So wer­den Stu­den­ten fit für den Be­ruf

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - HOCHSCHULE - VON ISABELLE DE BORTOLI

Fach­wis­sen al­lein reicht nicht mehr: Un­ter dem Stich­wort „Em­ploya­bi­li­ty“ma­chen die deut­schen Hoch­schu­len ih­re Ab­sol­ven­ten stark fürs Be­rufs­le­ben. Mit Sprach­kur­sen, Rhe­to­rikse­mi­na­ren und Be­wer­bungs­trai­nings.

DÜS­SEL­DORF Frü­her stu­dier­te man ein Fach, sei es Ge­schich­te, Ma­schi­nen­bau oder Be­triebs­wirt­schafts­leh­re, und brach­te bei der an­schlie­ßen­den Be­wer­bung für den ers­ten Job nichts wei­ter mit als sei­ne Stu­di­en­kennt­nis­se und – wer be­son­ders flei­ßig war – noch ein Prak­ti­kum. Heu­te da­ge­gen ist das Bild ein ganz an­de­res: Die Stu­den­ten müs­sen im bes­ten Fall schon ab dem ers­ten Se­mes­ter an ih­rer „Em­ploya­bi­li­ty“ar­bei­ten, al­so an ih­rer Be­schäf­ti­gungs­fä­hig­keit. Und da­mit sind auch die Hoch­schu­len ganz an­ders ge­for­dert. Der An­spruch und die Be­dürf­nis­se von Stu­die­ren­den ge­hen weit über das ei­gent­li­che Stu­di­en­fach hin­aus und zie­len klar auf die Zeit nach dem Stu­di­um ab. „Em­ploya­bi­li­ty ist zwar nicht das neue Haupt­fach, je­doch for­dern die Stu­die­ren­den im­mer mehr für Be­ruf und Kar­rie­re wich­ti­ge Kom­pe­ten­zen ein. Die Hoch­schu­len müs­sen re­agie­ren, sonst ver­lie­ren sie au­to­ma­tisch an At­trak­ti­vi­tät ge­gen­über an­de­ren An­bie­tern“, sagt Ge­org Pretz­ler, Lei­ter der Stu­die­ren­den­aka­de­mie der Hein­rich-Hei­ne-Uni­ver­si­tät (HHU) Düs­sel­dorf.

An der Stu­die­ren­den­aka­de­mie bün­delt die Düs­sel­dor­fer Uni al­le ih­re über­fach­li­chen Ak­ti­vi­tä­ten für Stu­den­ten – in Form von Sprach­kur­sen, dem Stu­di­um Uni­ver­sa­le (das fa­kul­täts­über­grei­fen­de An­ge­bot) oder Se­mi­na­ren zu Schlüs­sel­kom­pe­ten­zen oder Me­tho­den wie Zeit- und Pro­jekt­ma­nage­ment. Tat­säch­lich ist der An­spruch an Hoch­schu­len, mehr als Fach­wis­sen zu ver­mit­teln, erst in den letz­ten Jah­ren ra­pi­de ge­stie­gen. „Das kommt aus dem Bo­lo­gna-Pro­zess her­aus, bei dem ein eu­ro­pa­wei­ter Stan­dard für die Stu­di­en­gän­ge und das ver­mit­tel­te Wis­sen fest­ge­legt – und eben auch die Be­schäf­ti­gungs­fä­hig­keit als Ziel for­mu­liert wur­den“, sagt Ge­org Pretz­ler.

„Frü­her wa­ren die Aka­de­mi­ker die Min­der­heit, sie hat­ten be­reits an der Uni­ver­si­tät be­wie­sen, dass sie sich in kom­ple­xe Din­ge hin­ein­den­ken kön­nen – das reich­te qua­si als be­ruf­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on. Zu­dem wur­den vie­le Aka­de­mi­ker für die Wis­sen­schaft selbst aus­ge­bil­det. Heu­te stu­die­ren im­mer mehr jun­ge Leu­te, und wir als Uni­ver­si­tät bil­den für den Ar­beits­markt aus. Da muss­te man sich die Fra­ge stel­len: Was brau­chen die Stu­die­ren­den wirk­lich?“, meint Pretz­ler. Die Hei­neU­ni be­ant­wor­tet die­se Fra­ge mit knapp 2000 Ver­an­stal­tun­gen, die in den ver­gan­ge­nen vier Jah­ren für die Stu­die­ren­den an­ge­bo­ten wur­den. Dar­un­ter sind pro Se­mes­ter al­lein über 100 Kur­se in 20 ver­schie­de­nen Spra­chen so­wie ei­ne gro­ße Pa­let­te an Se­mi­na­ren, die fit für die Ar­beits­welt ma­chen sol­len – et­wa Selbst­prä­sen­ta­ti­on oder Di­ver­si­ty Skills, al­so die Fä­hig­keit, sich in ei­ne mög­lichst he­te­ro­ge­nen Grup­pe op­ti­mal ein­zu­brin­gen. Zu­sätz­lich gibt es Ver­an­stal­tun­gen mit Fir­men aus der Re­gi­on oder An­ge­bo­te des Ca­re­er Ser­vice in Sa­chen Be­wer­bungs­map­pe oder As­sess­ment Cen­ter. Und ob­wohl die Teil­nah­me an der Stu­die­ren­den­aka­de­mie frei­wil­lig ist, ma­chen je­des Jahr 10.000 der 30.000 Düs­sel­dor­fer Uni- Stu­den­ten mit. Die ho­he Nach­fra­ge er­klä­re sich vor al­lem durch die Be­deu­tung der In­hal­te für die Zu­kunft der Stu­die­ren­den, für das Le­ben nach dem Stu­di­um, so Ge­org Pretz­ler. „Wer die­se Kom­pe­ten­zen nicht mit­bringt, lan­det bei Be­wer­bun­gen schnell auf den hin­te­ren Plät­zen.“In der im­mer kom­ple­xe­ren und schnell­le­bi­ge­ren Be­rufs­welt sei bei­spiels­wei­se die Fä­hig­keit ge­fragt, sich sys­te­ma­tisch in neue Sach­ver­hal­te ein­zu­ar­bei­ten (Me­tho­den­kom­pe­tenz) oder sich als Neu­an­kömm­ling schnell in ei­nem Team zu­recht­zu­fin­den (So­zi­al­kom­pe­tenz).

„Un­ser An­ge­bot von fa­kul­täts­über­grei­fen­den Vor­le­sun­gen über An­ge­bo­te zur Kar­rie­re­ori­en­tie­rung bis hin zu Sprach­kur­sen er­gänzt op­ti­mal die aka­de­mi­sche Aus­bil­dung un­se­rer Stu­die­ren­den. Wir kön­nen

Ge­org Pretz­ler durch die Zu­sam­men­füh­rung un­ter dem Dach der Stu­die­ren­den­aka­de­mie hier an der HHU zahl­rei­che Vor­tei­le aus­spie­len: Bei­spiels­wei­se ha­ben wir pass­ge­naue Mo­du­le ent­wi­ckelt, in die die Ex­per­ti­se gleich meh­re­rer Ab­tei­lun­gen ein­fließt“, sagt Pretz­ler. Zu­dem ana­ly­siert die Aka­de­mie re­gel­mä­ßig, wel­che An­ge­bo­te noch be­nö­tigt wer­den. „Wir ha­ben bei­spiels­wei­se fest­ge­stellt, dass die Abitu­ri­en­ten heu­te mit sehr gu­ten Prä­sen­ta­ti­ons­fä­hig­kei­ten von der Schule kom­men. Da braucht es al­so we­ni­ger Kur­se. Gleich­zei­tig müs­sen wir aber noch mehr zum The­ma Le­sen von wis­sen­schaft­li­chen Tex­ten oder zum wis­sen­schaft­li­chen Ar­bei­ten an­bie­ten.“Das liegt auch dar­an, dass längst nicht mehr al­le Erst­se­mes­ter frisch vom Gym­na­si­um kom­men, ver­mehrt schrei­ben sich bei­spiels­wei­se auch be­ruf­lich Qua­li­fi­zier­te für ein Stu­di­um ein, die teil­wei­se noch ei­ne Auf­fri­schung von Lern- und Ar­beits­tech­ni­ken brau­chen.

„Heu­te stu­die­ren im­mer

mehr jun­ge Leu­te, wir als Uni­ver­si­tät bil­den für den Ar­beits­markt aus“

Hein­rich-Hei­ne-Uni­ver­si­tät

FO­TO: HEIN­RICH-HEI­NE-UNI­VER­SI­TÄT

An der Düs­sel­dor­fer Uni küm­mert sich die Stu­die­ren­den­aka­de­mie um die Stu­den­ten, die sich auf den Be­ruf vor­be­rei­ten wol­len.

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