Ein „Tat­ort“oh­ne Dreh­buch

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - FERNSEHEN AM SONNTAG - VON SI­MON RIBNITZKY

Re­gis­seur Axel Ra­nisch dreht in Lud­wigs­ha­fen ei­nen Spon­tan-Kri­mi mit Ul­ri­ke Fol­kerts.

LUD­WIGS­HA­FEN (dpa) Ses­sel und So­fas aus ro­tem Plüsch grup­pie­ren sich um al­te Holz­tisch­chen mit ro­sa Tisch­tuch. Re­gis­seur Axel Ra­nisch steht im Foy­er des Thea­ters Hems­hof­schach­tel in Lud­wigs­ha­fen und blickt die Mit­glie­der des Mun­d­ar­tEn­sem­bles strah­lend an. „Wir dre­hen jetzt die schö­ne Sze­ne Mas­sen­ver­hör.“Nach dem Tod der Thea­ter­G­rün­de­rin ist prak­tisch je­der ver­däch­tig und wird von der Kom­mis­sa­rin ver­hört. „Die Fra­gen ver­ra­ten wir jetzt nicht, da­mit ihr spon­tan bleibt“, sagt Ra­nisch.

Beim Dreh für den Lud­wigs­ha­fen„Tat­ort“mit dem Ti­tel „Bab­bel­dasch“mit Ul­ri­ke Fol­kerts (Kom­mis­sa­rin Le­na Oden­thal) ist vie­les an­ders. Ra­nisch setzt bei sei­nem De­büt für die ARD-Kri­mi-Rei­he auf Im­pro­vi­sa­ti­on, ein fes­tes Dreh­buch gibt es nicht. Ein Jahr lang wur­den ge­mein­sam mit den Darstel­lern die Fi­gu­ren ent­wi­ckelt, und es wur­de ein gro­ber Hand­lungs­fa­den er­stellt. Was genau in ei­ner Sze­ne pas­siert und ge­spro­chen wird, er­gibt sich aus der Si­tua­ti­on her­aus. Wild und lei­den­schaft­lich ge­he es am Set zu, sagt der 32 Jah­re al­te Ra­nisch. „Wir hau­en hier rich­tig auf die Ka­cke.“

„Un­glaub­lich an­ders“, so be­schreibt Haupt­dar­stel­le­rin Ul­ri­ke Fol­kerts die Dreh­ar­bei­ten. „Als ich von der Idee ge­hört ha­be, dach­te ich zu­erst, das kann nicht eu­er Ernst sein“, er­zählt sie. In­zwi­schen ma­che es aber rich­tig Spaß. Ra­nisch lässt in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge dre­hen, hat auch Fol­kerts nicht ver­ra­ten, wer der Mör­der ist. „Da stel­le ich ganz an­de­re Fra­gen, weil ich ja wirk­lich nichts weiß“, sagt Fol­kerts.

Das Im­pro­vi­sie­ren er­mög­li­che gro­ße Frei­heit. „Da kom­men sehr wahr­haf­ti­ge Mo­men­te da­bei her­aus.“Schön fin­det Fol­kerts, mal nicht ein Dreh­buch mit 120 Sei­ten vor­ge­setzt zu be­kom­men, das man aus­wen­dig ler­nen muss. Schau­spie­ler und Re­gis­seur ver­wen­den häu­fig das Wort „au­then­tisch“. Li­sa Bit­ter, die im Film die zwei­te Kom­mis­sa­rin Jo­han­na Stern spielt, er­gänzt: „Man ist sonst im­mer so all­wis­send. Dies­mal ist al­les live.“

Fol­kerts zeigt sich be­geis­tert von Mo­ti­va­ti­on und Lei­den­schaft der Ama­teur-Schau­spie­ler. Auch de­ren pfäl­zi­sche Mun­d­art hat die 55-Jäh­ri­ge ins Herz ge­schlos­sen. „Das ver­steht man wahn­sin­nig gut, wir wer­den da auf kei­nen Fall Un­ter­ti­tel drun­ter set­zen.“

FO­TO: DPA

Für Schau­spie­le­rin Ul­ri­ke Fol­kerts wa­ren die Dreh­ar­bei­ten mit Re­gis­seur Axel Ra­nisch ei­ne Er­fah­rung, die „un­glaub­lich an­ders“da­her­kam. Sie ha­be ei­ne Men­ge Spaß beim Dreh ge­habt, er­zähl­te die 55-Jäh­ri­ge.

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