Tri­ers Wein­kö­ni­gin kommt aus Sy­ri­en

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON RO­LAND MOR­GEN UND BIR­GIT REI­CHERT

Ni­n­or­ta Bah­no lebt seit drei Jah­ren in Tri­er. Die 25-Jäh­ri­ge ist ein Flücht­ling und „sehr, sehr stolz“auf ih­re Auf­ga­be.

TRI­ER Alt, äl­ter, Tri­er: Schon 1300 Jah­re vor Rom ha­be die Stadt be­stan­den, be­sagt ei­ne In­schrift am Ro­ten Haus ne­ben der Stei­pe. Der sa­gen­haf­te Grün­der und Na­mens­ge­ber: Kö­nigs­sohn Tre­be­ta, von sei­ner Stief­mut­ter Se­mi­ra­mis aus As­sy­ri­en ver­trie­ben. Ih­re Zel­te schlu­gen er und sein Ge­fol­ge nach lan­ger Flucht in Eu­ro­pa auf, im schö­nen Mo­sel­tal, und bau­ten dort gleich ei­ne Stadt, die sie Tre­be­ta nann­ten. Nie­der­ge­schrie­ben wur­de die Sa­ge vor gut 900 Jah­re von Mön­chen der Trie­rer Ab­tei St. Mat­thi­as in den „Ges­ta Tre­ver­o­rum“(„Ta­ten der Tre­ve­rer“), doch sie ist auch in Sy­ri­en be­kannt: „Ich ha­be schon als klei­nes Kind da­von ge­hört. Tre­be­ta ist der Mann, der sei­ne Hei­mat ver­las­sen muss­te“, weiß Ni­n­or­ta Bah­no (25).

Nun hat sie ein ähn­li­ches Schick­sal hin­ter sich: Vor vier Jah­ren ver­ließ sie ge­mein­sam mit ih­rer Schwes­ter Fa­dia (29) ihr Hei­mat­land, in dem gera­de der Bür­ger­krieg aus­ge­bro­chen war, in Rich­tung Deutsch­land. Bei­de le­ben im Trie­rer Stadt­teil Ru­wer und zähl­ten zu den 25 jun­gen Sy­rern, die von der Win­zer­ver­ei­ni­gung des Stadt­teils Ole­wig zum Trie­rer Wein­fest 2015 ein­ge­la­den wor­den wa­ren. Ni­n­or­ta Bah­no fun­gier­te da­mals als Dol­met­sche­rin. Sie be­ein­druck­te Be­su­cher und Trie­rer – dar­un­ter auch Win­zer­chef Pe­ter Ter­ges. „Sie ist ei­ne tol­le Per­sön­lich­keit“, sagt der 62-Jäh­ri­ge. So wa­ren sich al­le schnell ei­nig, dass Ni­n­or­ta Bah­no ei­ne „wun­der­ba­re Re­prä­sen­tan­tin für den Wein, den Sekt und die Win­zer­schaft ih­rer neu­en Hei­mat­stadt“wä­re.

Die 25-Jäh­ri­ge ließ sich nicht lan­ge bit­ten: „Ich lie­be Wein, er ist mehr als ein Ge­tränk – ein Kul­tur- gut.“Mit Wein ver­bin­det sie die Er­in­ne­rung an fro­he St­un­den. Vor der Flucht aus Sy­ri­en schenk­te ih­re Fa­mi­lie ed­le Trop­fen im­mer bei be­son­de­ren Fei­ern aus. Den Job als (Wein-)Bot­schaf­te­rin für ein Jahr traut sie sich zu: „Ich bin ara­mä­i­sche Chris­tin und ak­zep­tie­re und to­le­rie­re al­le Re­li­gio­nen. Ich kann auf Men­schen zu­ge­hen.“Dass man ihr „das schö­ne, span­nen­de und ver­ant­wor­tungs­vol­le Amt“an­ge­tra­gen ha­be, ma­che sie „sehr, sehr stolz“. Am liebs­ten trin­ke sie lieb­li­chen Ries­ling­wein.

Auch die Bun­des­agen­tur für Ar­beit hat Bah­nos Re­gent­schaft zu­ge- stimmt. Die jun­ge Frau macht der­zeit ei­ne Ein­stiegs­qua­li­fi­ka­ti­on für Fach­an­ge­stell­te. In Sy­ri­en hat­te die jun­ge Frau Ju­ra stu­diert. Sie wür­de das auch ger­ne in Deutsch­land stu­die­ren, müss­te aber ganz von vor­ne an­fan­gen. „We­gen der ju­ris­ti­schen Be­grif­fe ist es noch zu früh und zu schwer für mich.“Ihr Fluch­tSchick­sal steht für un­zäh­li­ge: „Wir muss­ten al­les auf­ge­ben und in ei­nem neu­en Land ganz bei Null an­fan­gen.“Vor dem Krieg ha­be sie viel über Flücht­lin­ge ge­hört. „Ich wuss­te aber nicht, wie schwer es ist, ei­ner zu sein, bis ich es in der Rea­li­tät er­lebt ha­be.“

In der Ole­wi­ger Win­zer­schaft, die seit 1949 in ih­rem Stadt­teil das Trie­rer Wein­fest ver­an­stal­tet, ist die Vor­freu­de groß: „Ich glau­be, da­mit ha­ben wir ei­nen ech­ten Coup in Sa­chen In­te­gra­ti­on und Welt­of­fen­heit ge­lan­det, der weit über Tri­er hin­aus Wel­len schla­gen wird“, sagt der Vor­sit­zen­de Ter­ges. Bah­no sei bun­des­weit die ers­te Ge­flüch­te­te als Wein­kö­ni­gin. Auch Tri­ers Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­ram Lei­be äu­ßert sich po­si­tiv: „Ich bin an­ge­nehm über­rascht über die Ent­schei­dung und freue mich dar­auf zu se­hen, wie die jun­ge Frau aus Sy­ri­en die­se Auf­ga­be mit ih­rer Per­sön­lich­keit aus­üben wird.“

Vor ih­rer Krö­nung be­rei­tet sich Bah­no schon eif­rig auf ihr Amt vor. „Im­mer wenn ich Zeit ha­be, le­se ich über Wein“, er­zählt die jun­ge Frau in her­vor­ra­gen­dem Deutsch. Von Win­zern be­kommt sie prak­ti­sches Wis­sen im Wein­berg: „Ich ha­be schon ei­ni­ges für das Auf­bin­den der Reb­stö­cke er­fah­ren.“Und auch in das ABC der Fach­be­grif­fe von Ab­gang bis Rest­sü­ße wird die Sy­re­rin noch ein­ge­wie­sen.

Bah­no kön­ne sich nach dem Jahr als Trie­rer Wein­kö­ni­gin ger­ne auch um das Amt der Mo­sel­wein­kö­ni­gin be­wer­ben, sagt der Ge­schäfts­füh­rer des Ver­eins Mo­sel­wein, Ans­gar Schmitz. Falls sie das wer­de, ste­he ihr auch spä­ter das Ren­nen um den Ti­tel Deut­sche Wein­kö­ni­gin of­fen. Die Mo­sel sei im Aus­land ei­nes der be­kann­tes­ten deut­schen Wein­ge­bie­te. „Da passt ei­ne Wein­kö­ni­gin aus Sy­ri­en ganz gut ins Bild.“Win­zer Pe­ter Schlei­mer fin­det die Wahl auch aus ei­nem an­de­ren Grund ge­lun­gen. Sie brin­ge zwei Kul­tu­ren über den Wein zu­sam­men: Sy­ri­en als ei­nes der Ur­sprungs­län­der der Wein­kul­tur über­haupt und die Wein­tra­di­ti­on rund um die wohl äl­tes­te Stadt Deutsch­lands Tri­er.

FO­TO: DPA

Ni­n­or­ta Bah­no aus Sy­ri­en wird An­fang Au­gust ge­krönt und ein Jahr lang den Trie­rer Wein re­prä­sen­tie­ren. Die ara­mä­i­sche Chris­tin trinkt am liebs­ten ei­nen lieb­li­chen Ries­ling.

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