THO­MAS UND LI­SA MÜL­LER SO­WIE LUD­GER BEERBAUM Was Fuß­ball und Rei­ten ver­bin­det

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - FUßBALL-EM 2016 -

Tho­mas Mül­ler liebt Fuß­ball, sei­ne Frau Li­sa den Pfer­de­sport. Rei­ter Lud­ger Beerbaum fühlt sich auf al­len Ra­sen­plät­zen wohl. Ein Ge­spräch über Te­am­work, Sta­di­on­at­mo­sphä­re und was Fuß­ball und Spring­rei­ten noch al­les ge­mein­sam ha­ben.

Herr Mül­ler, Freund­schaf­ten zwi­schen Fuß­ball­pro­fis und Pro­firei­tern sind ja nicht un­be­dingt die Re­gel. Wie kam der Kon­takt zwi­schen Ih­nen zu­stan­de? THO­MAS MÜL­LER Mei­ne Frau ist Dres­sur­rei­te­rin. Durch sie bin ich zu den Pfer­den ge­kom­men, und seit ein paar Jah­ren ha­ben wir ei­ne ei­ge­ne Pfer­de­zucht. BEERBAUM Her­mann Ger­land, der Co-Trai­ner vom FC Bay­ern Mün­chen, züch­tet auch Pfer­de, und über ei­nen ge­mein­sa­men Freund be­kam ich Tho­mas‘ Te­le­fon­num­mer mit der Bit­te, ihn mal an­zu­ru­fen. Er hät­te In­ter­es­se an ei­nem Spring­pferd für sei­ne Frau, die in ih­rer Frei­zeit ger­ne auch mal springt. So fing das an. Pfer­de­be­geis­tert sind Sie al­so al­le, wie sieht es bei Ih­nen mit dem Fuß­ball aus, Herr Beerbaum? BEERBAUM Ich mag Fuß­ball sehr und ha­be frü­her selbst in ei­nem länd­li­chen Ver­ein ge­spielt. Mein Herz schlägt ganz klar für den FC Bay­ern. Schon im­mer, lan­ge be­vor Tho­mas‘ Zeit dort be­gann. Wann im­mer es die Zeit er­laubt, fah­re ich zu den Spie­len ins Sta­di­on. Und das Ehe­paar Mül­ler ist sehr gern beim CHIO Aa­chen zu Gast. Wo ist die Stim­mung bes­ser, beim Bay­ernHeim­spiel oder beim „Ro­lex Grand Prix“? T. MÜL­LER Die Stim­mung bei Reit­tur­nie­ren und Fuß­ball­spie­len kann man na­tür­lich nur sehr schwer ver­glei­chen, da die Grö­ße der Sta­di­en und das Fan­ver­hal­ten un­ter­schied­lich sind. Am bes­ten lässt es sich viel­leicht so be­schrei­ben: Was im Fuß­ball die Cham­pi­ons-Le­agueSpie­le sind, ist beim Rei­ten der CHIO in Aa­chen. BEERBAUM Und un­ab­hän­gig vom Geg­ner ist in Aa­chen je­des Mal gu­te Stim­mung. LI­SA MÜL­LER Wenn man auf ei­nem an­de­ren Tur­nier un­ter­wegs ist, und da ist es rich­tig gut, dann sagt man: Es ist ja fast wie in Aa­chen. Das ist, für mei­ne Be­grif­fe, die bes­te Be­schrei­bung. T. MÜL­LER Die Be­din­gun­gen für Pferd und Rei­ter sind su­per, und für die Zu­schau­er auch. Viel­leicht schaf­fen wir es in die­sem Jahr auch wie­der zum Fi­nal­wo­chen­en­de. Wo­bei mein Fo­kus jetzt na­tür­lich erst ein­mal auf der EM liegt. Aber da­nach zum Ent­span­nen ist ein Be­such beim CHIO Aa­chen su­per, das ha­ben wir ja nun schon öf­ter ge­macht. Wird Herr Mül­ler als Eu­ro­pa­meis­ter zum CHIO Aa­chen kom­men, Herr Beerbaum? BEERBAUM Das wün­sche ich ihm! Deutsch­land ge­hört si­cher­lich zu den Fa­vo­ri­ten. Aber beim Fuß­ball ist es ge­nau­so wie beim Spring­rei­ten: Nicht un­be­dingt der, der am bes­ten spielt, ge­winnt am En­de die Gold­me­dail­le. Kann man denn auch in Sa­chen Te­am­work das Rei­ten mit dem Fuß­ball ver­glei­chen? T. MÜL­LER Ich glau­be, man kann sa­gen, dass in bei­den Sport­ar­ten je­des Te­am­mit­glied sei­nen Teil zum Er­folg bei­tra­gen muss. Ob Pferd und Mensch oder ei­ne Fuß­ball­mann­schaft, das Mit­ein­an­der muss ein­fach pas­sen, da­mit man auf Top-Ni­veau er­folg­reich sein kann. Wenn Sie ei­ne po­si­ti­ve Ei­gen­schaft des an­de­ren da­zu­ge­win­nen könn­ten, wel­che hät­ten Sie ger­ne? BEERBAUM Die Un­be­küm­mert­heit von Tho­mas. Mich be­ein­druckt je­des Mal sei­ne Lo­cker­heit. T. MÜL­LER Bist du denn im­mer so rich­tig an­ge­spannt vor Tur­nie­ren? Du bist ja jetzt auch nicht un­be­dingt der an­ge­spann­tes­te Typ . . . BEERBAUM Nein, aber bei dir kommt das im­mer so un­ge­küns­telt rü­ber. Ich bin erst über die Jah­re ein biss­chen ru­hi­ger ge­wor­den. T. MÜL­LER Der Ehr­geiz von Lud­ger ist be­ein­dru­ckend. Er hat ja schon ein biss­chen was auf dem Bu­ckel an Er­fol­gen. Dass er, ob­wohl er schon so lan­ge da­bei ist, im­mer wie­der at­ta­ckiert und neue Ziele ver­folgt, das ist be­wun­derns­wert. Da­bei sol­len aber die Olym­pi­schen Spie­le in die­sem Jahr Ihr letz­tes gro­ßes Ziel sein, Herr Beerbaum? BEERBAUM (über­legt) Ja. Un­ab­hän­gig vom Aus­gang? BEERBAUM Nein. (lacht) Was müss­te denn in Rio für Sie her­aus­kom­men, dass Sie sa­gen: Da­mit kann ich mich zur Ru­he set­zen? BEERBAUM Ein Po­di­ums­platz wä­re schon nicht schlecht, aber da möch­te ich mich noch nicht fest­le­gen. Im Um­kehr­schluss soll es auch nicht hei­ßen, dass mit dem Po­di­um de­fi­ni­tiv Schluss ist. Der Ho­ri­zont, an dem ich dann ir­gend­wann kür­zer tre­te, ist ab­seh­bar. Aber es gibt noch kei­nen ge­nau­en Plan. Herr Mül­ler, mit Ih­ren 26 Jah­ren ist der Ho­ri­zont Ih­res Kar­rie­re-En­des ja noch in wei­ter Fer­ne. Kön­nen Sie sich vor­stel­len, mal die Fuß­ball­schu­he ge­gen Reit­s­tie­fel zu tau­schen? T. MÜL­LER Frei­zeit­mä­ßig schon. Ich ge­nie­ße es, mei­ne Frau auf Tur­nie­re oder in den Stall zu be­glei­ten. Ich mag ein­fach die At­mo­sphä­re. Wenn die Pfer­de in der Däm­me­rung ihr Heu knus­pern, dann hat das schon me­di­ta­ti­ve Zü­ge. Pfer­de sind wirk­lich Tie­re, in die man sich schnell ver­liebt. Aber erst­mal ha­be ich fuß­bal­le­risch noch ge­nug gro­ße Auf­ga­ben vor mir. DAS IN­TER­VIEW IST ENT­STAN­DEN FÜR DAS CHIO-MA­GA­ZIN.

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