Heb­am­men ge­ra­ten noch mehr un­ter Druck

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON JAN DREBES UND EVA QUAD­BECK

Weil die Kos­ten für Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen ge­stie­gen sind, stellt sich für vie­le Ge­burts­hel­fe­rin­nen die Exis­tenz­fra­ge.

BER­LIN Vor­sor­ge, Ge­burts­hil­fe, Nach­sor­ge: Frei­be­ruf­li­che Heb­am­men sind für vie­le Müt­ter und Vä­ter un­ver­zicht­ba­re An­sprech­part­ne­rin­nen und Be­gleit­per­so­nen rund um die Ge­burt ei­nes Kin­des. Doch der Be­rufs­stand ge­rät we­gen stei­gen­der Kos­ten zu­neh­mend in Be­dräng­nis. Denn die Prä­mi­en für die ob­li­ga­to­ri­sche Be­rufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung stei­gen zum 1. Ju­li er­neut, und zwar von bis­her 6274 auf künf­tig 6843 Eu­ro pro Jahr. Nach An­ga­ben des Deut­schen Heb­am­men­ver­ban­des (DHV) könn­ten sich vie­le Heb­am­men, die teils nur ei­nen Jah­res­um­satz von et­wa 17.000 Eu­ro hät­ten, das kaum mehr leis­ten. „Wenn wir nicht end­lich ei­ne trag­ba­re Lö­sung be­kom­men, stei­gen die Haft­pflicht­prä­mi­en jähr­lich wei­ter, und im­mer mehr Heb­am­men stei­gen aus dem Be­ruf aus“, sag­te DHV-Prä­si­den­tin Mar­ti­na Klenk. Po­li­tik und Kran­ken­kas­sen tä­ten zu we­nig, um die frei­be­ruf­li­che Ge­burts­hil­fe zu si­chern.

Der­zeit ar­bei­ten deutsch­land­weit noch rund 2600 frei­be­ruf­li­che Heb­am­men in der Ge­burts­hil­fe. Die meis­ten von ih­nen sind in Kran­ken­häu­sern tä­tig und be­glei­ten dort als Be­leg-Heb­am­men Frau­en bei der Ge­burt.

Rund 20 Pro­zent al­ler Ge­bur­ten in Deutsch­land wer­den von Heb­am­men ge­lei­tet, für 2015 ent­spricht das knapp 150.000 Fäl­len. Um die Heb­am­men bei et­wai­gen me­di­zi­ni- schen Feh­lern ab­zu­si­chern, müs­sen sie ei­ne Haft­pflicht­ver­si­che­rung ab­schlie­ßen. Die ist je­doch in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mehr und mehr zum Po­li­ti­kum ge­wor­den. Weil aus wirt­schaft­li­chen Grün­den im­mer we­ni­ger Heb­am­men Ge­burts­hil­fe an­bie­ten, sind die Prä­mi­en zu­letzt deut­lich ge­stie­gen.

Vom 1. Ju­li an gilt nun für zwei Jah­re ein Ver­trag des DHV mit ei­nem Ver­si­che­rungs­kon­sor­ti­um. Die Heb­am­men müs­sen von den knapp 7000 Eu­ro trotz ei­nes Aus­gleichs, den die Kran­ken­kas­sen auf An­trag hin­zu­zah­len, noch rund 2000 Eu­ro selbst tra­gen und die Prä­mie im Vor­aus über­wei­sen. Für vie­le zu­meist in Teil­zeit tä­ti­ge Heb­am­men ist das im­mer noch ei­ne gro­ße fi­nan­zi­el­le Last. DHV-Ver­hand­lungs­füh­re­rin Kat­ha­ri­na Jeschke strei­tet da­her seit Jah­ren mit dem Spit­zen­ver­band der Kran­ken­kas­sen über die Ver­gü­tung der frei­be­ruf­li­chen Heb­am­men und den Um­fang der Aus­gleichs­zah­lun­gen für die Haft­pflicht­prä­mi­en.

Jeschke kri­ti­sier­te ges­tern in Ber­lin, ge­setz­li­che Re­for­men in der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit hät­ten im Er­geb­nis zu ei­ner noch ge­rin­ge­ren Ver­gü­tung ge­führt. Grund da­für sei­en Kri­te­ri­en, die an die Aus­gleichs­zah­lun­gen ge­knüpft sind, die vie­le Heb­am­men nicht er­fül­len könn­ten. Ei­ni­ge da­von sei­en zu­dem le­bens­fremd und zu starr. So ge­be es kein Geld, wenn nicht in je­dem Quar­tal ei­ne Ge­burt ab­ge­rech­net wer­de. Zu­dem ent­gin­gen vie­len Heb­am­men Er­stat­tun­gen der Kas­sen für Haus­ge­bur­ten, weil die Vor­ga­ben zur Abrech­nung zu eng ge­fasst sei­en.

Ei­ne Spre­che­rin des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums teil­te auf An­fra­ge mit, man brau­che ei­ne flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung mit Heb­am­men­hil­fe. Sie ver­wies auf be­reits lau­fen­de Maß­nah­men wie den so­ge­nann­ten Si­cher­stel­lungs­zu­schlag, den der DHV je­doch als un­wirk­sam kri­ti­siert.

Die Pfle­ge­ex­per­tin der Grü­nen­Bun­des­tags­frak­ti­on, Eli­sa­beth Schar­fen­berg, for­der­te ei­ne Haft­pflicht­ver­si­che­rung für al­le Ge­sund­heits­be­ru­fe, die Heb­am­men dau­er­haft ab­si­che­re. Die SPD ver­lang­te, die Ver­si­che­rer müss­ten ih­re Kal­ku­la­tio­nen of­fen­le­gen.

Links­ex­tre­me Ge­walt­tä­ter sind nicht we­ni­ger ag­gres­siv als rechts­ex­tre­me. Aber die Em­pö­rung dar­über fällt re­gel­mä­ßig we­sent­lich ge­mä­ßig­ter aus, auch vor Ge­richt.

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