Bel­gi­ens sü­ße Ver­füh­rer

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - REISE&WELT - FO­TO: THINKSTOCK/TORS­TEN LO­RENZ

der Waf­fel­bä­cke­rei. Von Kir­mes zu Kir­mes zog die Fa­mi­lie mit ih­rer Zelt­bä­cke­rei, den Koh­le­öfen und guss­ei­ser­nen Tie­geln. Zeit­wei­se wa­ren 65 Frau­en und Män­ner be­schäf­tigt. Das zuck­ri­ge Na­sch­werk aus Eier­he­fe­teig kam gut an bei den Kir­mes­be­su­chern. 1856 wur­de das Ge­bäck erst­mals auf ei­ner Gour­met­mes­se in der bel­gi­schen Haupt­stadt prä­sen­tiert.

„Um 1900 her­um wur­de es in der fei­nen Brüs­se­ler Ge­sell­schaft schick, sei­nen Gäs­ten zur Kaf­fee­stun­de Waf­feln auf­zu­ti­schen“, er­zählt Kon­di­tor van Mal­deghem. Seit­dem zäh­len Waf­feln wie ed­le Pra­li­nen, knusp­ri­ge Pom­mes fri­tes und al­ko­hol­rei­che Bier­spe­zia­li­tä­ten zu den all­täg­li­chen Ge­nuss­freu­den in Bel­gi­en.

20 Qua­dra­te im Mus­ter vier mal fünf zeich­nen die ori­gi­na­len Brüs­se­ler Waf­feln aus. Luf­tig, leicht und fluf­fig sol­len sie sein – ei­ne sü­ße Schle­cke­rei. „Schau­en Sie mal genau hin“, sagt Waf­fel­bä­cker van Mal­deghem und hält ei­ne fri­sche Waf­fel ge­gen das Licht. Die tie­fen Bö­den der ein­zel­nen Qua­dra­te sind durch­schei­nend. Bei 200 Grad ver­wan­delt sich der Teig in den mit Gas­flam­men be­heiz­ten Tie­geln in­ner­halb von et­wa zwei Mi­nu­ten in luf­ti­ges Back­werk. „Da­nach wer­den die Waf­feln ver­fei­nert“, er­läu­tert der 46-Jäh­ri­ge Waf­fel­bä­cker. Denn Brüs­se­ler Waf­feln so ganz oh­ne ei­ne Bei­la­ge – das wä­re nichts für sü­ße Schle­cker­mäu­ler. Statt­des­sen ste­hen im Ca­fé „Max“14 ver­schie­de­ne Va­ri­an­ten zur Wahl: Waf­feln mit Pu­der­zu­cker, mit ei­nem Klecks Schlag­sah­ne und Va­nil­le­eis, mit Sau­er­kir­schen oder so­gar mit ei­nem Schuss GranMar­nier-Li­kör.

Be­su­cher aus al­ler Welt kom­men ins „Max“, das im Her­zen des his­to­ri­schen Zen­trums von Gent nur ein paar Schrit­te von der St.-Ba­vo-Ka­the­dra­le mit dem welt­be­rühm­ten Flü­gel­al­tar der Ge­brü­der Van Eyck zu fin­den ist. Yves van Mal­deghems Waf­fel­la­den boomt zwar, den­noch sieht er die Zu­kunft düs­ter. „Ich bin ei­ner der letz­ten Bä­cker, der den Waf­fel­teig noch selbst macht und tra­di­tio­nell backt. Heu­te nut­zen vie­le Ca­fés Fer­tig­teig aus Fa­b­ri­ken, den sie dann nur noch auf­ba­cken“, be­dau­ert der Fach­mann.

Bei Jac­que­line und An­dré Ver­vo­ort aus dem Dorf Gri­ve­g­née dreht sich auch al­les um Waf­feln – und zwar ech­te Lüt­ti­cher. dick, rund­lich und mit Zimt ver­fei­nert, frü­her zu Neu­jahr an Freun­de und Nach­barn ver­schenkt. Um die

Ents­te-

hung der Lüt­ti­cher Waf­feln ran­ken sich meh­re­re Le­gen­den. Ei­ne er­zählt vom Koch des Fürst­bi­schofs, der im 18. Jahr­hun­dert die ver­lo­cken­de Köst­lich­keit er­fun­den ha­ben soll.

„Wir wol­len Tra­di­tio­nen be­wah­ren“, sagt Ma­dame Ver­vo­ort. Da­her hat sie mit ein paar Ge­treu­en 2002 den Ver­ein Bru­der­schaft der Lüt­ti­cher Waf­fel ge­grün­det. Sie ist die Prä­si­den­tin, An­dré der Se­kre­tär des rüh­ri­gen Ver­eins, des­sen Mit­glie­der sich jähr­lich mit Freun­den aus Bel­gi­en und Frank­reich zum ge­mein­sa­men Fest­mahl tref­fen. Lüt­ti­cher Waf­feln – na­tür­lich nur je­ne mit Zimt – wer­den da­bei stets als sü­ße Nach­spei­se ser­viert.

Es gibt in Bel­gi­en heu­te nicht mehr vie­le Bä­cker und Kon­di- to­ren, die Waf­feln nach al­ter Art ba­cken. In der Alt­stadt von Lüt­tich be­fin­det sich ei­ner der letz­ten ech­ten Waf­fel­bä­cker: Eric Michaux mit sei­nem win­zi­gen La­den „Une Gauf­ret­te Sa­per­li­po­pet­te“in der Rue des Mi­n­eurs. Vor drei Jah­ren kehr­te der Kon­di­tor aus dem Na­hen Os­ten in die Hei­mat zu­rück und be­sann sich auf die tra­di­tio­nel­le Zu­be­rei­tung der Gauf­res de Liè­ge, der Lüt­ti­cher Waf­feln. „Bei uns gibt es meh­re­re Va­ri­an­ten, rund und auch recht­eckig. Die Recht­ecki­gen fül­len wir mit Obst“, er­klärt der Waf­fel­bä­cker. „Al­le Zu­ta­ten stam­men aus der Re­gi­on. Das Ge­heim­nis der Lüt­ti­cher Waf­fel ist der gro­be Ha­gel­zu­cker im Teig, der in drei Mi­nu­ten beim Ba­cken ka­ra­mel­li­siert und den ty­pi­schen Ge­schmack er­gibt.“Die luf­ti­gen Brüs­se­ler Waf­feln soll­ten so­fort ver­zehrt wer­den, Lüt­ti­cher Waf­feln kön­nen da­heim ei­ni­ge Ta­ge auf­be­wahrt wer­den. Doch am bes­ten mun­det die sü­ße Sün­de noch im­mer gleich nach dem Ba­cken – lau­warm und auf die Hand, als Waf­fel to go. In­for­ma­tio­nen Bel­gi­en-Tou­ris­mus Wal­lo­nie-Brüs­sel Tel. 0221 277590 www.bel­gi­en-tou­ris­mus.de Tou­ris­mus Flan­dern-Brüs­sel, Tel. 0221 2709777 www.vi­sit­flan­ders.de

Zwan­zig Qua­dra­te im Mus­ter vier mal fünf: Das ist die ty­pi­sche Brüs­se­ler Waf­fel.

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