Schatz­kam­mer für Ger­res­heim

Die ka­tho­li­sche Kir­chen­ge­mein­de St. Mar­ga­re­ta in Ger­res­heim will in ih­rer Ba­si­li­ka ei­ne Schatz­kam­mer ein­rich­ten. Der Schatz, zur­zeit teil­wei­se in St. Lam­ber­tus aus­ge­stellt, um­fasst Kost­bar­kei­ten un­ter an­de­rem aus dem Mit­tel­al­ter.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON BERTRAM MÜL­LER

St. Mar­ga­re­ta in Ger­res­heim ver­fügt über ei­nen Schatz, doch man nimmt ihn kaum wahr. Denn er ver­teilt sich auf drei Stand­or­te: den In­nen­raum der Kir­che, das De­pot und die Schatz­kam­mer von St. Lam­ber­tus in der In­nen­stadt. Der Schatz ist nicht an­nä­hernd so um­fang­reich und be­deu­tend wie et­wa die Dom­schät­ze von Aa­chen, Köln, Es­sen oder Hal­ber­stadt, aber auch nicht so ge­ring, dass man ihn ver­nach­läs­si­gen dürf­te.

Denn es fin­den sich dar­in Stü­cke von be­trächt­li­chem Al­ter und gro­ßer Schön­heit. Jetzt wol­len Pfar­rer Karl-Heinz Sül­zen­fuß und die Bür­ger­stif­tung Ger­ri­cus Spen­den ein­wer­ben mit dem Ziel, die ver­streu­ten Tei­le des Schat­zes in der Ba­si­li­ka zu­sam­men­zu­zie­hen und dort in ei­nem Raum, der zur­zeit noch als Tauf­ka­pel­le dient, stän­dig zu zei­gen.

Keim­zel­le der Ba­si­li­ka

Ei­ni­ge der Kost­bar­kei­ten sind fast so alt wie das im 9. Jahr­hun­dert ge­grün­de­te Ger­res­hei­mer Da­men­stift, das die Keim­zel­le der im 13. Jahr­hun­dert er­rich­te­ten Ba­si­li­ka St. Mar­ga­re­ta bil­de­te. Da gibt es zum Bei­spiel ein um 1210 ent­stan­de­nes, klei­nes email­lier­tes Re­li­qui­en­käst­chen in Gestalt ei­nes Hau­ses (aus dem fran­zö­si­schen Li­mo­ges), au­ßer­dem ei­ne eben­falls go­ti­sche, gol­den glän­zen­de Turm­mons­tranz (um 1400), auf der En­gel die Waf­fen Chris­ti tra­gen: das Kreuz und drei Nä­gel so­wie ei­ne Lan­ze.

Ein per­ga­men­te­nes Evan­ge­li­ar, nach 1000 ent­stan­den, wur­de spe­zi­ell für Ger­res­heim ver­fer­tigt – ein 272 Sei­ten um­fas­sen­der il­lu­mi­nier­ter Co­dex der Köl­ner Ma­ler­schu­le im For­mat 27 mal 20 Zen­ti­me­ter.

Aus er­heb­lich jün­ge­rer Zeit stammt ein Stück, das schon jetzt zur Aus­stat­tung der Kir­che zählt: der neu­go­ti­sche Hip­po­ly­tus­schrein von 1871. Der hei­li­ge Hip­po­lyt war ein rö­mi­scher Mär­ty­rer des 3. Jahr­hun­derts; als Pa­tron der ers­ten, von Ger­ri­cus ge­grün­de­ten Stifts­kir­che ist er be­reits Im Jahr 905/06 ur­kund­lich be­legt. Auf Ger­ri­cus geht wohl auch der Er­werb der Re­li­qui­en zu­rück.

Um die meis­ten die­ser Stü­cke ran­ken sich Le­gen­den, de­ren mög­li­cher Wahr­heits­ge­halt nach so lan­ger Zeit kaum noch über­prüf­bar ist. Oh­ne­hin glaubt Pas­tor Sül­zen­fuß, dass Re­li­qui­en heu­te für Gläu­bi­ge kei­ne her­aus­ra­gen­de Rol­le mehr spie­len; sie sei­en „na­he an der Gren­ze zum Ma­gi­schen“. Die Schön­heit der Stü­cke da­ge­gen und die Ar­beit, die sie her­vor­brach­te – „die be­deu­ten den Men­schen schon noch et­was“, da­von ist Sül­zen­fuß über­zeugt. Au­ßer­dem ver­kör­pe­re der Ger­res­hei­mer Kir­chen­schatz ein Stück Düs­sel­dor­fer Stadt­ge­schich­te.

Das auf­fäl­ligs­te Stück des Schat­zes ist das über­le­bens­gro­ße ot­to­ni­sche Kru­zi­fix im Chor, ent­stan­den vor dem Jahr 1000 – ei­nes der äl­tes­ten Groß­kreu­ze der Er­de. Es hat Ger­res­heim, von ei­ner kriegs­be­ding­ten Aus­la­ge­rung ab­ge­se­hen, nie ver­las­sen. Wie sehr das geist­li- che Ger­res­heim einst in die christ­li­chen Welt­läuf­te ver­wi­ckelt war, lässt sich dar­an ab­le­sen, dass Theo­pha­nu, die 1058 ge­stor­be­ne Äb­tis­sin in Es­sen und be­rühm­te En­ke­lin Kai­ser Ot­tos II., gleich­zei­tig das Stift Ger­res­heim führ­te.

Die Schatz­kam­mer, für de­ren Er­rich­tung die Kir­chen­ge­mein­de im Os­ten der Stadt jetzt Spen­der sucht, wür­de al­so auch an die ho­he ge­schicht­li­che Be­deu­tung er­in­nern, die die­sem Ort in­ne­wohnt, und dar­auf wei­sen, dass Ger­res­heim ein star­kes Stück Düsseldorf ist.

RP-FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Für Pfar­rer Karl-Heinz Sül­zen­fuß ist das ot­to­ni­sche Kreuz über dem Hoch­al­tar ein Schatz für die Kir­che St. Mar­ga­re­ta.

FO­TOS: MAR­CUS PIETREK

Die Turm­mons­tranz 14. Jahr­hun­dert.

stammt aus dem

Das Evan­ge­li­ar wur­de ei­gens für Ger­res­heim ge­fer­tigt.

Das Re­li­qui­en­käst­chen be­sticht durch sei­ne Email­le-Darstel­lun­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.