ÖKONOM

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT -

Der Po­panz der Erb­schaft­steu­er

Mit ei­nem Auf­kom­men von sechs Mil­li­ar­den Eu­ro trägt die Erb­schaft­steu­er noch nicht ein­mal ein Pro­zent zu al­len Steu­er­ein­nah­men des Staa­tes bei. Trotz­dem wird über die Re­form des vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ge­kipp­ten Erb­schaft­steu­er­ge­set­zes mehr ge­strit­ten als über ei­ne neue Ein­kom­men­steu­er. Sie gilt of­fen­bar als Test da­für, wie so­zi­al und ge­recht ei­ne Ge­sell­schaft ist.

Öko­no­misch be­trach­tet könn­te die Erb­schaft­steu­er gut in die all­ge­mei­ne Ein­kom­men­steu­er in­te­griert wer­den. Die kann so er­ho­ben wer­den, dass al­le Ver­mö­gens­zu­wäch­se, die ei­ne Per­son er­zielt, nach dem all­ge­mei­nen Ta­rif be­steu­ert wer­den. Das könn­te bei Un­ter­neh­menserb­schaf­ten zu gro­ßen Li­qui­di­täts­pro­ble­men füh­ren oder das Be­triebs­ver­mö­gen re­du­zie­ren. Man müss­te al­so die Steu­er we­nigs­tens st­un­den.

Ein wei­te­rer Nach­teil ist, dass der Staat den An­reiz, ein Er­be zu hin­ter­las­sen, er­heb­lich min­dert. Das Ver­er­bungs­mo­tiv gilt laut dem US-Öko- no­men Ro­bert Bar­ro als we­sent­li­cher An­reiz, ein Haus zu bau­ern oder ein Un­ter­neh­men zu grün­den. Bei­des wür­de nicht in der von den Wirt­schafts­ak­teu­ren ge­wünsch­ten Zahl er­fol­gen – mit Ver­lus­ten an Wohl­stand, Ein­kom­men und Ar­beits­plät­zen.

Schließ­lich ist nicht ein­zu­se­hen, war­um der Staat über meh­re­re Ge­ne­ra­tio­nen dann gan­ze Erb­schaf­ten ein­zieht. Das wä­re ei­ne kal­te Ent­eig­nung, die mit un­se­rer Ei­gen­tums­ord­nung nicht ver­ein­bar wä­re.

Man könn­te nun die Erb­schaft­steu­er ein­fach ab­schaf­fen. Aus prag­ma­ti­scher Sicht wä­re das durch­aus an­ge­bracht. Es wür­de frei­lich das Ge­rech­tig­keits­emp­fin­den wei­ter Be­völ­ke­rungs­tei­le stö­ren. Dass aus­ge­rech­net „un­ver­dient“zu­fal­len­de Ein­künf­te nicht ver­steu­ert wer­den, ist kaum zu ver­mit­teln.

Emp­feh­lens­wert ist ein Mit­tel­weg: Ein nied­ri­ger Steu­er­satz (10 bis 15 Pro­zent) auf al­le Erb­schaf­ten mit ei­nem Frei­be­trag für Er­ben in di­rek­ter Li­nie, al­so Kin­der, En­kel und El­tern. Das wä­re ein­fa­cher und ge­rech­ter als die hoch­kom­pli­zier­te Re­ge­lung, die der­zeit im Ver­mitt­lungs­aus­schuss liegt. Und die trifft oh­ne­hin nur ganz we­ni­ge Un­ter­neh­men. Fra­gen? Schrei­ben Sie dem Au­tor un­ter ko­lum­ne@rhei­ni­sche-post.de

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