SPD will nach Br­ex­it Spar­kurs stop­pen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - VORDERSEITE -

Das bri­ti­sche Vo­tum facht den Grund­satz­streit über den Weg aus der Kri­se neu an: Wäh­rend die So­zi­al­de­mo­kra­ten mehr Staats­aus­ga­ben for­dern, lehnt Fi­nanz­mi­nis­ter Schäu­b­le (CDU) neue Schul­den ab.

BERLIN/DÜSSELDORF (RP) Die gro­ße Ko­ali­ti­on in Berlin zeigt sich in der Eu­ro­pa­po­li­tik ge­spal­ten. Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le ( CDU) warn­te den Ko­ali­ti­ons­part­ner SPD vor fal­schen Wei­chen­stel­lun­gen für mehr Schul­den. Er wi­der­sprach in der „Welt am Sonn­tag“so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen For­de­run­gen, mit zu­sätz­li­chen Staats­in­ves­ti­tio­nen das Wirt­schafts­wachs­tum in Eu­ro­pa an­zu­kur­beln. Es kön­ne nicht an­ge­hen, „die fal­sche Idee“wie­der zu be­le­ben, „dass man mit neu­en Schul­den Wachs­tum auf Pump er­zeugt“. Ei­nen sol­chen EU-Wachs­tums­pakt für mehr so­zia­le Ge­rech­tig­keit ver­langt auch SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el.

In London pro­tes­tier­ten am Sams­tag et­wa 40.000 Men­schen ge­gen ei­nen bri­ti­schen EU-Aus­stieg. Vie­le mei­nen, die Br­ex­it-Mehr­heit am 23. Ju­ni sei durch Falsch­in­for­ma­tio­nen und un­ehr­li­che Ver­spre­chen des Aus­tritts-La­gers zu­stan­de ge­kom­men. Das Par­la­ment sol­le das Vo­tum des Re­fe­ren­dums auf­he­ben, oder die Re­gie­rung sol­le in Brüs­sel kei­nen An­trag auf Aus­tritt stel­len. Kö­ni­gin Eliz­a­beth II. rief zu Be­son­nen­heit auf. Füh­ren­de Po­li­ti­ker in London und Brüs­sel be­ton­ten al­ler­dings, es ge­be kein Zu­rück. „Auch wenn ich mir ein an­de­res Er­geb­nis ge­wünscht ha­be, muss die­se de­mo­kra­ti­sche Ent­schei­dung ak­zep­tiert und nun um­ge­setzt wer­den“, sag­te der Prä­si­dent des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments, Mar­tin Schulz (SPD).

In der Fra­ge, wie die EU nach dem Aus­stiegs­be­schluss wei­ter­ma­chen soll, nahm Schäu­b­le auch Au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er (SPD) ins Vi­sier. Das von ihm or­ga­ni­sier­te Au­ßen­mi­nis­ter-Tref­fen der sechs EU-Grün­der­staa­ten kurz nach dem Br­ex­it-Vo­tum vom 23.Ju­ni ha­be nur zu Ver­stim­mun­gen ge­führt. Schäu­b­le plä­dier­te für „Schnel­lig­keit und Prag­ma­tis­mus“– not­falls auch oh­ne Füh­rungs­rol­le der EU-Kom­mis­si­on. „Wenn die Kom­mis­si­on nicht mit­tut, dann neh­men wir die Sa­che selbst in die Hand, lö­sen die Pro­ble­me eben zwi­schen den Re­gie­run­gen.“

Der Fi­nanz­mi­nis­ter for­der­te auch ei­ne en­ge­re Zu­sam­men­ar­beit Eu­ro­pas in der Rüs­tungs­in­dus­trie und sprach sich für ei­ne Lo­cke­rung der deut­schen Ex­port­kon­trol­len aus: „Mit un­se­rem Rüs­tungs­ex­port­kon­troll­re­gime sind wir nicht eu­ro­pa­taug­lich“, sag­te er der ARD. Als größ­te Her­aus­for­de­rung für Eu­ro­pa be- zeich­ne­te er aber die Flücht­lings­kri­se und die Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit.

Der stell­ver­tre­ten­de SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Axel Schä­fer wies die Kri­tik zu­rück: „Wir müs­sen den Her­aus­for­de­run­gen in Eu­ro­pa mit ei­nem mas­si­ven In­ves­ti­ti­ons­pro­gramm be­geg­nen.“An­ders als für Wolf­gang Schäu­b­le sei die schwar­ze Null für die SPD kein Fe­tisch. „Die der­zeit gel­ten­den Zins­be­din­gun­gen er­lau­ben uns deut­lich mehr Spiel- raum, den wir in Eu­ro­pa nut­zen soll­ten“, sag­te Schä­fer un­se­rer Re­dak­ti­on. SPD-Chef Ga­b­ri­el be­kräf­tig­te am Wo­che­n­en­de bei ei­ner SPD-Kon­fe­renz in Berlin, das Vo­tum der Bri­ten er­öff­ne die Chan­ce, Eu­ro­pa so zu ver­än­dern, dass es wie­der mehr Zu­stim­mung er­hal­te. Der Vi­ze­kanz­ler kri­ti­sier­te Plä­ne für här­te­re Spar­auf­la­gen in not­lei­den­den Län­dern. Die EU sei zu­neh­mend ge­spal­ten in den är­me­ren Sü­den und den rei­che­ren Nor­den. Der Wirt­schafts­mi­nis­ter hat­te bei ei­nem Tref­fen mit dem lin­ken grie­chi­schen Re­gie­rungs­chef Al­exis Tsi­pras mehr Wachs­tums­im­pul­se für EU-Kri­sen­län­der ge­for­dert.

EU-Par­la­ments­prä­si­dent Schulz reg­te zu­dem den Um­bau der Kom­mis­si­on zu „ei­ner ech­ten eu­ro­päi­schen Re­gie­rung“an. Er schrieb in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“, die­se Re­gie­rung sol­le „der par­la­men­ta­ri­schen Kon­trol­le des Eu­ro­pa­par­la­ments und ei­ner zwei­ten Kam­mer, be­ste­hend aus Ver­tre­tern der Mit­glied­staa­ten, un­ter­wor­fen“sein. Dies wer­de „po­li­ti­sche Ver­ant­wort­lich­keit auf der EU-Ebe­ne trans­pa­ren­ter ma­chen“. Leit­ar­ti­kel Stim­me des Wes­tens

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