Tak­ti­ker Con­te treibt Ita­li­en zu Best­leis­tun­gen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - FUßBALL-EM 2016 - VON MI­RI­AM SCHMIDT UND CHRIS­TI­AN KUNZ

Der lei­den­schaft­li­che Trai­ner des Deutsch­land-Geg­ners dürf­te auch für das Vier­tel­fi­na­le ei­nen klu­gen Match­plan ha­ben.

MONT­PEL­LIER (dpa) An­to­nio Con­te schimpf­te, di­ri­gier­te, schrie und ges­ti­ku­lier­te. Bei Ita­li­ens 2:0-Ach­tel­fi­nal­sieg ge­gen Spa­ni­en stand der Na­tio­nal­trai­ner kaum ei­ne Mi­nu­te still, trotz­te auch dem strö­men­den Re­gen zu Spiel­be­ginn mit Müt­ze und Ja­cke. Con­te lebt sei­nen Spie­lern be­din­gungs­lo­sen Ein­satz vor und treibt sei­ne ei­gent­lich nur mit­tel­mä­ßi­ge Trup­pe wäh­rend der EM im­mer wie­der zu Höchst­leis­tun­gen. Sein fest­ste­hen­der Ab­schied zum FC Chel­sea nach der EM be­ein­flusst da­bei bis­lang we­der den Coach noch die Spie­ler.

„Con­te ist ein groß­ar­ti­ger Trai­ner. Der bes­te die­ser EM. Er hat es ge­schafft, der Mann­schaft nicht nur ei­ne Spiel­idee zu ver­mit­teln, son­dern sei­ne kla­re Hand­schrift, deut­lich und mar­kant“, schwärm­te der zu­künf­ti­ge Bay­ern-Trai­ner Car­lo An­ce­lot­ti. Ita­li­en ge­gen Deutsch­land im EM-Vier­tel­fi­na­le am Sams- tag, 21 Uhr (ARD), ist da­her auch das Auf­ein­an­der­tref­fen der bei­den Trai­ner und Tak­tik-Tüft­ler An­to­nio Con­te und Joa­chim Löw.

„Er leis­tet her­vor­ra­gen­de Ar­beit“, lob­te Bun­des­trai­ner Löw sein Ge­gen­über. „Con­te hat er­kannt, dass man nur mit Ca­te­n­ac­cio al­lei­ne kein Tur­nier mehr ge­winnt, dass man auch ein Spiel nach vor­ne braucht“, sag­te er. Der­zeit dürf­ten sich wohl Löw wie auch Con­te Ge­dan­ken über ih­ren Match­plan ma­chen. Con­te hat bei die­ser EM schon mehr­mals be­wie­sen, dass er auf dem Pa­pier bes­se­re Geg­ner mit sei­ner klu­gen Tak­tik aus­ein­an­der­neh­men kann. „Es ist kein Zu­fall, dass sich mit Bel­gi­en und Spa­ni­en zwei star­ke Na­tio­nal­teams in ei­nem bis ins letz­te De­tail vor­be­rei­te­ten Plan ver­lau­fen ha­ben, ei­nem La­by­rinth oh­ne Aus­gang“, lob­te die „Gaz­zet­ta del­lo Sport“den Per­fek­tio­nis­ten.

Mit­tel­feld­spie­ler Ales­san­dro Flo­ren­zi ur­teil­te über das Spiel sei­nes Teams: „Selbst mit ge­schlos­se­nen Au­gen wis­sen wir, wo wir ei­nen Mit­spie­ler fin­den kön­nen, al­so hat Con­te groß­ar­ti­ge Ar­beit ge­macht.“Und die Mann­schaft folgt ihm be­din­gungs­los, Kon­kur­renz oder Neid gibt es nicht. Der aus Apu­li­en stam­men­de Coach ist be­kannt als Mo­ti­va­tor und für sei­ne mar­tia­li­schen An­spra­chen. Vor gro­ßen Spie­len for­dert der 46-Jäh­ri­ge von sei­nen Mann­schaf­ten ger­ne „Blut, Schweiß und Trä­nen“. Con­te sag­te: „Es sind gro­ße Emo­tio­nen, ei­ne EM als Na­tio­nal­trai­ner zu er­le­ben. Gro­ßer Stolz, gro­ße Freu­de, ei­ne gro­ße Ver­ant­wor­tung.“

Ins­ge­samt 20 Mal spiel­te Con­te für Ita­li­ens Na­tio­nal­elf und ge­wann als Pro­fi mit Ju­ven­tus Tu­rin fünf Meis­ter­ti­tel und die Cham­pi­ons Le­ague. Als Coach mach­te er nach Sta­tio­nen bei Arez­zo, Ba­ri, Ber­ga­mo und Sie­na dort wei­ter, ge­wann mit Juve drei Meis­ter­schaf­ten.

Doch sei­ne Lei­den­schaft für den Fuß­ball treibt Con­te nun auch da­zu, nach nur zwei Jah­ren als Na­tio­nal­coach ei­ne neue Her­aus­for­de­rung zu su­chen.

Beim FC Chel­sea kann er bald wie­der die täg­li­che Ar­beit auf dem Trai­nings­platz le­ben, die ihm bei der Na­tio­nal­elf so sehr fehl­te.

Mit vol­lem kör­per­li­chen Ein­satz schreit und winkt An­to­nio Con­te (46) sein Team zum 2:0-Ach­tel­fi­nal­sieg ge­gen Spa­ni­en.

FO­TOS: IMA­GO

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