Hin­ter den Tü­ren des AfD-Par­tei­ta­ges

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON SAS­KIA NOTHOFER UND THO­MAS REI­SE­NER

Der Lan­des­par­tei­tag der „Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land“am Wo­che­n­en­de in Werl do­ku­men­tier­te auch das Ver­hält­nis der Par­tei zur Öf­fent­lich­keit. Aus­zü­ge ei­ner De­bat­te, die nie be­kannt wer­den soll­te.

WERL Aus ih­rem schwie­ri­gen Ver­hält­nis zu Me­di­en ma­chen vie­le AfD-Sym­pa­thi­san­ten kei­nen Hehl. Kaum stan­den am Wo­che­n­en­de die ers­ten On­line-Be­rich­te über den Lan­des­par­tei­tag der Par­tei im Netz, gab es Be­schimp­fun­gen: „Lü­gen­pres­se halt die Fres­se!“Wie­der­holt er­reich­te die­se Auf­for­de­rung un­se­re Re­dak­ti­on.

Auch der of­fi­zi­el­le Teil der Par­tei muss­te bei dem Lan­des­par­tei­tag erst nach sei­nem Ver­hält­nis zur Pres­se su­chen. Per Wach­dienst von al­len Me­di­en ab­ge­schirmt, de­bat­tier­ten die De­le­gier­ten in der Stadt­hal­le Werl zu­nächst, ob Jour­na­lis­ten über­haupt in den Saal dür­fen. Hin­ter den ver­schlos­se­nen Tü­ren wur­den dann die me­dia­len Hoff­nun­gen und Ängs­te der AfD-De­le­gier­ten un­ge­schminkt sicht­bar. 11 Uhr Der Lan­des­par­tei­tag be­ginnt. Knapp 300 De­le­gier­te neh­men an den schmuck­lo­sen Ti­sch­rei­hen in der holz­ver­tä­fel­ten Stadt­hal­le Werl Platz. Ein star­kes Po­li­zei­auf­ge­bot schirmt sie von De­mons­tran­ten ab. Vor den Tü­ren zum Saal ste­hen zu­sätz­li­che Si­cher­heits­leu­te, die Un­be­fug­ten den Zu­tritt ver­weh­ren. „Un­be­fugt“sind auch Jour­na­lis­ten. Der Lan­des­vor­stand hat­te sie im Vor­feld des Par­tei­ta­ges aus­ge­la­den. Sie soll­ten le­dig­lich ei­ne Pres­se­kon­fe­renz be­su­chen dür­fen. Die­ser im de­mo­kra­ti­schen Teil der deut­schen Par­tei­en­geschich­te ein­ma­li­ge Vor­gang pro­vo­zier­te bun­des­wei­te Pro­tes­te. Nun sol­len die De­le­gier­ten dar­über ent­schei­den. Ge­gen 11.30 Uhr Von au­ßen ge­ra­de noch ver­nehm­lich for­dert der Ver­samm­lungs­lei­ter den Si­cher­heits­dienst auf: „Bit­te Tü­ren schlie­ßen!“Er wird er­klärt ha­ben, dass der Par­tei­tag das Recht ha­be, nun über das Zu­las­sen von Pres­se zu ent­schei­den. Au­gen­zeu­gen zu­fol­ge for­der­te gleich der ers­te Red­ner, die Pres­se zu­zu­las­sen. Was die AfD mit der Pres­se er­lebt ha­be, sei „nicht im­mer ganz so toll. Wich­ti­ges wird weg­ge­las­sen“, soll er ge­sagt ha­ben. Und dann: „Ich ha­be vor nichts Angst.“

Ein an­de­rer De­le­gier­ter ver­wies auf den öf­fent­li­chen Ein­druck. Man sei da­bei, je­de Men­ge Por­zel­lan zu zer­schla­gen. Auch er soll ge­sagt ha­ben: „Es steht fest, dass Tei­le der Pres­se in der Ver­gan­gen­heit uns übel mit­ge­spielt ha­ben.“So sei­en Par­tei­freun­de ab­fo­to­gra­fiert wor­den, ih­re Adres­sen ge­druckt und sie da­mit der Ge­fahr von An­schlä­gen aus­ge­setzt wor­den. An­de­rer­seits sei die Her­stel­lung der Öf­fent­lich­keit an der AfD-Ver­an­stal­tung auch im In­ter­es­se der Par­tei. Sein Vor­schlag: Die Pres­se soll nur ein­ge­schränkt be­rich­ten dür­fen. Meh­re­re Au­gen­zeu­gen zi­tie­ren den Red­ner so: „Ich ha­be über­haupt kei­ne Lust dar­auf, dass hier Gestal­ten wie Oli­ver Wel­ke [Mo­de­ra­tor der Sa­ti­re-Sen­dung „heu­te show“, Anm. d. Red.] mit sei­nen Ka­me­ra­den hier durch un­se­re Rei­hen lau­fen, das möch­te ich auch nicht ha­ben.“Er sei da­für, dass die Me­di­en in ei­nem ab­ge­grenz­ten Raum Be­richt er­stat­ten dür­fen. „Ich bit­te dar­um, dass wir die Pres­se nicht voll­stän­dig aus­schlie­ßen, son­dern nur zum Teil.“

Ein an­de­rer De­le­gier­ter soll dar­auf ge­ant­wor­tet ha­ben: „Ich bin schon der Mei­nung, dass wir der Pres­se nicht die Mög­lich­keit ge­ben soll­ten, hier durch die Rei­hen zu ge­hen, son­dern dass sie nur von hin­ten nach vor­ne fil­men dür­fen.“Man ha­be in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ge­se­hen, dass da der ein oder an­de­re Par­tei­freund von den Me­di­en her­aus­ge­pickt wur­de, um ihn an­schlie­ßend für Be­rich­te zu ver­ein­nah­men, die über­haupt nicht im In­ter­es­se der Par­tei sei­en. Er be­kam von wei­te­ren Red­nern Un­ter­stüt­zung, von de­nen ei­ner ge­sagt ha­ben soll: „Wenn wir die Pres­se nicht rein­las­sen, tun wir ge­nau das, was der Geg­ner will.“

Of­fen­bar gab es dann ei­ne Ab­stim­mung, bei der sich ei­ne kla­re Mehr­heit für das Zu­las­sen von Pres­se­be­richt­er­stat­tern aus­ge­spro­chen hat. Ein De­le­gier­ter soll dann aber pro­tes­tiert ha­ben, weil sein An­trag für ei­ne nur ein­ge­schränk­te Be­we­gungs­frei­heit der Pres­se beim Lan­des­par­tei­tag über­gan­gen wor­den sei. Dann muss Lan­des­vor­stands­spre­cher Mar­cus Pret­zell das Wort er­grif­fen ha­ben. Er sprach sich für den un­ein­ge­schränk­ten Zu­tritt der Pres­se aus. Au­gen­zeu­gen zi­tie­ren ihn mit der Be­fürch­tung, dass die AfD sonst in ein schlech­tes Licht ge­ra­te. Wört­lich soll er ge­sagt ha­ben: „Wenn ich ein biss­chen was in den letz­ten drei Jah­ren über Pres­se ge­lernt ha­be, dann die­ses, dass man der Pres­se nicht er­klä­ren soll, wie sie ih­ren Job ma­chen soll. Das wer­den wir als AfD so schnell nicht schaf­fen.“Bei ei­ner wei­te­ren Ab­stim­mung stimm­ten 151 De­le­gier­te für ei­nen un­ein­ge­schränk­ten Zu­gang der Pres­se, 112 für ei­nen Zu­gang mit Ein­schrän­kun­gen und zehn ent­hiel­ten sich. Die meis­ten Jour­na­lis­ten sind längst wie­der zu Hau­se. Wer ge­war­tet hat, wur­de et­wa ge­gen 12 Uhr ein­ge­las­sen. 12.47 Uhr Die Se­cu­ri­ty zerrt den 16jäh­ri­gen Youtube-Blog­ger To­masz Nie­miec aus dem Saal. Der Vi­deoJour­na­list soll zu vie­le AfD-Mit­glie­der ge­filmt ha­ben. Ein Spre­cher der Par­tei be­stä­tig­te die­sen Raus­schmiss ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on: „Ei­ni­ge Mit­glie­der fühl­ten sich in ih­ren Per­sön­lich­keits­rech­ten ver­letzt.“

FOTO: DPA

Frau­ke Pe­try, die Bun­des­vor­sit­zen­de der Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD), ver­neigt sich beim Lan­des­par­tei­tag in Werl.

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