Dia­ko­nie-Vor­stand hat jetzt Zeit für Mu­sik

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STADTTEILE - VON MA­XI­MI­LI­AN KRO­NE

Nach 22 Jah­ren bei dem Wohl­fahrts­ver­band geht Adolf Krebs in den Ru­he­stand. Der 64-Jäh­ri­ge hat die Or­ga­ni­sa­ti­on ge­prägt, oh­ne ihn hät­te es die Zen­tren plus wohl nicht ge­ge­ben.

FLIN­GERN Of­fen­her­zig, selbst­los, en­ga­giert. Nur drei Ei­gen­schaf­ten des Man­nes, oh­ne den das so­zia­le Düs­sel­dorf heu­te wohl ganz an­ders aus­se­hen wür­de. Ent­spannt lä­chelnd sitzt Dia­ko­nie-Vor­stand Adolf Krebs in sei­nem Bü­ro. Zwei Um­zugs­kar­tons ver­ra­ten, dass er dort nicht mehr all­zu lan­ge sit­zen wird. Der Grund für sein Lä­cheln ist aber nicht, dass er in den Ru­he­stand geht. Er ist ein­fach zu­frie­den. Mit der Ent­wick­lung der Dia­ko­nie, den vie­len Pro­jek­ten und na­tür­lich auch mit sich selbst. „Es war ein ge­seg­ne­tes Be­rufs­le­ben. Mit vie­len span­nen­den Her­aus­for­de­run­gen, in dem es nie lang­wei­lig wur­de“, sagt Adi Krebs, wie ihn sei­ne Mit­ar­bei­ter und Freun­de lie­be­voll nen­nen.

Seit mehr als 40 Jah­ren en­ga­giert der 64-Jäh­ri­ge sich be­reits im so­zia­len Be­reich. „Ich woll­te Leh­rer für Na­tur­wis­sen­schaf­ten wer­den. So­zia­les En­ga­ge­ment war aber im­mer sehr wich­tig, wes­halb ich die­sen Plan schließ­lich auf­gab“, sagt er. Dass er ei­nen Fai­b­le für Zah­len und Be­triebs­wirt­schaft hat, kam ihm dann vor 22 Jah­ren bei der Dia­ko­nie zu­gu­te. „Düs­sel­dorfs Kas­sen wa­ren leer, ent­spre­chend schwie­rig war die För­de­rung so­zia­ler Pro­jek­te.“ Schnell be­gann er da­mit, der Dia­ko­nie und sei­nen Mit­ar­bei­tern ei­ne neue Kul­tur des Ar­bei­tens und Den­kens zu ver­mit­teln, und ent­wi­ckel­te ei­nen Ju­gend­hil­fe-Leis­tungs­ka­ta­log. „Dar­in wur­de je­de un­se­rer Leis­tun­gen be­schrie­ben und mit ei­nem Kos­ten­punkt ver­se­hen.“Bun­des­weit ein ab­so­lu­tes No­vum.

Un­nah­ba­rer Mo­der­ni­sie­rer und Kal­ku­la­tor war er aber nie. Ihm sei es im­mer wich­tig ge­we­sen, auf Au­gen­hö­he mit Mit­ar­bei­tern zu ar­bei­ten. „Herrsch­te in der Dia­ko­nie ei­ne stren­ge Hier­ar­chie, wür­de das, was wir tun, nicht funk­tio­nie­ren“, sagt er. 1999 stieg er mit er­wei­ter­tem Auf­ga­ben­feld in die Vor­stands­eta­ge auf. Den Be­griff mag er aber nicht so gern. Bei der Neu­ge­stal­tung der Zen­tra­le der Dia­ko­nie in Flin­gern hat er des­halb dar­auf ver­zich­tet, in ein Bü­ro der mo­der­nen Neu­bau­ten zu zie­hen. Be­liebt ist er aber nicht nur we­gen sei­ner un­kom­pli­zier­ten und of­fe­nen Art, son­dern auch we­gen sei­ner vie­len Pro­jek­te. Die Zen­tren plus zum Bei­spiel, die es oh­ne ihn wohl nicht ge­ge­ben hät­te.

Trotz­dem war nicht im­mer al­les gut. Es gab auch Tief­punk­te. Et­wa den Tod ei­nes Pfle­ge­kin­des. „Wir ha­ben uns im­mer wie­der ge­fragt, ob wir das hät­ten ver­hin­dern kön­nen. Das hat mich für ein Jahr aus der Bahn ge­wor­fen. Ich ha­be mich ge­fragt, ob ich den Job noch wei­ter­ma­chen kann“, sagt er. Das war 2010 und er konn­te.

Adi Krebs, wä­re aber nicht Adi Krebs, wenn er nicht schon Plä­ne für die kom­men­de Zeit hät­te. Der Gi­tar­rist will sich wie­der ver­stärkt sei­ner Band wid­men und be­treut wei­ter­hin eh­ren­amt­lich ein Bau­pro­jekt der Dia­ko­nie. Am meis­ten aber freut er sich auf sein En­kel­kind. „Das wer­de ich rich­tig ge­nie­ßen und als ak­ti­ver Groß­va­ter ein­stei­gen.“Wem, wenn nicht ihm, ist es zu gön­nen?

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