Do­ku über den Wa­cken-Wahn­sinn

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - FERNSEHEN AM SAMSTAG - VON MAR­TIN WE­BER

Ei­ne TV-Pre­mie­re auf Ar­te do­ku­men­tiert das Trei­ben von Bands und Fans auf dem Me­tal-Fes­ti­val in Schles­wig-Holstein.

WA­CKEN Der Feld­weg zum Cam­ping­platz heißt laut Holz­schild „High­way to Hell“und ist ge­säumt von gut ge­laun­ten und Bier trin­ken­den Rock­fans. Mit den in ein Me­ga­phon ge­brüll­ten Wor­ten „Ihr seid viel zu nüch­tern!“ani­miert ein Spaß­vo­gel zum Wei­ter­fei­ern, die Men­ge lässt sich das nicht zwei­mal sa­gen. Ein­mal im Jahr wird der klei­ne Ort Wa­cken in Schles­wig-Holstein zur Par­ty­zo­ne, das dor­ti­ge Hea­vy-Me­tal-Fes­ti­val zieht zig­tau­sen­de Rock­fans aus der gan­zen Welt in den ho­hen Nor­den Deutsch­lands.

Der mitt­ler­wei­le per­fekt ver­mark­te­te Wa­cken-Wahn­sinn im Som­mer hat Me­tho­de und ist längst Kult, über den schon zahl­rei­che Do­ku­men­ta­tio­nen für Ki­no und Fern­se­hen ge­dreht wor­den sind. Auch der neu­es­te Bei­trag mit dem schlich­ten Ti­tel „Wa­cken – Der Film“fei­ert das Me­tal­fes­ti­val, bei dem es laut, aber fried­lich zu­geht.

Er lässt Fans und Mu­si­ker zu Wort kom­men, ver­mit­telt ei­nen Ein­druck von der au­ßer­ge­wöhn­li­chen At­mo­sphä­re des Fes­ti­vals, stellt aber an­ders als die meis­ten an­de­ren Do­kus we­ni­ger das Drum­her­um, son­dern die Mu­sik in den Vor­der­grund. Ar­te zeigt den Fes­ti­val­film von Re­gis­seur Nor­bert Heit­ker heu­te als Fern­seh­pre­mie­re.

„Hier sind vie­le ver­rück­te Leu­te, und trotz­dem ist es der fried­lichs­te Ort auf der Welt“, schwärmt in dem Bei­trag ein weib­li­cher Hea­vy-Me­talFan, der sich aus dem fer­nen Ja­pan auf den Weg nach Wa­cken ge­macht hat. Die jun­ge Frau zählt zu den jähr­lich et­wa 75.000 Men­schen, die je­den Au­gust in Wa­cken den to­ta­len Aus­nah­me­zu­stand mit har­ter Mu­sik und Do­sen­bier er­le­ben wol­len. „Wir zäh­len das gan­ze Jahr die Ta­ge, bis es wie­der so weit ist“, be­geis­tern sich zwei Ame­ri­ka­ne­rin­nen, und auch an­de­re Zu­schau­er lo­ben das Fes­ti­val über den grü­nen Klee.

Doch nicht nur die Fans, auch die Künst­ler wis­sen die mehr­tä­gi­ge Ver­an­stal­tung im Frei­en zu schät­zen, wie meh­re­re von ih­nen in dem Bei- trag be­to­nen. Ei­ni­ge, wie die mar­tia­li­schen Mu­si­ker von „Rammstein“oder die Al­t­ro­cker von „Deep Pur­p­le“, sind auch im Ein­satz zu se­hen, man­che Auf­trit­te wer­den aus­führ­lich ge­wür­digt. Ein klei­ner Hö­he­punkt der 2013 ge­dreh­ten Kin­odo­ku sind Bil­der vom Auf­tritt der im ver­gan­ge­nen Jahr ver­stor­be­nen Rock­le­gen­de Lem­my Kil­mis­ter mit sei­ner Band „Motörhead“.

Re­gis­seur Heit­ker hat das Ge­sche­hen auf und vor der Büh­ne mit ins­ge­samt 18 Ka­me­ras ein­ge­fan­gen, was fas­zi­nie­ren­de und äu­ßerst dy­na­mi­sche Bil­der er­mög­licht hat. Wer auf har­ten Rock steht, ist hier an der rich­ti­gen Adres­se, für die Lieb­ha­ber an­de­rer Mu­sik­rich­tun­gen aber dürf­te die fast 90-mi­nü­ti­ge Do­ku­men­ta­ti­on auf Dau­er et­was an­stren­gend sein.

Et­was scha­de ist, dass sich der Film dar­auf be­schränkt, das be­rühm­te Fes­ti­val in Schles­wig-Holstein zu fei­ern und so­mit un­ter dem Strich doch nur ein wei­te­rer Bei­trag zur all­ge­gen­wär­ti­gen und mit viel Lie­be ge­pfleg­ten Wa­cken-Folk­lo­re ist.

Kri­ti­sche Tö­ne et­wa zur fort­schrei­ten­den Kom­mer­zia­li­sie­rung der Ver­an­stal­tung sind nicht zu ver­neh­men – Heit­kers Do­ku kon­zen­triert sich auf die Mu­sik und ist im We­sent­li­chen ein Film für Wa­ckenFans, von de­nen es ja nicht we­ni­ge gibt. „Wa­cken – Der Film“, Ar­te, Sa., 22.25 Uhr

FO­TO: CARSTEN REHDER/DPA

Rammstein-Front­man Till Lin­de­mann trat mit sei­ner Band 2013 in Wa­cken auf – in­klu­si­ve Schaum­ka­no­ne.

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