Das tau­gen die Bör­sen­plä­ne von RWE

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON ANTJE HÖNING

In­no­gy soll an die Bör­se. Der RWE-Chef darf In­no­gy-Chef Te­ri­um nicht kon­trol­lie­ren – noch nicht.

LON­DON RWE will sich von der Br­ex­it-Un­ru­he nicht an­ste­cken las­sen und sei­ne Zu­kunfts­toch­ter In­no­gy bis En­de des Jah­res an die Bör­se brin­gen, sag­te Noch-RWE-Chef Pe­ter Te­ri­um ges­tern in Lon­don. Dort­hin hat­ten der Kon­zern In­ves­to­ren zum Ka­pi­tal­markt-Tag ein­ge­la­den. Man gab sich läs­sig, al­le Vor­stän­de tra­ten in der Prä­sen­ta­ti­on oh­ne Kra­wat­te auf.

In die In­no­gy hat RWE sei­ne Zu­kunfts­ge­schäf­te Net­ze, Ver­trieb und Ökostrom ab­ge­spal­ten. Ein si­che­res Ge­schäft: 60 Pro­zent des Ge­winns kom­men aus den Net­zen, für das die Be­hör­den die Netz­ent­gel­te fest­le­gen. RWE will im ers­ten Schritt zehn Pro­zent von In­no­gy an die Bör­se brin­gen, ver­bun­den mit der Aus­ga­be neu­er Ak­ti­en. Bis zu 50 Pro­zent kön­nen fol­gen. In der al­ten RWE AG blei­ben al­le Pro­blem­ge­schäf­te wie Braun­koh­le- und Atom-Kraft­wer­ke so­wie der Ener­gie­han­del. Di­vi­den­den-Ti­tel In­no­gy RWE will In­ves­to­ren mit ho­hen Di­vi­den­den zum Kauf von In­no­gy-Ak­ti­en an­rei­zen. In­no­gy wer­de 70 bis 80 Pro­zent des Net­to­ge­winns aus­schüt­ten, ver­sprach Te­ri­um, der bald nur noch Chef von In­no­gy ist. Be­reits für 2016 soll die ers­te Di­vi­den­de flie­ßen. Das ge­fiel den An­le­gern: Die Ak­tie leg­te fast um sie­ben Pro­zent zu und war Ge­win­ner im Dax. „Die po­si­ti­ve Re­ak­ti­on der Bör­se zeigt: Die Auf­spal­tung ist rich­tig, weil RWE nur so fri­sches Ka­pi­tal ein­sam­meln kann und die di­rek­te Ver­wäs­se­rung der kom­mu­na­len Ak­tio­nä­re um­ge­hen kann“, sag­te Sven Dier­mei­er, Ana­lyst bei In­de­pen­dent Re­se­arch. Die kom­mu­na­len Ak­tio­nä­re sind wei­ter nur an der al­ten RWE be­tei­ligt. In­ves­ti­ti­ons­lü­cke Die Fra­ge ist, wie In­no­gy bei der ho­hen Aus­schüt­tung die nö­ti­gen In­ves­ti­tio­nen stem­men will. Die Re­gu­lie­rungs­be­hör­den ver­lan­gen ho­he In­ves­ti­tio­nen in Net­ze. Mit ei­nem Ökostrom-An­teil von fünf Pro­zent an der Strom­er­zeu­gung ist der Kon­zern weit da­von ent­fernt, grün zu sein. In­no­gy darf aber nicht auf Kos­ten der Zu­kunft Di­vi­den­de zah­len. Res­ter­am­pe RWE In dem Ma­ße, in dem RWE In­no­gy-An­tei­le und da­mit Di­vi­den­de ver­kauft, wach­sen die Pro­ble­me. Mit der In­no­gy-Di­vi­den­de muss RWE die weg­bre­chen­den Ge­win­ne der Kraft­werk­s­toch­ter Ge­ne­ra­ti­on kom­pen­sie­ren. „Für die alte RWE AG spitzt sich die La­ge zu“, sagt Dier­mei­er. Sie ha­be zu­dem ein Ver­schul­dungs­pro­blem. „Fol­ge­rich­tig hat der Vor­stand an­ge­kün­digt, dass er wei­te­re Spar­pro­gram­me bei den Kraft­wer­ken auf­legt.“ Per­so­nal­que­re­len Ob­wohl die Mut­ter RWE zu­nächst noch mit 90 Pro­zent an In­no­gy be­tei­ligt ist, be­kommt sie nur ei­nen Sitz im In­no­gyAuf­sichts­rat. Und den soll aus­ge­rech­net RWE-Fi­nanz­chef Mar­kus Kreb­ber ein­neh­men, ein Ver­trau­ter von Te­ri­um. Da­mit wird der In­no­gyChef durch ei­nen Zög­ling kon­trol­liert. Auf­sichts­rats­chef bei­der Kon­zer­ne ist Wer­ner Brandt. In Ge­werk­schafts­krei­sen hat­te man er­war­tet, dass der neue RWE-Chef Rolf Mar­tin Schmitz sei­nen Hut als Ober­kon­trol­leur in den Ring wirft. Doch das konn­te Te­ri­um ver­hin­dern – noch.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.