Stadt strei­tet über Olaf Leh­ne

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER STADTPOST - VON ARNE LIEB UND DENISA RICHTERS

Über die Aus­sa­gen des CDU-Po­li­ti­kers und DRK-Chefs zur Ab­schie­bung wird übe­r­all dis­ku­tiert. Ist er zu weit ge­gan­gen?

Die De­bat­te um die Äu­ße­run­gen von Olaf Leh­ne nach dem Brand in der Flücht­lings­un­ter­kunft an der Mes­se reißt nicht ab. Der Kreis­vor­sit­zen­de des Ro­ten Kreu­zes (DRK) wird sich nun wohl so­gar auf ei­ner Son­der­sit­zung des Kreis­ver­bands recht­fer­ti­gen müs­sen. Ei­ni­ge Eh­ren­amt­ler for­dern das ein. Sie wol­len die Fra­ge ge­klärt se­hen, ob der CDU-Po­li­ti­ker sein Amt bei dem Hilfs­ver­ein für sei­ne po­li­ti­schen Am­bi­tio­nen miss­braucht hat – und ob sei­ne har­ten Aus­sa­gen zur Ab­schie­bung mit den Grund­sät­zen des DRK ver­ein­bar sind.

Aus­lö­ser wa­ren Äu­ße­run­gen von Leh­ne kurz nach dem Brand, der die Un­ter­kunft voll­stän­dig zer­stör­te. Ei­ne Grup­pe von Flücht­lin­gen ge­riet schnell in den Fo­kus der Er­mitt­ler, zwei Ver­däch­ti­ge sit­zen in Haft. Leh­ne for­der­te die Ab­schie­bung der Tä­ter, falls sie ver­ur­teilt wer­den. „Wer ei­ne sol­che Ein­rich­tung an­zün­det und da­mit an­de­re Flücht­lin­ge und die Hilfs­kräf­te in Ge­fahr bringt, ist kri­mi­nell“, sag­te er un­se­rer Re­dak­ti­on. „Und wer kri­mi­nell ist, den braucht un­ser Land nicht.“Zu­dem warf er der rot-grü­nen Lan­des­re­gie­rung Ver­sa­gen vor. In ei­nem Fern­seh­bei­trag äu­ßer­te sich Leh­ne ähn­lich – und trug da­bei die ro­te Ja­cke des DRK.

Der po­li­ti­sche Geg­ner hält die­se An­sicht für nicht trag­bar. Die Lan­des-Grü­nen kri­ti­sier­ten, dass Leh­ne als Ver­tre­ter des DRK die Schutz­ga­ran­ti­en durch die Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on miss­ach­tet ha­be, die ei­ne Ab­schie­bung in Kriegs­län­der aus­schließt. Die Her­kunft der Tä­ter war kurz nach dem Brand noch nicht ge­klärt, in­zwi­schen scheint klar, dass sie aus Nord­afri­ka stam­men. Die Grü­nen for­der­ten so­gar ei­ne Stel­lung­nah­me der DRKBun­des­spit­ze, die sich von den Aus­sa­gen dis­tan­zier­te, aber zu­gleich Ver­ständ­nis für Leh­nes Är­ger nach dem Brand zeig­te. Auch SPD-Chef Andreas Rim­kus und die Link­s­par­tei kri­ti­sier­ten Leh­nes Aus­sa­gen.

Zu­gleich er­fuhr der Po­li­ti­ker aber viel Zu­stim­mung: In den so­zia­len Me­di­en be­kun­de­ten vie­le Nut­zer, dass sie sei­ne An­sicht tei­len – so wie der über­wie­gen­de Teil der Kom­men­ta­to­ren auf der Face­book-Sei­te des DRK-Kreis­ver­bands. Und die CDU-Mit­glie­der be­stimm­ten ihn am Mitt­woch zum Kan­di­da­ten für den Land­tag – die Aus­sa­gen ha­ben ihm da­bei of­fen­bar nicht ge­scha­det.

Es geht um ei­nen al­ten Be­kann­ten in der Düs­sel­dor­fer Po­li­tik. Der Rechts­an­walt Leh­ne war von 1989 bis 2005 Mit­glied des Stadt­rats, zog dann in den Land­tag ein. In die­ser Zeit, im Jahr 2008, wur­de er DRKK­reis­chef. Er ver­lor vor vier Jah­ren das Land­tags­man­dat und ist seit­dem wie­der Rats­herr. Leh­ne stammt aus ei­ner po­li­ti­schen Fa­mi­lie: Sein Bru­der Klaus-Hei­ner Leh­ne, eben­falls Rechts­an­walt, war elf Jah­re Düs­sel­dor­fer CDU-Chef.

Olaf Leh­ne gilt als er­fah­re­ner Stra­te­ge – und gleich­zei­tig als Phä­no­men: Er kommt meis­tens zu spät, ist nicht im­mer so tief in den The­men, wie er sein soll­te, po­la­ri­siert und hat meis­tens gu­te Lau­ne. In der Par­tei ver­pass­te man ihm den Spitz­na­men „Son­ny­boy“. Den­noch sind sei­ne Netz­wer­ke stark. Beim The­ma Flücht­lin­ge gilt Leh­ne als lau­tes­ter Kri­ti­ker der Flücht­lings­be­auf­trag­ten Mi­ri­am Koch im Stadt­rat. Zu­letzt warf er ihr vor, sich nicht ge­nug um Un­ter­stüt­zung des Lan­des für Düs­sel­dorf zu be­mü­hen.

In der CDU gibt es der­weil aus ei­nem an­de­ren Grund Streit um sei­ne No­mi­nie­rung: Bei dem Vor­ent­scheid hat­te die Ba­sis im Wahl­kreis für Kon­kur­rent Andreas-Paul Stie­ber vo­tiert. Beim De­le­gier­ten­par­tei­tag aber sieg­te Leh­ne mit 56 Pro­zent der Stim­men. Das är­gert Stie­bers Un­ter­stüt­zer. Bei der SPD gibt es ein sol­ches Ver­fah­ren nicht mehr, dort ent­schei­den nur noch die De­le­gier­ten. „Wir wer­den das auch än­dern“, sagt CDU-Chef Tho­mas Jar­zom­bek.

RP-FO­TO: END

Olaf Leh­ne hat sich die­se Wo­che im Kampf um die Land­tags­kan­di­da­tur durch­ge­setzt. Sei­ne Aus­sa­gen ha­ben ihm da­bei of­fen­bar nicht ge­scha­det.

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