Schu­le wird zum Le­bens­raum

Die Ka­tho­li­sche Grund­schu­le Es­se­ner Stra­ße blickt in ih­rem Nach­hal­tig­keits­be­richt auf die Ve­rän­de­run­gen der ver­gan­gen fünf Jah­re zu­rück. Das Fa­zit: Be­son­ders Po­si­tiv ist die Ein­füh­rung der Ganz­tags­be­treu­ung.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STADTTEILE - VON JU­LIA PUZALOWSKI

DE­REN­DORF Als die Ka­tho­li­sche Grund­schu­le Es­se­ner Stra­ße vor fünf Jah­ren ei­ne Nach­hal­tig­keits­prü­fung in An­griff nahm, war sie die ers­te Grund­schu­le in Deutsch­land, die lang­fris­ti­ge Zie­le und die da­für not­wen­di­gen Maß­nah­men schrift­lich fest­hielt. „Seit­dem hat sich vie­les zum Gu­ten ver­än­dert – des­halb ist jetzt ein gu­ter Zeit­punkt für ei­ne Bi­lanz“, so Schul­lei­te­rin Ur­su­la Wei­ßen­fels. Die wich­tigs­te Än­de­rung sei ge­we­sen, dass die Schu­le die Ganz­tags­be­treu­ung ein­ge­führt ha­be. Der zwei­te, 30-sei­ti­ge Nach­hal­tig­keits­be­richt trägt des­halb den Na­men „Schu­le als Le­bens­raum“.

„Ein be­f­ruch­ten­der Pro­zess“

Er ist mit Un­ter­stüt­zung des Düs­sel­dor­fer Netz­werks „Bil­dung für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung“ in der Lo­ka­len Agen­da 21 und des Um­welt­am­tes ent­stan­den. Viel Auf­wand war es, das Heft an­zu­fer­ti­gen, und mehr als ein Jahr hat die Ar­beit dar­an ge­dau­ert. Die zwölf Leh­re­rin­nen, die Schul­lei­te­rin, Mit­ar­bei­ter des Of­fe­nen Ganz­tags und sie­ben El­tern­ver­tre­ter teil­ten sich in Grup­pen auf und er­ar­bei­te­ten in Work­shops die In­hal­te der ein­zel­nen Ka­pi­tel. Mehr­mals tra­fen sie sich, um die Tex­te zu über­ar­bei­ten und um­zu­struk­tu­rie­ren. Da­für war viel Eva­lua­ti­on not­wen­dig, die Schü­ler und El­tern hal­fen, in­dem sie ih­re Mei­nung äu­ßer­ten. „Je­der hat ei­nen an­de­ren Blick“, er­klärt Schul­lei­te­rin Wei­ßen­fels, „zwar war das viel Ar­beit und viel Ver­ant­wor­tung, aber es war ein sehr be­f­ruch­ten­der Pro­zess“, re­sü­miert sie. Die Päd­ago­gin ist zu­frie­den mit dem Er­geb­nis.

In sie­ben Grup­pen sind die Kin­der beim Ganz­tag un­ter­teilt, und pro Grup­pe wur­de die St­un­den­zahl der Leh­rer um sechs er­höht. So konn­ten bei­spiels­wei­se zahl­rei­che neue Ar­beits­grup­pen ins Le­ben ge­ru­fen wer­den: Ob Ko­chen, Gärt­nern, For­schen, Com­pu­ter-Ar­beit, tex­ti­les Ge­stal­ten, Um­welt­schutz oder sport­li­che Ak­ti­vi­tä­ten – die Schü­ler kön­nen selbst ent­schei­den, wie sie ih­ren Nach­mit­tag nach den ob­li­ga­to­ri­schen ge­mein­sa­men Haus­auf­ga­ben ver­brin­gen. „Da­durch er­le­ben wir die Schü­ler ganz­heit­lich, und es zei­gen sich oft Stär­ken, die die Leh­rer vor­her nicht kann­ten“, sagt Wei­ßen­fels. „Seit­dem ist der Aus­tausch viel re­ger ge­wor­den.“

Je­de der sie­ben Grup­pen hat ei­nen ei­ge­nen Raum, in dem sie auch zu Mit­tag isst. Beim Es­sen ach­ten die Päd­ago­gen be­son­ders auf das So­zi­al­ver­hal­ten: So wird vor dem Es­sen ein Tisch­ge­bet ge­spro­chen, und die Schü­ler blei­ben sit­zen, bis al­le fer­tig sind. Die Mahl­zei­ten wäh­len die El­tern­ver­tre­ter aus, da­bei ach­ten sie be­son­ders auf Aus­ge­wo­gen­heit. Ver­än­dert hat sich aber auch der Un­ter­richt. Check­lis­ten sol­len El­tern und Schü­lern die An­for­de­run­gen des Lehr­plans leich­ter ver­ständ­lich ma­chen. Die Schu­le hat neue Or­ga­ni­sa­ti­ons­for­men ein­ge­führt, die selbst­stän­di­ges Ler­nen för­dern. Da­zu ge­hö­ren Wo­chen­plä­ne, Ler­nen an Sta­tio­nen und Frei­ar­beit. Der fes­te 45-Mi­nu­ten-Rah­men wur­de ab­ge­schafft, der Gong er­tönt nur noch zum En­de der Pau­sen.

RP-FO­TO: ACHIM HÜSKES

Schul­de­zer­nent Burk­hard Hintz­sche und Chris­tia­ne Schüß­ler (v.l.) den Nach­hal­tig­keits­preis.

vom Schul­amt über­rei­chen Schul­lei­te­rin Ur­su­la Wei­ßen­fels

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