Die Jagd nach der Stu­den­ten­bu­de

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - EHEWÜNSCHE&BEKANNTSCHAFTEN - VON LARISSA LEE BECK

Vor Be­ginn des Win­ter­se­mes­ters su­chen je­des Jahr hun­dert­tau­sen­de an­ge­hen­de Erst­se­mes­ter ei­ne Blei­be. Ex­per­ten emp­feh­len, schon vor der Stu­di­en­platz­zu­sa­ge mit der Su­che zu be­gin­nen.

Die Uni hat noch nicht an­ge­fan­gen, da steht für vie­le die ers­te gro­ße Hür­de auf dem Weg ins Stu­den­ten­le­ben schon be­vor. Wie ei­ne coo­le Woh­nung fin­den? Bei der Jagd nach der Traum­bu­de ge­hört ein biss­chen Glück da­zu – und es braucht vor al­lem Zeit.

„Un­ter den Stu­den­ten­städ­ten sind vor al­lem die Märk­te in Mün­chen, Frank­furt, Ham­burg und Stutt­gart be­son­ders an­ge­spannt“, sagt Stefan Brauck­mann, Lei­ter des Be­reichs Re­se­arch und Analyse der Ge­sell­schaft für Be­tei­li­gun­gen und Im­mo­bi­li­en­ent­wick­lung (GBI). So kos­tet nach An­ga­ben der GBI ein Zim­mer auf dem pri­va­ten Woh­nungs­markt in Ham­burg, Frank­furt und Stutt­gart ab 400 Eu­ro, in Mün­chen muss man so­gar mit 500 Eu­ro rech­nen. Wer sich auf dem pri­va­ten Woh­nungs­markt um­sieht, soll­te sich vor der Su­che bei der Stadt­ver­wal­tung über den Miet­spie­gel für ein­zel­ne Stadt­tei­le er­kun­di­gen, um über­teu­er­te Prei­se zu er­ken­nen.

Am bes­ten be­ginnt man mit der Woh­nungs­su­che schon, be­vor man den Zu­las­sungs­be­scheid hat, emp­fiehlt Stefan Grob vom Deut­schen Stu­den­ten­werk. Das hat den Vor­teil, dass man be­reits sucht, wenn die Mas­se der Stu­di­en­an­fän­ger noch nicht auf den Woh­nungs­markt drängt. Wer sich an meh­re­ren Or­ten für ei­nen Stu­di­en­platz be­wor­ben hat, soll­te zu­min­dest an den Or­ten die Füh­ler aus­stre­cken, die er fa­vo­ri­siert. Fast übe­r­all kann man sich oh­ne Zu­las­sungs­be­scheid auf die War­te­lis­te für das Stu- den­ten­wohn­heim set­zen las­sen. Ist der Be­scheid dann da, reicht man ihn nach.

Doch wo su­chen? Ul­rich Ropertz vom Deut­schen Mie­ter­bund emp­fiehlt, sich bei der Su­che nicht zu sehr ein­zu­schrän­ken. „Vie­le Woh­nun­gen wer­den un­ter der Hand schnell ver­mie­tet und gar nicht öf­fent­lich an­ge­bo­ten“, sagt Ropertz. Des­we­gen rät er, bei Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten nach­zu­fra­gen, ob und wann Woh­nun­gen frei wer­den. Dann gibt es in so­zia­len Netz­wer­ken wie Face­book meist Woh­nungs­G­rup­pen für die je­wei­li­gen Städ­te. Im In­ter­net fin­den Stu­den­ten au­ßer­dem gu­te Im­mo­bi­li­en- und WG-Por­ta­le. Auch ein Blick in die lo­ka­le Zei­tung und in An­zei­gen­blät­ter lohnt sich. Die Im­mo­bi­li­en­tei­le sind oft ein- oder zwei­mal in der Wo­che bei­ge­legt. An den Unis hän­gen häu­fig au­ßer­dem Woh­nungs­an­ge­bo­te am Schwar­zen Brett.

Für Mak­ler gilt das Be­stel­ler­prin­zip: Wer den Mak­ler en­ga­giert, zahlt auch. Grob rät au­ßer­dem, nicht nur über das Netz zu su­chen, son­dern auch an den Ort zu fah­ren und sich selbst dort um­zu­se­hen. „Häu- fig be­kommt man dort et­wa von Stu­den­ten an der Uni gu­te Tipps, wie es vor Ort am bes­ten mit der Woh­nungs­su­che klappt“, sagt er.

Da Stu­den­ten meis­tens kein re­gel­mä­ßi­ges Ein­kom­men ha­ben, ver­lan­gen Ver­mie­ter von ih­nen oft ei­ne Bürg­schaft der El­tern. „Ei­gent­lich dür­fen sie au­ßer der Kau­ti­on be­ste­hend aus drei Mo­nats­kalt­mie­ten kei­ne zu­sätz­li­chen Si­cher­hei­ten ein­for­dern. Wird es ih­nen aber an­ge­bo­ten, dür­fen sie es an­neh­men“, sagt Ropertz. Un­ter 18-Jäh­ri­ge sind nicht voll ge­schäfts­fä­hig und brau­chen die Zu­stim­mung ih­rer El­tern, um ei­nen Miet­ver­trag ab­zu­schlie­ßen.

Wich­tig ist, den Miet­ver­trag sehr genau und mehr­mals zu le­sen, be­vor man ihn un­ter­schreibt. „Ge­ra­de in Stu­den­ten­städ­ten sind Ver­mie­ter sehr cle­ver in der Gestal­tung ih­rer Miet­ver­trä­ge“, sagt Claus Dee­se, Ge­schäfts­füh­rer des Mie­ter­schutz­bun­des. Al­les was Geld kos­tet, soll­te man genau un­ter die Lu­pe neh­men: Sind die Ne­ben­kos­ten rea­lis­tisch?

Wie steht es um Kau­ti­on und Miet­dau­er? In wel­chem Zu­stand muss man die Woh­nung beim Aus­zug hin­ter­las­sen? „Um die Ne­ben­kos­ten zu che­cken, ver­gleicht man sie am bes­ten mit dem ört­li­chen Be­triebs­kos­ten­spie­gel und lässt sich den Ener­gie­aus­weis zei­gen“, rät Ropertz. Vor al­lem Stu­den­ten, die nur für ei­ne be­stimm­te Zeit in ei­ner Woh­nung le­ben, soll­ten auf­pas­sen, dass es kei­ne Min­dest­miet­dau­er gibt, bei der für ei­ne be­stimm­te Zeit ein nor­ma­les Kün­di­gungs­recht aus­ge­schlos­sen ist.

An­ders ist es bei ei­ner Woh­nungs­ge­mein­schaft (WG). Wenn man bei ei­nem WGZim­mer nicht di­rekt mit dem Ver­mie­ter der Woh­nung, son­dern ei­nem Haupt­mie­ter zu tun hat, soll­te man sich den Miet­ver­trag zei­gen las­sen. Dee­se warnt: „Nicht sel­ten wäl­zen Haupt­mie­ter ih­re ei­ge­nen Kos­ten auf die Un­ter­mie­ter ab“. Ei­nen Rechts­an­spruch, den Miet­ver­trag se­hen zu dür­fen, ha­be man aber nicht.

Wer ei­ne WG grün­det, hat zwei Mög­lich­kei­ten: Ent­we­der ei­ne Per­son wird Haupt­mie­ter und un­ter­schreibt den Miet­ver­trag oder al­le wer­den Mie­ter und un­ter­zeich­nen. „Das be­deu­tet al­ler­dings, dass der Ver­trag nur mit al­len Mie­tern auf­ge­löst wer­den kann“, er­läu­tert Ropertz. Falls nur ei­ne Per­son im Miet­ver­trag steht, kön­nen WG-Mit­glie­der oh­ne Pro­ble­me aus- und neue ein­zie­hen. Hat man den Miet­ver­trag ge­prüft und un­ter­schrie­ben, steht dem Ein­zug nichts mehr im We­ge: Die ers­te Hür­de auf dem Weg ins Stu­den­ten­le­ben ist al­so ge­schafft. Wei­te­re In­for­ma­tio­nen im In­ter­net un­ter www.mie­ter­bund.de und www.mie­ter­schutz­bund.de

FO­TO: ULL­STEIN/AR­CHIV

Die Woh­nungs­märk­te in den Uni-Städ­ten sind teil­wei­se sehr un­ter Druck – wie kom­men Erst­se­mes­ter al­so an ei­ne be­zahl­ba­re Blei­be? Bei der Jagd nach der Traum­bu­de ge­hört ei­ne gu­te Vor­be­rei­tung, aber auch ein biss­chen Glück da­zu – und es braucht vor al­lem Zeit.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.