Bund plant trotz Mi­gra­ti­ons­kri­se oh­ne neue Schul­den bis 2020

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON JAN DREBES

BER­LIN Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) will den aus­ge­gli­che­nen Haus­halt mit al­ler Macht hal­ten. We­der der Re­gie­rungs­ent­wurf für den Bun­des­haus­halt 2017 noch der wei­te­re Fi­nanz­plan bis 2020 sieht ei­ne Neu­ver­schul­dung vor. Das wur­de ges­tern aus Re­gie­rungs­krei­sen be­kannt und ent­sprach der bis­he­ri­gen Er­war­tung. Dem­nach wer­den zwar die Mehr­aus­ga­ben des Bun­des er­heb­lich wach­sen, ge­trie­ben vor al­lem durch hö­he­re Kos­ten auf­grund von Mas­sen­mi­gra­ti­on nach Deutsch­land. Schäu­b­le rech­net je­doch auch wei­ter­hin mit ste­tig stei­gen­den Ein­nah­men, vor al­lem aus Steu­ern.

So wer­den je­weils die Aus­ga­ben und Ein­nah­men des Bun­des für das Haus­halts­jahr 2017 mit ins­ge­samt 328,7 Mil­li­ar­den Eu­ro be­zif­fert – ein Plus von 3,7 Pro­zent im Ver­gleich zum lau­fen­den Jahr. 301,8 Mil­li­ar­den Eu­ro auf der Ha­ben­sei­te stam­men al­lein aus Steu­er­ein­nah­men, das ent­spricht ei­nem An­teil von knapp 92 Pro­zent. Laut Pro­gno­se des Fi­nanz­plans wer­den die Steu­er­ein­nah­men bis 2020 auf ins­ge­samt 339,4 Mil­li­ar­den Eu­ro wach­sen, die Ge­samt­ein­nah­men und Aus­ga­ben je­weils auf 349,3 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Der wich­tigs­te Schwer­punkt im kom­men­den Haus­halt liegt in der Be­wäl­ti­gung der Zu­wan­de­rung und der Be­kämp­fung von Flucht­ur­sa­chen in an­de­ren Staa­ten. So sieht die Re­gie­rung in ih­rem Haus­halts­plan für das Jahr 2017 knapp 19 Mil­li­ar­den Eu­ro für die­se Auf­ga­ben vor. Da­von flie­ßen zu­sätz­li­che 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro an das Ar­beits- und So- zi­al­mi­nis­te­ri­um von Andrea Nah­les (SPD), das et­wa für die Ar­beits­markt­in­te­gra­ti­on und die Trans­fer­leis­tun­gen zu­stän­dig ist.

Auch das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um un­ter der Lei­tung von Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) er­hält im kom­men­den Haus­halts­jahr ei­nen deut­li­chen Auf­schlag. Zur Auf­nah­me von Asyl­su­chen­den und zur Ab- wick­lung von An­trä­gen er­hält das In­nen­res­sort, dem das Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge un­ter­stellt ist, zu­sätz­lich ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro pro Jahr. Bis 2020 will die Bun­des­re­gie­rung für Mi­gra­ti­on und In­te­gra­ti­on zu­sam­men­ge­rech­net 77,5 Mil­li­ar­den Eu­ro zur Ver­fü­gung stel­len.

An­de­re Schwer­punk­te setzt die Ko­ali­ti­on beim Ver­tei­di­gungs­etat (plus 1,7 Mil­li­ar­den Eu­ro im Ver­gleich zum gel­ten­den Haus­halt), bei Bil­dung und For­schung (1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro mehr als 2016 auf ins­ge­samt 17,6 Mil­li­ar­den), dem Breit­band­aus­bau und beim so­zia­len Woh­nungs­bau. Zu Bu­che schla­gen auch vie­le so­zi­al­po­li­ti­sche Maß­nah­men der gro­ßen Ko­ali­ti­on, wie die Er­hö­hung des Wohn­gel­des, die Ren­te mit 63 oder die „Müt­ter­ren­te“.

Aus Sicht des haus­halts­po­li­ti­schen Spre­chers der Grü­nen-Frak­ti­on, Sven-Chris­ti­an Kind­ler, bleibt die Re­gie­rung hin­ter ih­ren Mög­lich­kei­ten zu­rück. „Der Haushaltsentwurf ist ent­täu­schend“, sag­te er. Der Plan sei kei­ne Ant­wort auf die so­zia­le Spal­tung der Ge­sell­schaft. Schäu­b­le ver­las­se sich zu sehr auf die gu­te Kon­junk­tur und nied­ri­ge Zin­sen.

Bis 2020 will die Bun­des­re­gie­rung 77,5 Mil­li­ar­den Eu­ro für die Be­wäl­ti­gung der Mi­gra­ti­on be­reit­stel­len

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.