Wa­ckel­kan­di­dat Zverev

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER SPORT - VON THO­MAS SCHULZE

Mor­gen will er im Ro­chus­club auf­schla­gen, wo der Ten­nis­klub zum Bun­des­li­ga-Auf­takt den deut­schen Meis­ter Blau-Weiß Hal­le emp­fängt. Doch ob das klappt, ist un­ge­wiss, denn Düs­sel­dorfs Num­mer eins ist noch in Wim­ble­don.

Detlev Irm­ler blickt ab­wech­selnd zum Him­mel und auf sein Han­dy. Der Te­am­chef ver­sucht hän­de­rin­gend, für Sonn­tag ei­ne schlag­kräf­ti­ge Mann­schaft zu­sam­men zu be­kom­men. „Ich will den Zu­schau­ern zum Auf­takt ei­nen Le­cker­bis­sen ser­vie­ren“, sagt er. „Ich will di­rekt für ei­nen Pau­ken­schlag sor­gen.“

Irm­ler steht vor ei­ner kniff­li­gen Auf­ga­be, denn in der Ten­nis-Bun­des­li­ga schla­gen die Top-Spie­ler nur dann auf, wenn sie nicht bei an­de­ren Tur­nie­ren im Ein­satz sind. Das ist bei Sa­scha Zverev nicht an­ders. Deutsch­lands gro­ße Nach­wuchs­hoff­nung hat sich auf­grund freund­schaft­li­cher Be­zie­hun­gen zu Irm­ler be­reit er­klärt, für die Düs­sel­dor­fer zu spie­len – so­fern es sein Tur­nier­ka­len­der zu­lässt. „Ei­ne rea­lis­ti­sche Chan­ce ha­ben wir ei­gent­lich nur an die­sem Sonn­tag“, sagt Irm­ler. Und die wird von St­un­de zu St­un­de ge­rin­ger, weil es in Wim­ble­don reg­net und sich der Zeit­plan stän­dig än­dert. Zverev be­stritt ges­tern sein Zweit­run­den­spiel ge­gen den Rus­sen Mik­hail Youzh­ny – mit Re­gen­un­ter­bre­chung. „Es ist ja ei­gent­lich schon ver­rückt, dass ich hof­fe, dass Sa­scha das Spiel ver­liert“, sagt der Te­am­chef beim Blick aus dem Fens­ter des Ma­ri­tim Ho­tel. „Ich drü­cke ihm im­mer die Dau­men, aber nur wenn er in Wim­ble­don aus­schei­det, kann er nach Dü­sel­dorf kom­men.“

Zverev ist bei wei­tem nicht die ein­zi­ge Un­be­kann­te in der Auf­stel­lung. Der Spa­nier Mar­cel Gra­nol­lers, die Num­mer zwei, ist noch im Dop­pel ver­tre­ten, eben­so der Tsche­che Lu­kas Ro­sol und der Nie­der­län­der Mat­we Mid­del­ko­op. Dem Ar­gen­ti­ni­er Fa­cun­do Bag­nis hat­te Irm­ler schon ab­ge­sagt: „Ich war der fes­ten Über­zeu­gung, ei­ne gu­te Mann­schaft bei­sam­men zu ha­ben. Ei­nen Spie­ler, dem man ab­ge­sagt hat, dann an­zu­ru­fen, das macht man nicht so ger­ne. Aber viel­leicht muss ich es doch.“Weil Pe­ter To­reb­ko in Tsche­chi­en im Halb­fi­na­le steht und Fi­lip Horans­ky in Bel­gi­en.

Jo­zef Ko­va­lik hat Irm­ler ges­tern an­ge­ru­fen. Der Slo­wa­ke hat sich so­fort ins Au­to ge­setzt und sich aus dem 1100 Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Bra­tis­la­va auf den Weg ge­macht. Auch Mats Mora­ing und Mi­scha Zverev ste­hen zur Ver­fü­gung. „Er sitzt in Ham­burg und war­tet nur auf mei­nen An­ruf.“Der wird kom­men, falls die an­de­ren Kan­di­da­ten an­de­ren­orts wei­ter­hin so er­folg­reich sind.

Dem Auf­takt­spiel ge­gen Hal­le misst Irm­ler gro­ße Be­deu­tung bei: „Ei­nen Punkt wür­de ich schon ger­ne ho­len, denn in Köln und ge­gen Kur­haus Aa­chen ha­ben wir kaum ei­ne Chan­ce.“Der Klas­sen­er­halt ist das gro­ße Ziel. „Das ist ein schwie­ri­ges Un­ter­fan­gen, da­zu müs­sen wir stra­te­gisch vor­ge­hen und un­be­dingt die Spie­le in Neuss und bei Blau-Weiß Aa­chen ge­win­nen.“

Die Fa­vo­ri­ten in die­ser Sai­son sind Köln und Kur­haus Aa­chen, aber auch Kre­feld und Feld­kir­chen ge­hö­ren zu die­sem Kreis. „Vie­le wis­sen nicht, wo Feld­kir­chen über­haupt ist, aber der Ort ist spä­tes­tens be­kannt, wenn er Meis­ter ist.“Detlev Irm­ler schaut aus dem Fens­ter, dann auf sein Han­dy: „Wir ha­ben den Ab­stieg schon ein paar Mal ab­ge­wen­det, aber das ge­lingt nicht im­mer.“Viel­leicht kommt der ei­ne oder an­de­re noch recht­zei­tig.

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