Par­la­ment soll über Han­dels­pakt mit­ent­schei­den

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON EVA QUAD­BECK FO­TO: DPA

In der schar­fen De­bat­te um das Ce­ta-Ab­kom­men wirft CDU-Vi­ze-Chef La­schet den Grü­nen und Lin­ken vor, wie Rechts­po­pu­lis­ten zu agie­ren.

BER­LIN In der Dis­kus­si­on um das ge­plan­te Frei­han­dels­ab­kom­men Ce­ta mit Ka­na­da hat Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) ver­spro­chen, dem Bun­des­tag das Ab­kom­men in je­dem Fall vor­zu­le­gen. Ei­ne Ra­ti­fi­zie­rung, die ähn­lich wie ein Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren läuft, wird es aber wohl nicht ge­ben. „Das Vo­tum des Deut­schen Bun­des­tags wird ei­ne wich­ti­ge Rol­le spie­len bei der Fra­ge, wie sich die Bun­des­re­gie­rung ver­hält“, sag­te Mer­kel.

Zugleich zeig­te die Kanz­le­rin Ver­ständ­nis für die Hal­tung von EUKom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker. Der hat­te am Vor­tag hef­ti­ge Kri­tik für sei­ne Hal­tung ein­ste­cken müs­sen, dass Ce­ta ein rei­nes Han­dels­ab­kom­men sei. Die­se De­fi­ni­ti­on hat zur Fol­ge, dass Ce­ta nur die eu­ro­päi­schen Re­gie­run­gen und das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment, nicht aber die na­tio­na­len Par­la­men­te zu­stim­men müss­ten.

Knack­punkt für die recht­li­che Le­gi­ti­mie­rung von Ce­ta ist die Fra­ge, ob es sich, wie Juncker meint, um ein rei­nes Han­dels­ab­kom­men oder um ein so­ge­nann­tes ge­misch­tes Ab­kom­men han­delt. Bei ge­misch­ten Ab­kom­men müs­sen auch die na­tio­na­len Par­la­men­te – in den meis­ten eu­ro­päi­schen Län­dern bei­de Kam­mern – zu­stim­men. In Deutsch­land wä­ren das Bun­des­tag und Bun­des­rat.

Das Frei­han­dels­ab­kom­men zwi­schen Eu­ro­pa und Ka­na­da ist seit fast zwei Jah­ren aus­ver­han­delt. Ge­plant ist, dass das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment das Ab­kom­men noch in die­sem Jahr bil­ligt und es 2017 in Kraft tritt. Im Sep­tem­ber soll sich der Bun­des­tag da­mit be­fas­sen. Ce­ta gilt als Blau­pau­se für das noch viel um­strit­te­ne­re Frei­han­dels­ab­kom­men TTIP der Eu­ro­päi­schen Uni­on mit den USA.

Auch wenn Ce­ta als rei­nes Han­dels­ab­kom­men ein­ge­stuft wird, kann sich der Bun­des­tag ähn­lich ei­ner Re­so­lu­ti­on mit dem Ab­kom­men be­fas­sen und der Bun­des­re­gie­rung ihr Ab­stim­mungs­ver­hal­ten in Brüs­sel vor­ge­ben. Ei­ne sol­che Lö­sung schwebt nun Mer­kel vor. Für die­se Vor­ge­hens­wei­se gibt es gleich zwei Ge­set­ze, die die Mit­wir­kung des Bun­des zu den An­ge­le­gen­hei­ten der EU re­geln. Sie ka­men auch bei der Eu­ro-Ret­tung zum Ein­satz.

Ob sich über die­ses Vor­ge­hen auch in der gro­ßen Ko­ali­ti­on Kon­sens er­zie­len lässt, ist noch nicht klar. Ga­b­ri­el hat­te noch vor knapp zwei Wo­chen get­wit­tert, die Bun­des­re­gie­rung sei sich ei­nig, dass Ce­ta ein „ge­misch­tes Ab­kom­men“sei. Bei sei­ner Kri­tik an Juncker am Mitt­woch poch­te er al­ler­dings nur noch auf ei­ne Be­tei­li­gung des Bun­des­tags. „Jetzt zu be­schlie­ßen, dass die na­tio­na­len Par­la­men­te zu die­sem Han­dels­ab­kom­men nichts zu sa­gen ha­ben, ist un­glaub­lich tö­richt“, er­klär­te Ga­b­ri­el. Es dro­he ein Ex­plo­die­ren von Ver­schwö­rungs- theo­ri­en, das auch die Ver­hand­lun­gen über das ge­plan­te Frei­han­dels­ab­kom­men TTIP ne­ga­tiv be­ein­flus­sen kön­ne.

Vor al­lem die Grü­nen ma­chen Druck, dass Ce­ta vom Par­la­ment ra­ti­fi­ziert und in Deutsch­land auch vom Bun­des­rat be­schlos­sen wer­den müs­se. So be­zeich­ne­te der frü­he­re Frak­ti­ons­chef der Grü­nen, Jürgen Trit­tin, die Hal­tung von Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Juncker als „po­li­tisch in­stinkt­los“. Al­lein ei­ne Be­fas­sung des Bun­des­ta­ges mit Ce­ta hält Trit­tin für nicht aus­rei­chend.

Der CDU-Vi­ze­chef und nord­rhein-west­fä­li­sche Op­po­si­ti­ons­füh­rer Ar­min La­schet sieht dies ganz an­ders und wirft den Grü­nen vor, nach dem Mus­ter der Rechts­po­pu­lis­ten zu agie­ren. „Es ist ei­ne ge­fähr­li­che Stim­mungs­ma­che ge­gen die EU, wenn Grü­ne und Lin­ke sich nun der Res­sen­ti­ments der Rechts­po­pu- lis­ten be­die­nen und be­haup­ten, dass ei­ne Zu­stim­mung des EU-Par­la­ments für ei­ne Le­gi­ti­mie­rung von Ce­ta nicht aus­rei­che“, sag­te La­schet un­se­rer Re­dak­ti­on. „De­ren Ziel ist es nur, das Han­dels­ab­kom­men mit Ka­na­da ka­putt­zu­ma­chen. Aus dem Br­ex­it ha­ben sie nichts ge­lernt. Die pau­scha­le Stim­mungs­ma­che ge­gen Brüs­sel geht wei­ter.“La­schet ver­wies auf die Fest­stel­lung der EUKom­mis­si­on, wo­nach Ce­ta ein rei­nes Han­dels­ab­kom­men sei: „Das be­deu­tet, dass das de­mo­kra­tisch ge­wähl­te Eu­ro­päi­sche Par­la­ment und die na­tio­na­len Re­gie­run­gen im Rat zu­stim­men müs­sen.“

Auch Sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent und Bun­des­rats­prä­si­dent Sta­nislaw Til­lich (CDU) zeigt sich zu­rück­hal­tend in der Fra­ge, ob die Län­der­kam­mer Mit­spra­che­recht bei Ce­ta hat. „Wir ken­nen zwar in wei­ten Tei­len den In­halt des Ab­kom­mens, ha­ben ihn aber nicht aus­ge­han­delt, dies ob­lag der Kom­mis­si­on. Ob und in­wie­weit Län­der­in­ter­es­sen un­mit­tel­bar be­rührt sind, be­darf des­halb noch der wei­te­ren Prü­fung“, sag­te Til­lich un­se­rer Re­dak­ti­on. Er be­grü­ße aber – in Über­ein­stim­mung mit dem Bun­des­tag und der Bun­des­re­gie­rung – die For­de­rung, das deut­sche Par­la­ment mit dem Ab­kom­men zu be­fas­sen.

Auch ges­tern gab es in Ber­lin vor dem Bran­den­bur­ger Tor wie­der Kund­ge­bun­gen ge­gen das ge­plan­te Frei­han­dels­ab­kom­men Ce­ta mit Ka­na­da. Ähn­lich wie beim Han­dels­pakt TTIP mit den USA fürch­ten die De­mons­tran­ten, dass Um­welt­stan­dards und Ver­brau­cher­rech­te aus­ge­höhlt wer­den.

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