Mo­schee­bau: Mon­hei­mer kri­ti­sie­ren Ver­fah­ren

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFE­GER

Un­ter Po­li­zei­schutz hat Mon­heims Bür­ger­meis­ter ges­tern Abend mit 750 Bür­gern über die ge­plan­te Grund­stücks­ab­ga­be der Stadt an zwei mus­li­mi­sche Ge­mein­den dis­ku­tiert. Vie­le füh­len sich bei der Ent­schei­dung über­gan­gen.

MONHEIM Der An­drang und das In­ter­es­se sind so groß, dass Mon­heims Bür­ger­meis­ter Daniel Zim­mer­mann erst mit 22-mi­nü­ti­ger Ver­spä­tung aufs Po­di­um in der Au­la am Ber­li­ner Ring steigt. Er hat die Bür­ger ein­ge­la­den, um zu er­klä­ren, wie­so er zwei is­la­mi­schen Ge­mein­den je­weils ein Grund­stück für den Bau neu­er Mo­sche­en kos­ten­los über­las­sen will. „Ich bin be­ein­druckt von dem gro­ßen Zu­lauf“, sagt er. „Wir ha­ben ei­ne le­ben­di­ge De­mo­kra­tie hier in Monheim.“Gro­ßes Ge­läch­ter im Saal.

750 Mon­hei­mer sind zur Bür­ger­ver­samm­lung ge­kom­men, um sich die Er­klä­rung ih­res erst 34 Jah­re al­ten Stadt­ober­haup­tes an­zu­hö­ren. Vie­le der An­we­sen­den sind ent­täuscht, dass es kei­ne Ab­stim­mung über das Vor­ha­ben ge­ge­ben hat und sie statt­des­sen vor voll­ende­te Tat­sa­chen ge­stellt wor­den sind. „Bei ei­ner solch wich­ti­gen Ent­schei­dung müs­sen vor­her al­le Par­tei­en an­ge­hört wer­den. So geht das nicht. Wir ha­ben kein ei­ge­nes Kran­ken­haus, aber für so et­was ist Geld da“, sagt Ge­org Höng, der seit 50 Jah­ren in Monheim lebt. Sein Sohn Ralf sieht das ge­nau­so. „Ich ha­be ei­gent­lich nichts ge­gen die Mo­schee, aber ein sol­ches Grund­stück kann nicht ein­fach ver­schenkt wer­den.“

An­de­re stört es, dass die Stadt die Grund­stü­cke kos­ten­los über­las­sen möch­te. „Wür­den wir das nicht ma­chen, hät­ten wir nicht die Mög­lich­keit, mit­zu­be­stim­men“, be­tont Zim­mer­mann. Dar­um han­de­le es sich nicht um ei­ne Schen­kung, son­dern ei­ne zweck­ge­bun­de­ne Über­las­sung. Der Bür­ger­meis­ter will, dass sich die Mus­li­me in sei­ner Stadt wohl­füh­len. Mit der Ges­te möch­te er ih­nen ent­ge­gen­kom­men, ih­nen da­mit hel­fen, sich in­te­grie­ren zu kön­nen. In Deutsch­land, be­tont er, herr­sche schließ­lich glei­ches Recht für al­le. Und das gel­te auch für die Re­li­gi­ons­frei­heit. Nicht al­le in der Au­la tei­len sei­ne Mei­nung. Es gibt Buh­ru­fe.

„Das Pro­jekt soll ein Mit­ein­an­der schaf­fen, nicht spal­ten“, be­tont Zim­mer­mann. Zum ers­ten Mal in sei­ner sie­ben­jäh­ri­gen Amts­zeit steht er in der Kri­tik. In den so­zia­len Netz­wer­ken schlägt ihm aus der gan­zen Re­pu­blik teil­wei­se blin­der Hass ent­ge­gen. Er wird be­lei­digt, be­droht. Und das nicht nur an­onym. Rund um die Au­la an der Ber­li­ner Stra­ße herrscht des­halb er­höh­te Wach­sam­keit. Po­li­zis­ten ste­hen vor dem Ge­bäu­de, be­wa­chen den Ein­gang. Es gibt Si­cher­heits­kon­trol­len am Ein­lass. Nur wer ei­nen EU-Pass oder Per­so­nal­aus­weis mit ei­ner gül­ti­gen Adres­se vor­zei­gen kann, wird hin­ein­ge­las­sen. Es gibt Pro­tes­te. Ei­ne zwölf­köp­fi­ge Grup­pe von aus­wär­ti­gen Rechts­ra­di­ka­len ist vor Ort, die meis­ten sind aus So­lin­gen an­ge­reist. Et­wa 50 Se­cu­ri­ty-Mit­ar­bei­ter si­chern das Ge­län­de. Die Po­li­zei ist mit ei­nem Groß­auf­ge­bot an­ge­rückt. Aber es bleibt fried­lich.

Zim­mer­mann er­klärt den An­we­sen­den, dass das Bau­land, das die Stadt den is­la­mi­schen Ge­mein­den über­las­sen will, ei­nen ge­schätz­ten Wert von rund 850.000 Eu­ro ha­be. „Die bei­den Ge­mein­den kön­nen da­mit nicht ma­chen, was sie wol­len“, stellt er klar. Auf­la­gen sei­en da­mit ver­bun­den, zum Bei­spiel, dass sie in­ner­halb von sie­ben Jah­ren ein Zen­trum er­rich­tet ha­ben müs­sen. Zu­dem dür­fen die Mi­na­ret­te höchs­tens 20 Me­ter hoch sein. Das Bau­land darf oh­ne Zu­stim­mung der Stadt auch nicht wei­ter­ver­kauft wer­den. Zu­dem müs­sen sich die Ge­mein­den zu Ver­fas­sungs­treue und To­le­ranz ver­pflich­ten. Wer­de das nicht ein­ge­hal­ten, ge­hen die Grund­stü­cke zu­rück an die Stadt.

Die Kos­ten für den Bau müs­sen die mus­li­mi­schen Ge­mein­den selbst tra­gen. Ei­ne von ih­nen ist Di­tib. Nicht al­len ge­fällt das. Denn Di­tib ist bun­des­weit in der Po­li­tik um­strit­ten, weil sie eng mit der tür­ki­schen Re­li­gi­ons­be­hör­de in An­ka­ra ko­ope­rie­ren soll und als ver­län­ger­ter Arm des tür­ki­schen Prä­si­den­ten Re­cep Tay­yip Er­do­gan gilt.

Die Op­po­si­ti­on im Mon­hei­mer Stadt­rat wit­tert zum ers­ten Mal so et­was wie Mor­gen­luft, seit Zim­mer­mann 2009 im Amt ist. Sie sind ge­gen sei­nen Plan. Er sei in­ak­zep­ta­bel, mei­nen so­wohl CDU als auch So­zi­al­de­mo­kra­ten. SPD-Frak­ti­ons­chef Wer­ner Gol­ler kri­ti­siert, dass Zim­mer­mann den Frak­tio­nen die Pis­to­le auf die Brust set­ze. „Er macht ei­ne for­ma­le Bür­ger­ver­an­stal­tung, ob­wohl die Vor­la­ge für die­sen Zweck längst fer­tig ist“, sagt er. Auch Uwe Mo­ser von der Link­s­par­tei be­män­gelt das Vor­ge­hen. „Man kann in der Sa­che strei­ten, ob man so ei­ne Mo­schee ha­ben will oder nicht. Aber es wä­re schon schön ge­we­sen, wenn man die Be­völ­ke­rung nach ih­rer Mei­nung ge­fragt hät­te.“

Am 6. Ju­li soll der Rat ab­stim­men. Die ab­so­lu­te Mehr­heit dort hält Zim­mer­manns Par­tei Pe­to. Doch die Op­po­si­ti­on hat recht­li­che Be­den­ken an­ge­mel­det. Sie weist auf den Pa­ra­graph 90 der NRW-Ge­mein­de­ord­nung hin, wo­nach ei­ne Kom­mu­ne ei­gent­lich Grund­stü­cke nicht un­ter Wert ab­ge­ben dür­fe. Da­mit hof­fen CDU und SPD, das Vor­ha­ben ver­hin­dern zu kön­nen. Beim Kreis Mett­mann, der zu­stän­di­gen kom­mu­na­len Auf­sichts­be­hör­de, wird der Sach­ver­halt ge­prüft. „Wir wer­den der Be­zirks­re­gie­rung Düs­sel­dorf und dem In­nen­mi­nis­te­ri­um un­se­re kom­mu­nal­recht­li­che Ein­schät­zung der An­ge­le­gen­heit mit­tei­len“, er­klärt ei­ne Spre­che­rin. Dann kön­ne man wei­ter­se­hen.

Zim­mer­mann ist sich si­cher, dass die­ses Pro­jekt recht­lich zu­läs­sig ist. „Wir ma­chen nichts Il­le­ga­les.“

FO­TOS: DPA

Vie­le Bür­ger wa­ren ge­kom­men. „Wir ha­ben ei­ne le­ben­di­ge De­mo­kra­tie hier in Monheim“, lob­te Bür­ger­meis­ter Daniel Zim­mer­mann und sorg­te da­mit für gro­ßes Ge­läch­ter im Saal.

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