Pfar­rer schal­tet mit Mu­sik von den Ra­mo­nes am bes­ten ab

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STADTTEILE -

DÜSSELTAL/FLIN­GERN (se­mi) Mu­si­ka­lisch mag Pe­ter An­der­sen die rau­en Tö­ne: Wenn der Pfar­rer der Evan­ge­li­schen Mat­thäi-Kir­chen­ge­mein­de ab­schal­ten will, hört der 55-Jäh­ri­ge die Ra­mo­nes, am liebs­ten Punk-Mu­sik, wie sie frü­her zur Hoch­zeit im Ra­tin­ger Hof ge­spielt wur­de, als die Kn­ei­pe Sze­ne-Treff­punkt der Un­der­ground­kul­tur der 1970er und frü­hen 1980er Jah­re war. Und auch in sei­ner Ar­beit schätzt der Mann di­rek­te, ehr­li­che Wor­te, vor al­lem sol­che für die kul­tu­rel­le Ver­stän­di­gung. „So sehr ich manch­mal un­ter kirch­li­chen Struk­tu­ren lei­de, so sehr iden­ti­fi­zie­re ich mich doch mit die­ser rhei­ni­schen Kir­che“, sagt An­der­sen. Und: „Wer für Öku­me­ne ist, muss ge­gen Ras­sis­mus sein.“

Mor­gen wird das 25-jäh­ri­ge Di­enst­ju­bi­lä­um von An­der­sen in der Mat­thäi-Kir­chen­ge­mein­de mit Got­tes­dienst und Emp­fang (11 Uhr) ge­fei­ert und da­mit auch ein Mann, des­sen Herz seit dem Theo­lo­gieStu­di­um in Bochum und Wup­per­tal für das christ­lich-jü­di­sche Ge­spräch brennt. Den Dia­log mit dem Ju­den­tum be­trach­tet der Pfar­rer als Zu­ge­winn. „Es macht un­se­ren Glau­ben rei­cher und stellt ihn auf fes­te­ren Bo­den“, ist er sich si­cher. In Got- tes­diens­ten, im Kon­fir­man­den­un­ter­richt und im Bi­bel­kreis ist es ihm des­we­gen wich­tig, auf­zu­klä­ren und mit al­ten Vor­ur­tei­len über den jü­di­schen Glau­ben auf­zu­räu­men. Und im­mer ste­he für An­der­sen, der seit 1993 im Ar­beits­kreis „Chris­ten und Ju­den“der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land mit­ar­bei­tet, die Fra­ge im Mit­tel­punkt: „Wie kriegt man ei­ne christ­li­che Theo­lo­gie hin, die nicht auf Kos­ten Is­ra­els Be­stand hat?“

„Die Bi­bel ist ein un­glaub­li­ches Kunst­werk, bei der man im­mer wie­der stau­nen kann und et­was Neu­es ent­deckt“, sagt An­der­sen, der gern pre­digt und dem be­son­ders die re­li- gi­ons­päd­ago­gi­sche Ar­beit mit Kin­dern und den Er­zie­he­rin­nen der Kin­der­ta­ges­stät­te am Her­zen liegt. Ihm ist es wich­tig, „dass Kin­der schon früh mit der bi­bli­schen Tra­di­ti­on in Be­rüh­rung kom­men und dar­in groß wer­den. Da wer­den Grund­stei­ne ge­legt.“Durch An­der­sens Initia­ti­ve neh­men in der Mat­thäi­kir­che zum Bei­spiel auch Kin­der an der Abend­mahls­ge­mein­schaft teil.

Die Wert­schät­zung des Pres­by­te­ri­ums ge­gen­über sei­ner Ar­beit und die Frei­heit, Din­ge aus­zu­pro­bie­ren: Das al­les be­deu­te An­der­sen bei sei­ner täg­li­chen Ar­beit in der Mat­thäiKir­chen­ge­mein­de sehr viel.

RP-FO­TO: H.-J. BAU­ER

Zum Teil ste­hen die Häu­ser auf dem Ge­län­de schon lan­ge leer, das ehe­ma­li­ge Stifts­ge­bäu­de wur­de je­doch mo­der­ni­siert und ist noch be­wohnt.

FO­TO: EVDUS

Pfar­rer Pe­ter An­der­sen fei­ert mor­gen sein 25-jäh­ri­ges Di­enst­ju­bi­lä­um mit ei­nem Got­tes­dienst und an­schlie­ßen­dem Emp­fang.

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