Jo­han­nes­kir­che: 40 Stim­men im Chor

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF -

„Har­mo­nie des Uni­ver­sums“ – un­ter die­sem Mot­to be­zau­ber­te ei­ne wahr­haft kos­mi­sche Mu­sik ei­nen lan­gen Abend lang. Klang über Klang hüll­te die Zu­hö­rer in der dicht ge­füll­ten Jo­han­nes­kir­che wie in Sei­de.

Das groß­ar­tigs­te Er­leb­nis war die 40-stim­mi­ge Mo­tet­te „Spem in ali­um“ von Tho­mas Tal­lis. Ei­ne Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen dem Alt­stadt­herbst-Fes­ti­val und den Ta­gen Al­ter Mu­sik Knecht­ste­den mach­te die­sen Traum der Fes­ti­val-Lei­tung mög­lich. So ver­ei­nig­ten sich der York­shire Bach Choir und die Rhei­ni­sche Kan­to­rei un­ter Pe­ter Sey­mour zu Stim­men des Uni­ver­sums. In acht Chö­ren mit je fünf Stim­men wob sich der Klang durch den Raum, at­me­te sich von links nach rechts und wie­der zu­rück, bran­de­te im Tut­ti auf und ver­ebb­te: ein hof­fen­des Fle­hen an den Schöp­fer des Him­mels und der Er­de um Barm­her­zig­keit und Ver­ge­bung.

Auf das glei­che The­ma be­zieht sich die in ih­rer Län­ge ein­zig­ar­ti­ge sechs­stim­mi­ge Mo­tet­te „Media Vi­ta“ von John Sheppard. Die­ses Meis­ter­stück der Kon­tra­punk­tik lebt vom Wech­sel der Stimm­grup­pen zu im­mer neu­en Klang­far­ben, zu­ge­spitzt im Cho­ral „Nunc di­mit­tis“, der cho­ral­haft, dann in Ok­ta­ven und zum drit­ten Mal mit Ober­ton­ge­sang er­klang. Cor­ne­li­us Car­dew löst in „The Gre­at Le­arning“ (Lei­tung: John Til­bu­ry) die Stimm­re­gis­ter zu Ein­zel­stim­men auf. Die Sän­ger – jetzt er­gänzt mit Mit­glie­dern der In­ter­na­tio­nal School of Düsseldorf – be­we­gen sich und den Text-Klang durch den Raum. Bas­sin­stru­men­te, Har­fe und Or­gel ge­ben mit dem tie­fen As den Grund­ton vor. In lang­sam auf­stei­gen­den Ton­lei­tern wächst der Klang­tep­pich in die Hö­he. Die Sän­ger wäh­len ih­re Tö­ne selbst, bis ein rei­ner Dur-Ak­kord er­klingt. Der Zu­hö­rer mit­ten­drin ist Teil die­ses Gan­zen – spä­tes­tens, wenn sich bei der Wie­der­ho­lung von „Spem in ali­um“ die Ch­or­grup­pen im Raum ver­tei­len und sich da­mit der Kreis schließt.

AN­GE­LA PONTZEN

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