Lust­los im Job – was fau­len Mit­ar­bei­tern droht

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - EHEWÜNSCHE&BEKANNTSCHAFTEN -

Wirt­schafts­psy­cho­lo­ge hat in ei­ner Stu­die un­ter­sucht, wie Füh­rungs­kräf­te mit Leis­tungs­pro­ble­men ih­rer Mit­ar­bei­ter um­ge­hen. Sein Fa­zit: Ein Chef soll­te Pro­ble­me früh­zei­tig an­spre­chen. „Ein Leis­tungs­ab­fall tritt meist dann auf, wenn meh­re­re Pro­ble­me zu­sam­men­kom­men“, sagt Wa­cker. Manch ein Mit­ar­bei­ter ist in­halt­lich über­for­dert, et­wa weil die Stel­le nicht zu ihm passt. An­de­re ha­ben Schwie­rig­kei­ten mit den Kol­le­gen oder dem Chef, oder es gibt fa­mi­liä­re oder ge­sund­heit­li­che Pro­ble­me. Der Ex­per­te rät da­her, genau hin­zu­se­hen, wo es wirk­lich hakt: „Manch­mal kommt ein Kol­le­ge vor al­lem nicht mit der IT klar, was dann zu neu­en Pro­ble­men führt.“

Doch was tun, wenn ein Mit­ar­bei­ter über ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum schwä­chelt? „Oft hilft be­reits der Schuss vor den Bug, al­so ei­ne Ab­mah­nung“, sagt der Fach­an­walt für Ar­beits­recht Schrei­er. Dar­in kann der Mit­ar­bei­ter auf­ge­for­dert wer­den, sei­ner per­sön­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit nach­zu­kom­men. Ei­ne Ab­mah­nung sei im­mer schon ei­ne Es­ka­la­ti­on, hält Wa­cker da­ge­gen: „Das kommt oft plötz­lich und führt sel­ten zu ei­ner Bes­se­rung.“

Wich­tig sei es, be­reits im Vor­feld das Ge­spräch mit dem be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter zu su­chen. „Er­folg­reich ist ei­ne Mi­schung aus Kon­fron­ta­ti­on und Un­ter­stüt­zung“, sagt Wa­cker. „Aus­schließ­lich Druck aus­zu­üben, bringt oft eben­so we­nig, wie im­mer nur Ver­ständ­nis für den Ar­beit­neh­mer zu zei­gen.“Oft sei ein Han­del hilf­reich. Der Chef geht da­bei ei­nen Schritt auf sei­nen Mit­ar­bei­ter zu, der ver­spricht da­ge­gen Bes­se­rung.

Hin­zu kommt: Das La­bel Min­der­leis­ter muss kei­nes­wegs zu­tref­fen. Nor­bert Co­pray, Grün­der der Fair­nes­sStif­tung, weiß das aus der Be­ra­tung von Mob­bing-Op­fern: „Es gibt täg­lich Si­tua­tio­nen, in de­nen Mit­ar­bei­ter ab­ge­kan­zelt wer­den, weil sie an­geb­lich nicht ge­nug Leis­tung brin­gen.“Oft er­rei­chen Füh­rungs­kräf­te da­mit das Ge­gen­teil von dem, was sie be­zwe­cken: „Wenn der Mit­ar­bei­ter das Ge­fühl hat: ,Egal, was ich tue, der Kri­tik wer­de ich doch nicht ge­recht’, stellt er ir­gend­wann die Be­mü­hun­gen ein.“Mit­un­ter macht der Chef auch ab­sicht­lich Vor- ga­ben, die nicht in der vor­ge­schrie­be­nen Zeit er­le­digt wer­den kön­nen – dann sind Über­stun­den not­wen­dig.

Der Mit­ar­bei­ter selbst kann Im­pul­se set­zen und den Chef an­spre­chen, wenn er sich in ei­ne Ecke ge­drängt fühlt. „Da geht es zu­erst ein­mal dar­um, die Er­war­tun­gen zu klä­ren“, sagt Wa­cker. Was will der Vor­ge­setz­te ei­gent­lich von mir? Re­den wir an­ein­an­der vor­bei? Be­trof­fe­ne soll­ten über ih­re Be­las­tun­gen mit ver­trau­ten Kol­le­gen oder Füh­rungs­kräf­ten re­den: „Wenn aus­ge­such­te Kol­le­gen wis­sen, dass man zum Bei­spiel ei­nen An­ge­hö­ri­gen pflegt, kön­nen sie auch un­ter­stüt­zen“, rät der Ex­per­te.

Vie­le Tä­tig­kei­ten nimmt die Füh­rungs­ebe­ne gar nicht wahr: „Ein Ar­beit­neh­mer, dem vor­ge­wor­fen wird, er leis­te zu we­nig, soll­te sei­ne Ar­beit do­ku­men­tie­ren“, rät Schrei­er. Denn wer ein­mal den Stem­pel Min­der­leis­ter er­hal­ten hat, be­kommt meist kei­ne Per­spek­ti­ve mehr im Be­trieb – egal ob er die Kün­di­gungs­kla­ge ge­winnt oder nicht.

In je­dem Un­ter­neh­men gibt es bes­se­re und schlech­te­re Mit­ar­bei­ter. Je­man­dem aber zu kün­di­gen, weil er zu we­nig leis­tet, ist für Ar­beit­ge­ber schwer. „Er­folg­reich ist ei­ne

Mi­schung aus Kon­fron­ta­ti­on und

Un­ter­stüt­zung“

Han­nes Wa­cker

Wirt­schafts­psy­cho­lo­ge

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