Die Kul­tur-Blog­ge­rin

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER KULTUR - VON NI­CO­LE SCHARFETTER

Te­re­sa Schmidt-Meine­cke hat drei Be­ru­fe: Sie ar­bei­tet im Bü­ro, macht Füh­run­gen im Fo­rum NRW, und sie ist Au­to­rin.

Wenn Te­re­sa Schmidt-Meine­cke über Ri­ta McB­ri­de spricht, kommt sie aus dem Schwär­men gar nicht mehr raus. Ob­wohl die 28-Jäh­ri­ge die Bild­hau­er-Pro­fes­so­rin von der Kunst­aka­de­mie ei­gent­lich nur durch ih­re Kunst kennt und gar nicht per­sön­lich. „Ihr Ruf eilt ihr vor­aus“, sagt Schmidt-Meine­cke, die viel in der Düs­sel­dor­fer Kul­tur-Szene un­ter­wegs ist. „Die Aka­de­mie ist ein sehr se­xis­ti­scher Raum“, fin­det sie. Ri­ta McB­ri­de al­ler­dings schaf­fe es, an­zu­ecken, sich durch­zu­set­zen. „Über sie wür­de ich ger­ne mal schrei­ben“, sagt die 28-Jäh­ri­ge. Und mit Schrei­ben meint sie Blog­gen.

Ei­ne ei­ge­ne In­ter­net­sei­te hat Te­re­sa Schmidt-Meine­cke, und sie ist Au­to­rin beim Düs­sel­dor­fer On­li­neMa­ga­zin „The Dorf“– ver­ant­wort­lich für die Ka­te­go­rie „Kul­tur“. Blog­gen macht die ge­bür­ti­ge Trie­re­rin ei­gent­lich nur ne­ben­bei, sie ar­bei­tet 20 St­un­den in der Wo­che bei Tri­va­go, ei­nem Un­ter­neh­men, das sich auf die On­li­ne-Ho­tel­su­che spe­zia­li­siert hat. „Ob­wohl ich nie ge­dacht hät­te, dass ich mal ei­nen Bü­ro­job ma­che.“Die an­de­ren 20 St­un­den bie­tet sie Füh­run­gen und Work­shops im NRW-Fo­rum an. Das Gan­ze nennt sie be­ruf­li­ches Patch­work, das für Au­ßen­ste­hen­de si­cher schreck­lich wirr wir­ken muss, für Schmidt-Meine­cke selbst aber mehr Auf­ga­be als Be­ruf ist.

Te­re­sa Schmidt-Meine­cke ver­kehrt nicht nur in be­ruf­lich un­ter­schied­li­chen Wel­ten – sie will mit ih­ren Blogs un­ter­schied­li­che Wel­ten zu­sam­men­zu­brin­gen: „Die Kunst­welt ist meis­tens sehr eta­bliert und ir­gend­wie weit weg“, sagt sie. Die­se Welt ver­sucht sie zu er­klä­ren für „ganz nor­ma­le Men­schen, nicht für das Fach­pu­bli­kum“, sagt sie. Die Blog­ge­rin schreibt meis­tens für jun­ges Pu­bli­kum, „ob­wohl heu­te schon die Schü­ler viel zu eng den­ken“. Am liebs­ten schreibt Te­re­sa Schmid­tMeine­cke aber für sich selbst, nicht weil sie so be­geis­tert ist von ih­ren Tex­ten, son­dern weil sie sich beim Schrei­ben erst rich­tig Zeit neh­men kann für die Kunst und die Men­schen, die et­was geschaf­fen ha­ben. „Das ist et­was ganz In­ti­mes“, er­zählt sie, „es ist so schön, mal mit sei­nen Ge­dan­ken al­lein zu sein.“Und die Düs­sel­dor­fer Kul­tur sei gera­de­zu prä­des­ti­niert für Blog­ger, „hier gibt es so vie­le Künst­ler, Mu­se­en und Häu­ser“.

Da­bei war Düs­sel­dorf für die 28Jäh­ri­ge al­les an­de­re als ei­ne Traum­stadt. „Ich ha­be ei­nen deutsch-fran­zö­si­schen Mas­ter ge­macht, ein Jahr in Nan­tes und Straß­burg ge­lebt, dann kam ich nach Düs­sel­dorf“, er­zählt sie. Die Men­schen mit ih­rem vie­len Geld hät­ten sie ab­ge­schreckt, „und al­le tra­gen hier nur Schwarz, ma­xi­mal Dun­kel­blau.“Ir­gend­wann aber ent­deck­te Schmidt-Meine­cke die Vor­zü­ge von Düs­sel­dorf, al­lein die Aka­de­mie lo­cke so vie­le nam­haf­te Künst­ler hier­her. Wie Ri­ta McB­ri­de, die ein biss­chen Vor­bild ist für Schmidt-Meine­cke und mit der die 28-Jäh­ri­ge ver­mut­lich mehr ge­mein hat, als sie glaubt – vor al­lem ihr Durch­set­zungs­ver­mö­gen und ih­ren Mut an­zu­ecken. Sie sticht mit ih­rem bun­ten Blou­son, ih­rer wil­den Mäh­ne und ih­rem glän­zend gol­de­nen Schmuck aus der dun­kel­blau­schwar­zen Mas­se her­aus. Sie hat sich ihr Le­ben in Düs­sel­dorf so zu­sam­men­ge­stellt, wie es ihr ge­fällt. Und sie schafft es, mit ih­rer Ar­beit Kunst zu­gäng­li­cher zu ma­chen. „Ich fin­de es toll, nicht in der Kunst­bla­se zu le­ben, son­dern zwi­schen den Wel­ten“, sagt Schmidt-Meine­cke. Weil sie Kunst noch im­mer hin­ter­fra­ge und ge­mein­sam mit ih­ren Grup­pen, die sie durch das NRWFo­rum führt, das Kunst­er­leb­nis er­ar­bei­ten kön­ne.

FO­TO: ANDRE­AS BRETZ

Te­re­sa Schmidt-Meine­cke lebt seit zwei Jah­ren in Düs­sel­dorf. Ne­ben ih­rem Be­ruf schreibt sie für das On­li­ne-Ma­ga­zin „The Dorf“.

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