Stadt gibt Mil­lio­nen für Ex-Chefs aus

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER WIRTSCHAFT - VON CHRIS­TI­AN HERRENDORF, DENISA RICHTERS, UND UWE-JENS RUHNAU

In Düs­sel­dorf wer­den über­ra­schend oft Ge­schäfts­füh­rer, Vor­stän­de und an­de­re Top-Leu­te auf die Stra­ße ge­setzt.

In ei­ner Wo­che müs­sen gleich zwei Chefs städ­ti­scher oder stadt­na­her Töch­ter ge­hen: Erst Spar­kas­senVor­stand Mar­tin van Gem­me­ren, dann Flug­ha­fen-Chef Lud­ger Dohm. Ihr Ab­gang kann die Un­ter­neh­men und da­mit auch die Steu­er­zah­ler zu­sam­men rund 5,5 Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten. Das sind kei­ne Ein­zel­fäl­le. Mil­lio­nen sind zu zah­len, weil Per­so­nen aus Top-Po­si­tio­nen vor­zei­tig ab­ge­löst wer­den. „Bei ho­hen po­li­ti­schen Wahl­be­am­ten könn­te man das noch nach­voll­zie­hen“, sagt Hei­ner Cloes­ges vom Steu­er­zah­ler­bund NRW, „aber wir spre­chen hier über die kom­mu­na­le Ebe­ne. Die Fäl­le ha­ben ein Aus­maß er­reicht, für das wir über­haupt kein Ver­ständ­nis mehr auf­brin­gen“.

Im Fall Dohm, der ein­fach nicht auf den Pos­ten pass­te und nach nur 16 Mo­na­ten ge­hen muss­te, wei­sen die Auf­sichts­rä­te die Ver­ant­wor­tung von sich. Aus­ge­sucht hat­ten den BPMa­na­ger Ver­tre­ter der Ge­sell­schaf­ter (Stadt und AviAl­li­an­ce), es war zu­dem der Head­hun­ter Egon Zehn­der ein­ge­schal­tet. Auf die Fra­ge, was bei der Per­so­nal­aus­wahl schief­ge­gan­gen sein könn­te, ant­wor­tet die Ber­li­ner Zen­tra­le des Be­ra­ters lie­ber nicht – man äu­ße­re sich grund­sätz­lich nicht zu Per­so­nen oder Un­ter­neh­men, heißt es.

Die Stadt­spar­kas­se ka­men die Wech­sel der ver­gan­ge­nen Jah­re be­son­ders teu­er zu ste­hen, nicht sel­ten ging es da­bei um per­sön­li­che oder po­li­ti­sche Abrech­nun­gen: Schlag­zei­len mach­te vor al­lem die Pooth-Af­fä­re, bei der es auch um Ge­schen­ke an Vor­stands­mit­glie­der im Kon­text von Kre­dit­ver­ga­ben ging und in­fol­ge­des­sen 2008, maß­geb­lich be­trie­ben von Ober­bür­ger­meis­ter Joa­chim Er­win (CDU), des­sen eins­ti­ger Ver­trau­ter, der Vor­stands­vor­sit­zen­de Heinz Mar­tin Hum­me, so­wie das Vor­stands­mit­glied Kar­lHeinz Stie­ge­mann ge­hen muss­ten, auch Bernd Evers­mann ver­ließ den Vor­stand spä­ter. Hum­me klag­te ge­gen sei­ne Ent­las­sung, ihm wur­de rund ei­ne Mil­li­on Eu­ro zu­ge­spro­chen, Stie­ge­mann ging we­gen der be­rech­tig­ten frist­lo­sen Kün­di­gung leer aus, Evers­mann er­hielt ein hal­bes Jahr sein Ge­halt wei­ter­ge­zahlt.

Eben­falls 2008 wur­de der Ge­ne­ral­be­voll­mäch­tig­te Chris­toph Fl­ohr ge­kün­digt – und be­kam ei­ne Mil­li­on Eu­ro mit auf den Weg. Auf Hum­me folg­te Pe­ter Fröh­lich als Vor­stands­chef, auch er muss­te nach Dif­fe­ren­zen mit ei­nem Ober­bür­ger­meis­ter, Dirk El­bers (CDU), 2012 ge­hen – die Stadt­spar­kas­se kos­te­te das 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro. Das stell­ver­tre­ten­de Vor­stands­mit­glied Tho­mas Boots ver­ließ das In­sti­tut 2013 – mit mehr als 400.000 Eu­ro. 2013 trenn­te sich die Stadt­spar­kas­se nach nur vier Jah­ren vom Vor­stands­mit­glied Andre­as Goß­mann: Er er­hielt et­wa ein Jahr lang sei­ne kom­plet­ten Be­zü­ge, bis zu sei­ner Pen­sio­nie­rung be­kommt er ein Ru­he­ge­halt. Ge­samt­kos­ten: drei Mil­lio­nen Eu­ro. 200.000 Eu­ro jähr­lich könn­te Ri­si­ko-Vor- stand Mar­tin van Gem­me­ren kos­ten, weil sein Ver­trag aus­läuft – eben­falls bis zur Pen­sio­nie­rung, was an­ge­sichts sei­ner 46 Jah­re be­acht­lich ist. Es wird je­doch da­von aus­ge­gan­gen, dass er we­gen sei­ner ho­hen Fach­kom­pe­tenz rasch ei­nen neu­en Job fin­det. Für ihn sind rund vier Mil­lio­nen Eu­ro zu­rück­ge­stellt, für Vor­stands­chef Arndt Hall­mann, des­sen Ver­trag nun eben­falls zur Ver­län­ge­rung an­steht, acht Mil­lio­nen.

Aber auch die – rein fi­nan­zi­ell be­trach­tet – un­te­ren Char­gen kos­ten ei­ni­ges. So wähl­te der Stadt­rat vor ei­ni­gen Jah­ren ei­ne De­zer­nen­tin nicht wie­der, sie war erst 47, es stand ihr die Hälf­te ih­rer Bei­ge­ord­ne­ten-Be­zü­ge zu, so­lan­ge sie kein neu­es Ar­beits­ver­hält­nis ein­ging. Der 2014 ab­ge­wähl­te Ober­bür­ger­meis­ter Dirk El­bers sorg­te mit sei­ner So­fort­ren­te von 4200 Eu­ro für lan­des­wei­te Schlag­zei­len, zu sol­chen Re­ge­lun­gen soll es dank ei­ner Ge­set­zes­än­de­rung nun nicht mehr kom­men. Zu den be­schrie­be­nen Fäl­len zählt auch der frü­he­re Chef der In­dus­trie-Ter­rains Düs­selor­fReis­holz (IDR), De­nis Rau­hut. Er wur­de Mit­te Mai frei­ge­stellt, sein Ver­trag läuft noch bis En­de Au­gust. Bei ei­nem Jah­res­ge­halt von rund 160.000 Eu­ro be­deu­tet dies Zah­lun­gen in Hö­he von et­wa 40.000 Eu­ro.

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