Der Rück­tritt vom Br­ex­it ist ei­ne se­riö­se Op­ti­on

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON MAT­THI­AS BEERMANN VON JAN DREBES VON RO­BERT PETERS EN­DE DES FLUCHS, SEI­TE B 1

Erst all­mäh­lich ent­fal­tet das Br­ex­it-Vo­tum sei­ne gan­ze Spreng­kraft. Je­ne, die die Bri­ten im­mer schon als Blo­ckie­rer ih­res schö­nen Traums vom Ver­ei­nig­ten Eu­ro­pa sa­hen, wol­len die Stö­ren­frie­de schnell und rü­de aus dem Club wer­fen. Frank­reichs Prä­si­dent François Hol­lan­de will das auch, aber mit an­de­ren Hin­ter­ge­dan­ken. Er möch­te ein Ex­em­pel sta­tu­ie­ren, denn ihm sitzt Ma­ri­ne Le Pen im Na­cken, die eben­falls ein Aus­tritts­re­fe­ren­dum for­dert. Und dann gibt es noch je­ne, dar­un­ter auch SPD-Po­li­ti­ker, die mit dem Aus­schei­den Groß­bri­tan­ni­ens die Chan­ce se­hen, end­lich die gro­ße Um­ver­tei­lungs-EU zu in­stal­lie­ren, die die Deut­schen mit bri­ti­scher Hil­fe bis­her ver­hin­dert ha­ben.

Sie al­le täu­schen sich. Jahr­zehn­te­lang war das EUEsta­blish­ment da­von über­zeugt, je­de eu­ro­päi­sche Kri­se las­se sich für ei­nen wei­te­ren Schritt hin zur „im­mer en­ge­ren Uni­on“nut­zen. Doch statt den Br­ex­it nun für po­li­ti­sche In­ter­es­sen zu in­stru­men­ta­li­sie­ren, die Eu­ro­pa nur noch wei­ter aus­ein­an­der­di­vi­die­ren, geht es jetzt erst ein­mal dar­um, den La­den zu­sam­men­zu­hal­ten. Und da­bei ist auch der Rück­tritt vom Br­ex­it ei­ne se­riö­se Op­ti­on. Denn klar ist bis­her doch nur ei­nes: Vom Br­ex­it pro­fi­tie­ren vor al­lem je­ne, die die EU ins­ge­samt zer­stö­ren wol­len. BE­RICHT SPD WILL SPAR­KURS NACH BR­EX­IT . . ., TI­TEL­SEI­TE

Um­welt- und Bau­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) muss qua Amt teils un­ver­söhn­li­che Din­ge ver­ei­nen: Ei­ner­seits den Um­welt­schutz för­dern, an­de­rer­seits die In­ter­es­sen von Bau­her­ren wah­ren. Mit dem ge­plan­ten Kon­strukt ei­ner Man­tel­ver­ord­nung, die vie­le klein­tei­li­ge Re­geln et­wa zum Ge­wäs­ser­schutz und Bau­stof­f­e­in­satz har­mo­ni­sie­ren soll, kann sie die­sen schwie­ri­gen Spa­gat schaf­fen. Die Vor­zei­chen ste­hen gut, die po­li­ti­schen Kon­flik­te hal­ten sich da­zu bis­her in Gren­zen.

Es ist je­doch kein Zu­fall, dass Lob­by­grup­pen wie der Ent­sor­ger­ver­band BDE aus­ge­rech­net jetzt die Alarm­glo­cken we­gen mög­li­cher Bau­kos­ten­ex­plo­sio­nen läu­ten. Sie er­hof­fen sich aus Ei­gen­nutz hö­he­re Re­cy­cling­quo­ten beim Bau­schutt und wol­len das im bald ab­zu­stim­men­den Re­gel­werk ver­an­kert wis­sen. Da­bei spie­len ih­nen zwei Din­ge in die Hän­de: Ers­tens kämp­fen sie für das öko­lo­gisch sinn­vol­le Ziel, Res­sour­cen und Trans­port­we­ge zu spa­ren. Zwei­tens dür­fen die Bau­kos­ten tat­säch­lich nicht wei­ter stei­gen. Schließ­lich herrscht in deut­schen Städ­ten Woh­nungs­man­gel. Und das weiß auch Hend­ricks. BE­RICHT BAU­SCHUTT WIRD FÜR . . ., TI­TEL­SEI­TE

FBau­kos­ten sta­bil hal­ten

Löw weiß, was er tut

uß­ball ist ein ein­fa­ches Spiel. Es ist in sei­nen Gr­und­zü­gen leicht zu ver­ste­hen, und es ist in Deutsch­land ex­trem po­pu­lär. 28,3 Mil­lio­nen Zu­schau­er er­leb­ten den Ein­zug des Na­tio­nal­teams ins Halb­fi­na­le der EM an den TV-Ge­rä­ten. Und min­des­tens eben­so vie­le füh­len sich als Bun­des­trai­ner. Sie ha­ben ih­re Mei­nung zu den tak­ti­schen Ent­schei­dun­gen von Joa­chim Löw. Auch des­halb ist Fuß­ball so po­pu­lär.

Mun­te­re Dis­kus­sio­nen am Stamm­tisch müs­sen Löw nicht ge­fal­len, sie sind ein Preis der Po­pu­la­ri­tät. Der Spaß hört aber auf, wenn Löw un­ter­stellt wird, er den­ke über sei­ne tak­ti­schen Maß­nah­men nicht aus­rei­chend nach. Die­ser Trai­ner hat bei fünf gro­ßen Tur­nie­ren in Fol­ge sei­ne Mann­schaft min­des­tens ins Halb­fi­na­le ge­führt, er hat den deut­schen Fuß­ball ent­rum­pelt. Der weiß schon, was er tut. Oder, um mit dem gro­ßen Gio­van­ni Tra­pat­to­ni zu spre­chen: „Ein Trai­ner ist nicht ein Idi­ot.“Er er­kennt die we­ni­ger ein­fa­chen Struk­tu­ren hin­ter dem so ein­fa­chen Spiel. Für sei­ne Ent­schei­dun­gen ris­kiert er Prü­gel, wenn sie sich als falsch her­aus­stel­len. Er darf sich aber auch fei­ern las­sen, wenn sie rich­tig wa­ren. Im Er­folgs­fall wa­ren sie rich­tig. BE­RICHT

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