Wer hat wel­che Chan­cen bei der Land­tags­wahl?

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON DENISA RICHTERS

Mit den Par­tei­ta­gen am Mitt­woch­abend ha­ben nach Grü­nen und FDP auch CDU und SPD ih­re Kan­di­da­ten für die Land­tags­wahl am 14. Mai 2017 ge­kürt. Bei Link­s­par­tei, AfD und Pi­ra­ten ste­hen das noch aus. Doch be­reits jetzt lohnt sich ein Blick in die vier Düs­sel­dor­fer Wahl­krei­se und die be­kann­ten Ak­teu­re. Wahl­kreis 40 (reicht von Stadt­mit­te bis An­ger­mund) In die­sem Wahl­kreis be­fin­den sich vie­le bür­ger­li­che Vier­tel, wes­halb er vor al­lem bei der CDU als re­la­tiv si­cher galt – bis bei der Land­tags­wahl 2012 der NRWwei­te Ab­sturz kam. Auch in Düs­sel­dorf hol­te die CDU mit 25,7 Pro­zent ihr schlech­tes­tes Er­geb­nis. Wäh­rend Rechts­an­walt Olaf Leh­ne, der auch nächs­tes Jahr dort für die CDU an­tritt, bei der Land­tags­wahl 2010 noch 7887 Stim­men vor dem SPDKan­di­da­ten lag, hol­te der So­zi­al­de­mo­krat Mar­kus Herbert Wes­ke 2012 den Wahl­kreis di­rekt – mit 36,5 Pro­zent und 651 Stim­men Vor­sprung. Das lag auch dar­an, dass die FDP nicht, wie zu­vor üb­lich, emp­foh­len hat­te, die Erst­stim­me (für ei­nen Di­rekt­kan­di­da­ten) der CDU zu ge­ben, son­dern um bei­de Stim­men für sich warb. Leh­nes li­be­ra­le Kon­tra­hen­tin war Ma­rie-Ag­nes Strack-Zim­mer­mann. Die FDP-Che­fin braucht er dies­mal nicht zu fürch­ten. Aber in Fe­lix Dros­te, Vor­sit­zen­der des Auf­sichts­rats der Rheinische Post Me­di­en­grup­pe, tritt ein star­ker Netz­wer­ker an, der eben­falls um bei­de Stim­men wer­ben will. Auch die AfD könn­te Leh­ne ge­fähr­lich wer­den, wo­bei er sich in der Flücht­lings­fra­ge kon­ser­va­tiv po­si­tio­niert. Der SPDKan­di­dat Wes­ke kann sich al­so gut als Al­ter­na­ti­ve an­bie­ten. Wo­mög­lich be­kommt er auch ei­ne Erst­stim­men­emp­feh­lung von der Kan­di­da­tin der Grü­nen, As­trid Wie­sen­dorf. Wahl­kreis 41 (reicht von Flin­gern bis Hub­bel­rath) Hier dürf­te es span­nend wer­den, weil bei CDU und SPD zwei neue Kan­di­da­ten an­tre­ten, die un­ter­schied­li­cher kaum sein könn­ten: Christ­de­mo­krat Mar­co Schmitz, jun­ger Fa­mi­li­en­va­ter und Ver­wal­tungs­di­rek­tor beim Deut­schen Städ­te­tag, tritt ge­gen Mar­tin Vol­ken­rath an, ein Ur­ge­stein der SPD, Po­li­zei­ge­werk­schaf­ter und seit 17 Jah­ren Rats­herr. Die po­li­ti­sche Er­fah­rung und sei­ne Be­kannt­heit könn­te Vol­ken­rath ei­nen Punkt­vor­teil brin­gen. 2012 hat­te die SPD den Wahl­kreis di­rekt ge­holt, zwei Jah­re zu­vor die CDU. Bei den Grü­nen ist Mo­ni­ka Dü­ker ge­setzt, die frü­he­re Lan­des­che­fin der Grü­nen ist seit 2002 im Land­tag, gilt als ex­zel­len­te In­nen­ex­per­tin und wird mit Si­cher­heit über die Lis­te ein­zie­hen. Für die FDP tritt Sön­ke Will­m­sHeyng erst­mals an. Der Ger­res­hei­mer ist po­li­tisch sehr re­ge und gut ver­netzt, könn­te den CDU-Kan­di­da­ten Schmitz eben­falls Stim­men kos­ten. Vie­les hängt auch da­von ab, wie stark die AfD hier sein wird. Wahl­kreis 42 (von Ober­bilk bis ins Links­rhei­ni­sche) Hier gibt’s ein Du­ell der Frau­en: Für die CDU tritt erst­mals An­ge­la Er­win an, Toch­ter des frü­he­ren Ober­bür­ger­meis­ters und Vi­ze-Par­tei­che­fin. Sie kann im Links­rhei­ni­schen punk­ten, auch in Fried­rich­stadt, wo sie 2014 Kom­mu­nal­wahl­kampf ge­macht hat. Ein­fach wird es für sie nicht. Denn die So­zi­al­de­mo­kra­tin Ma­ri­on War­den kann nicht nur po­li­ti­sche Er­fah­rung bie­ten – sie kommt aus ei­ner SPD-Fa­mi­lie, war Bei­ge­ord­ne­te, hol­te 2012 den Wahl­kreis di­rekt –, son­dern ist im Links­rhei­ni­schen sehr prä­sent. Schwie­rig wird es für Er­win auch, weil die Grü­nen mit dem Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Ste­fan Engst­feld ei­nen star­ken, wohl über die Lis­te ab­ge­si­cher­ten Kan­di­da­ten ha­ben, der auch im ur­ba­nen CDU-Mi­lieu an­kommt. In Fried­rich­stadt/Un­ter­bilk hol­ten die Grü­nen bei der Rats­wahl 2014 so­gar ein Di­rekt­man­dat. Dass Rai­ner Mat­hei­sen für die FDP an­tritt und nicht Mir­ko Roh­l­off, könn­te sich als Vor­teil für die CDU er­wei­sen. Mat­hei­sen war frü­her in der SPD, gilt als so­zi­al­li­be­ral, könn­te al­so War­den Stim­men kos­ten. Wahl­kreis 43 (Wers­ten bis Hel­ler­hof) Auch in die­sem Wahl­kreis sieg­te 2012 die SPD mit Wal­bur­ga Ben­ninghaus, die er­neut an­tritt – und in Pe­ter Preuß auf ih­ren CDU-Ge­gen­part von da­mals trifft. Preuß sitzt seit 2005 im Land­tag, kam bei der vor­he­ri­gen Wahl über die Re­ser­ve­lis­te rein. Als lang­jäh­ri­ger Chef der CDA, des Ar­beit­neh­mer­flü­gels sei­ner Par­tei, kann er auch dies­mal mit ei­nem gu­ten Lis­ten­platz rech­nen. Ben­ninghaus ist im Sü­den nach wie vor gut ver­netzt, hat al­so er­neut Chan­cen auf das Di­rekt­man­dat. Vie­les hängt hier da­von ab, wie AfD und Lin­ke ab­schnei­den. Mit dem Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mar­tin-Sebastian Abel ha­ben die Grü­nen ei­nen star­ken Kan­di­da­ten, es ist aber nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass sein Lis­ten­platz er­neut zie­hen wird. Die FDP hat hier mit Chris­ti­ne Rach­ner ei­ne neue Kan­di­da­tin auf­ge­stellt.

RP-FO­TOS: ANDRE­AS ENDERMANN (8), HANS-JÜRGEN BAU­ER (4), ANDRE­AS BRETZ (4)

Die Kan­di­da­ten im Wahl­kreis 40 (v.l.): Rechts­an­walt Olaf Leh­ne (54, CDU), Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter Mar­kus Herbert Wes­ke (47, SPD), As­trid Wie­sen­dorf (48, Re­fe­ren­tin Un­ter­neh­mens­si­cher­heit) und Ver­le­ger Fe­lix Dros­te (52, FDP).

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