Cha­os bei der Stu­di­en­platz­ver­ga­be

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - HOCHSCHULE - VON WER­NER HERPELL

Tau­sen­de be­gehr­te Stu­di­en­plät­ze blei­ben am En­de un­be­setzt, weil das Sys­tem nicht funk­tio­niert.

BER­LIN (dpa) Der Weg zu ei­nem at­trak­ti­ven Stu­di­en­platz in Ju­ra oder Me­di­zin ist oh­ne­hin oft mit War­te­zeit und Ent­täu­schun­gen ge­pflas­tert. Dass es schon seit lan­gem im Sys­tem der Hoch­schul­zu­las­sung knirscht, macht die Sa­che um­so är­ger­li­cher. Und das könn­te noch auf Jah­re so blei­ben, wie ein La­ge­be­richt der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz der 16 Bun­des­län­der (KMK) jetzt auf­zeigt. Die Si­tua­ti­on sei „nicht zu­frie­den­stel­lend“, heißt es dort.

Die Ver­tei­lung von Stu­di­en­plät­zen mit Nu­me­rus clau­sus (NC) läuft auch nach sechs­jäh­ri­ger An­lauf­pha­se noch nicht rund. Nur 100 von 180 staat­li­chen Uni­ver­si­tä­ten und Fach­hoch­schu­len be­tei­lig­ten sich im Win­ter­se­mes­ter 2015/16 an der ei­gens da­für ein­ge­rich­te­ten bun­des­wei­ten Stu­di­en­platz­bör­se, dem „Dia­lo­gori­en­tier­ten Ver­ga­be­ver­fah­ren“(DoSV). Ein Jahr zu­vor wa­ren es so­gar erst 89 ge­we­sen. Am En­de blie­ben im vo­ri­gen Win­ter­se­mes­ter von 252.000 Ba­che­lor-Plät­zen mit ört­li­chem NC gut 11.500 un­be­setzt – Frust­po­ten­zi­al für Stu­die­ren­de, die vor­her Ab­sa­gen für ihr Traum­fach er­hal­ten hat­ten. Die KMK be­wer­tet das On­line-Ver­fah­ren der zu­stän­di­gen „Stif­tung für Hoch­schul­zu­las­sung“als pro­ble­ma­tisch. Die­ser Ein­druck gel­te „im Hin­blick auf die Pla­nungs­un­si­cher­hei­ten, den Auf­wand so­wie die Be­las­tun­gen des Stu­di­en­be­triebs im ers­ten Se­mes­ter so­wohl für die Stu­die­ren­den als auch für die Hoch­schu­len“. Laut KMK-Be­richt ans Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­ri­um sind die der­zei­ti­gen Mög­lich­kei­ten des Zu­las­sungs­ma­nage­ments „aus­ge­reizt“.

Nö­tig sei ei­ne flä­chen­de­cken­de Ein­füh­rung des DoSV, um Be­wer­bun­gen in ei­ner ge­mein­sa­men Da­ten­bank zu er­fas­sen und ab­zu­glei­chen. Die Stif­tung für Hoch­schul­zu­las­sung hat­te sich im Mai 2010 als Rechts­nach­fol­ger der eben­falls um­strit­te­nen „Zen­tral­stel­le für die Ver­ga­be von Stu­di­en­plät­zen“(ZVS) kon­sti­tu­iert.

Die Kri­tik am DoSV kon­zen­triert sich vor al­lem auf zwei Män­gel: zum ei­nen die stets zö­ger­li­che Teil­nah­me staat­li­cher Hoch­schu­len an der Da­ten­bank – zum an­de­ren Mehr­fach­be­wer­bun­gen von Stu­di­en­be­rech­tig­ten, die auf Num­mer si­cher ge­hen wol­len und so letzt­lich be­gehr­te Plät­ze et­wa in Ju­ra, BWL oder Me­di­zin blo­ckie­ren. Das Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­ri­um hat­te schon Mit­te April ein­räu­men müs­sen, das DoSV wer­de mit sei­ner Be­wer­bungs­web­sei­te „hoch­schul­start.de“noch bis 2018 un­zu­rei­chend funk­tio­nie­ren. „Um vol­le Wirk­sam­keit ent­fal­ten zu kön­nen, müs­sen mög­lichst al­le der rund 180 Hoch­schu- len mit ört­lich zu­las­sungs­be­schränk­ten grund­stän­di­gen Stu­di­en­gän­gen an das DoSV an­ge­bun­den sein“, hieß es in ei­ner Stel­lung­nah­me auf An­fra­ge der Lin­ken im Bun­des­tag. „Jahr für Jahr er­le­ben wir durch will­kür­li­che Zu­gangs­be­schrän­kun­gen und un­nö­ti­ge Mehr­fach­be­wer­bun­gen das reins­te Cha­os bei der Stu­di­en­platz­ver­ga­be“, sag­te Lin­ke-Hoch­schul­ex­per­tin Ni­co­le Gohl­ke. Leid­tra­gen­de sei­en die Be­wer­ber, „weil sie oft­mals zu spät von Zu- oder Ab­sa­gen er­fah­ren und dann nicht mehr die Mög­lich­keit ha­ben, sich zum Bei­spiel noch recht­zei­tig auf ei­nen Aus­bil­dungs­platz zu be­wer­ben“. Die Lin­ke will schon län­ger ein „Bun­des­hoch­schul­zu­las­sungs­ge­setz“zur bes­se­ren zen­tra­len Steue­rung des Ver­fah­rens. Da­für sieht das Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­ri­um aber „kei­nen Re­gu­lie­rungs­be­darf“.

Die Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz warnt der­weil da­vor, zu­sätz­li­che Kos­ten für das DoSV auf die Unis ab­zu­wäl­zen, und sieht die Län­der in der Ver­ant­wor­tung. Au­ßer­dem sei die An­zahl der teil­neh­men­den Hoch­schu­len in den Vor­jah­ren doch schon kon­ti­nu­ier­lich ge­stie­gen.

FO­TO: DPA

Im­mer wie­der blei­ben zu­las­sungs­be­schränk­te Stu­di­en­plät­ze un­be­setzt, weil sich zu vie­le Stu­di­en-In­ter­es­sen­ten mehr­fach be­wor­ben ha­ben.

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