.

Song­ma­te­ri­al von So­nic Youth

Fast eben­so lan­ge wie Ly­am­bi­kos Quar­tett gibt es ih­re Sup­port-Band Rus­co­ni um den Schwei­zer Pia­nis­ten Ste­fan Rus­co­ni. De­ren CDs hat­ten be­reits Auf­merk­sam­keit er­regt und Ver­glei­che mit The Bad Plus her­auf­be­schwo­ren, aber live war das Trio zu­vor in Düsseldorf noch nie zu hö­ren ge­we­sen. Und das ist bei dem Jazz-Pia­no-Trio mit Noi­se­Rock-At­ti­tü­de ei­ne ganz ei­ge­ne Kis­te. Die Her­ren, die sich auf ih­rem jüngs­ten Al­bum Song­ma­te­ri­al von So­nic Youth vor­ge­nom­men ha­ben, prä­pa­rie­ren den Flü­gel wie Thurs­ton Moo­re, Kim Gor­don und Co. die Gi­tar­ren und er­zeu­gen da­mit so un­ge­wöhn­li­che, en­er­gie­ge­la­de­ne Klän­ge, dass sie ins Book­let ih­rer CD „It’s A So­nic Li­fe“ hin­ein­schrei­ben muss­ten, dass al­le die­se Sounds aus­schließ­lich mit akus­ti­schen In­stru­men­ten er­zeugt wur­den.

Bei ih­rem Auf­tritt im Sa­voy bleibt in Er­in­ne­rung: die fe­dernd-groo­ven­de Ad­ap­ti­on von „Hits Of Sunshi­ne“. Mit Pro­col Harums Hym­ne „A Whi­ter Sha­de Of Pa­le“ aber wur­de blitz­ar­tig klar, wo­rin das Be­son­de­re die­ses Kla­vier­tri­os be­steht: in der Ver­bin­dung der Prä­zi­si­on ei­nes Schwei­zer Uhr­werks mit der Ur­ge­walt ei­ner La­wi­ne in den Al­pen.

FO­TO: SA­VOY

Sän­ge­rin Ly­am­bi­ko

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