Die Fa­mi­li­en­po­li­tik trägt end­lich Früch­te

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON JAN DREBES VON MAT­THI­AS BEERMANN VON MA­XI­MI­LI­AN PLÜCK

Das ist ei­ne un­ein­ge­schränkt gu­te Nach­richt: Die Zahl der Ge­bur­ten in Deutsch­land war 2015 mit 738.000 Mäd­chen und Jun­gen so hoch wie seit 15 Jah­ren nicht mehr. Grün­de da­für gibt es gleich meh­re­re: Frau­en aus ge­bur­ten­star­ken 1980er-Jahr­gän­gen be­kom­men nun Kin­der, die wirt­schaft­li­che La­ge ist gut, die Ar­beits­lo­sig­keit ge­ring. Zen­tral sind aber auch fa­mi­li­en­po­li­ti­sche Maß­nah­men der ver­gan­ge­nen Jah­re, die nun ih­re Wir­kung ent­fal­ten. Was SPD-Alt­kanz­ler Ger­hard Schrö­der einst noch als „Ge­döns“ab­tat, ver­dient ein Wort des Lo­bes: Das El­tern­geld ent­las­tet Fa­mi­li­en fi­nan­zi­ell, die El­tern­zeit wird im­mer bes­ser an­ge­nom­men, auch von Vä­tern. Und der Aus­bau von Kin­der­be­treu­ungs­plät­zen war ele­men­tar für ei­ne bes­se­re Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf.

Aber so sehr die Freu­de über mehr Neu­ge­bo­re­ne an­ge­bracht ist, dür­fen die ekla­tan­ten de­mo­gra­fi­schen Pro­ble­me nicht über­se­hen wer­den. Wei­ter­hin ist die Zahl der To­des­fäl­le hö­her als die der Ge­bur­ten. Was da­ge­gen hel­fen kann, ist ei­ne ge­re­gel­te Zu­wan­de­rung qua­li­fi­zier­ter Per­so­nen aus dem Aus­land und ei­ne ge­lun­ge­ne In­te­gra­ti­on. Ge­schieht das nicht, ge­ra­ten bald auch die der­zeit noch gu­ten Vor­zei­chen für mehr Kin­der in Deutsch­land ins Wan­ken. BE­RICHT DEUTSCH­LAND BE­KOMMT MEHR KIN­DER, TI­TEL­SEI­TE

ERück­tritt vom Br­ex­it

s ist ver­mut­lich die po­li­ti­sche Bla­ma­ge des Jahr­zehnts: Bo­ris John­son, der Mann, dem das Br­ex­it-La­ger sei­nen Sieg beim Aus­tritts­re­fe­ren­dum ver­dankt, will nicht die Nach­fol­ge von Da­vid Ca­me­ron als bri­ti­scher Pre­mier­mi­nis­ter an­tre­ten. John­son kneift, denn er wur­de von Ca­me­ron aus­ma­nö­vriert. Mit sei­ner viel kri­ti­sier­ten Wei­ge­rung, die Schei­dung von der EU un­ver­züg­lich ein­zu­rei­chen, hat Ca­me­ron sei­nen Rivalen zum Of­fen­ba­rungs­eid ge­zwun­gen. Nun kann je­der se­hen, mit wel­cher Leicht­fer­tig­keit man die Bri­ten zum Aus­tritt ver­führt hat. Denn nichts an­de­res be­legt ja John­sons Rück­zie­her: völ­li­ge po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit.

Da­mit be­kommt aber auch ein Sze­na­rio wie­der Plau­si­bi­li­tät, das man auf bei­den Sei­ten des Är­mel­ka­nals vor­schnell vom Tisch ge­fegt hat: ein Rück­tritt vom Aus­tritt. Das wird nicht leicht, aber es ist mög­lich. Am sau­bers­ten wä­ren vor­ge­zo­ge­ne Neu­wah­len, dann könn­te ein neu­es Par­la­ment über den Br­ex­it ent­schei­den. Ob es da­zu oder zu ei­ner an­de­ren Lö­sung kommt, ist of­fen. Si­cher aber ist, dass die Bri­ten da­für Zeit be­nö­ti­gen. Die soll­ten wir ih­nen ge­ben. BE­RICHT BO­RIS JOHN­SON WILL NICHT . . ., TI­TEL­SEI­TE

Bit­te mehr fürs Geld

Nichts ist ein­fa­cher, als re­flex­ar­tig über ei­ne Preis­er­hö­hung im Nah­ver­kehr zu ze­tern. Nach dem Mot­to: „Wie in je­dem Jahr dre­hen die da oben beim VRR an der Preis­schrau­be und ver­lei­den uns Kun­den das oh­ne­hin un­lieb­sa­me Bahn­fah­ren noch zu­sätz­lich.“Wer sich statt­des­sen die Fak­ten an­schaut, wird fest­stel­len, dass der VRR mit Au­gen­maß ge­han­delt hat. Im Durch­schnitt 2,3 Pro­zent mehr ge­hen bei ei­nem al­lein durch die im öf­fent­li­chen Di­enst stei­gen­den Löh­ne deut­lich grö­ße­ren Per­so­nal­kos­ten­block in Ord­nung.

Der VRR könn­te sich das Ge­me­cke­re über stei­gen­de Ti­cket­prei­se aber auch er­spa­ren, wenn der Kun­de ei­nen ech­ten Mehr­wert durch die Preis­er­hö­hung er­ken­nen könn­te. An da­für nö­ti­gen Zu­kunfts­pro­jek­ten man­gelt es nicht. Da wä­re et­wa die ki­lo­me­ter­ge­naue Abrech­nung per Smart­pho­ne, die zwar 2017 ge­tes­tet wer­den soll, doch bis zu de­ren flä­chen­de­cken­der Ein­füh­rung es noch lan­ge hin ist. Der VRR muss bei der Di­gi­ta­li­sie­rung viel mehr aufs Tem­po drücken, um po­ten­zi­el­le Kun­den nicht an auf­stre­ben­de Star­tups wie Uber, My­Ta­xi und Co. zu ver­lie­ren. BE­RICHT VRR ER­HÖHT TI­CKET­PREI­SE . . ., TI­TEL­SEI­TE

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