Mas­sen­pa­nik The­ma im Aus­schuss

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFE­GER

Zeu­gen sa­gen heu­te zum Ge­drän­ge auf ei­ner Köl­ner Brü­cke an Sil­ves­ter aus.

KÖLN/DÜSSELDORF Die Mas­sen­pa­nik auf der Köl­ner Ho­hen­zol­lern­brü­cke in der Sil­ves­ter­nacht ist heu­te The­ma im Par­la­men­ta­ri­schen Un­ter­su­chungs­aus­schuss (Pua) im Düs­sel­dor­fer Land­tag. Das Gre­mi­um will un­ter an­de­rem auf­klä­ren, wie es zu der brenz­li­gen Si­tua­ti­on kom­men konn­te. Un­ter an­de­rem wer­den auch Zeu­gen ge­hört. „Die Men­schen hat­ten Angst und spür­ten die Ge­fahr – es ist ein Wun­der, dass nie­mand ver­letzt wur­de“, sagt An­ne Rich­ter. Die 35-jäh­ri­ge Köl­ne­rin war mit ih­rem Mann Bernd Ro­sen­baum mit­ten im Ge­drän­ge. „Weil von hin­ten ge­drän­gelt wur­de, wur­den wir ge­gen die Ba­lus­tra­den ge­drückt.“

Das Paar war an Sil­ves­ter nach Köln ge­fah­ren, weil Ro­sen­baum dort Fo­tos vom Feu­er­werk ma­chen soll­te. Ge­gen 0.30 Uhr gin­gen die bei­den über die Ho­hen­zol­lern­brü­cke Rich­tung Haupt­bahn­hof. „Plötz­lich stock­te al­les. Wir hat­ten Angst, und des­halb flüch­te­ten wir mit an­de­ren über die Glei­se aus dem Ge­drän­ge“, sagt Rich­ter. Dort ka­men ih­nen dann et­wa zehn Po­li­zis­ten ent­ge­gen. „Sie sag­ten uns, wir soll­ten die Glei­se ver­las­sen. Sie ver­stan­den aber nicht, dass das nicht mög­lich war.“Die 35-Jäh­ri­ge und ihr Mann lau­fen an den Po­li­zis­ten vor­bei. Den meis­ten an­de­ren ge­lingt das nicht. „Wir hat­ten wohl ein­fach nur Glück“, sagt sie.

Was ge­nau zu dem ge­fähr­li­chen Ge­drän­ge ge­führt hat, steht noch nicht fest. Nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Re­dak­ti­on sol­len Grup­pen aus nord­afri­ka­ni­schen Män­nern ab­sicht­lich für ei­nen Stau auf der Brü­cke ge­sorgt ha­ben, um in dem Ge- drän­ge zu steh­len. Die Po­li­zei be­stä­tig­te das aber nicht.

Rund um den Haupt­bahn­hof und der Ho­hen­zol­lern­brü­cke herrsch­te zu die­sem Zeit­punkt in der Sil­ves­ter­nacht längst völ­li­ges Cha­os. Un­ter den Au­gen der Po­li­zei wa­ren Hun­der­te Frau­en von Män­ner­grup­pen ein­ge­kes­selt, be­raubt und se­xu­ell be­drängt wor­den. Es soll auch Ver­ge­wal­ti­gun­gen ge­ge­ben ha­ben.

Die Bun­des­po­li­zei be­stä­tig­te die Mas­sen­pa­nik auf der Brü­cke, schiebt die Ver­ant­wor­tung da­für al­ler­dings auf das Ord­nungs­amt der Stadt Köln. Der Ein­satz­lei­ter der Bun­des­po­li­zei in der Nacht, Det­lef M., sag­te im Aus­schuss be­reits aus, dass das Ord­nungs­amt für die Ab­sper­rung der Brü­cke zu­stän­dig ge­we­sen sei. Die Stadt, be­ton­te M., ha­be auf die Mas­sen­pa­nik nicht re­agiert. Des­halb sei­en die Men­schen aus Angst auf die Glei­se ge­lau­fen. Ei­nen Funk­ver­kehr mit dem Ord­nungs­amt ha­be es nicht ge­ge­ben. Das Ord­nungs­amt wies die Kri­tik zu­rück, räum­te aber ein, an den Zu­gän­gen zur Ho­hen­zol­lern­brü­cke Ab­sperr­git­ter auf­ge­stellt zu ha­ben, die ge­schlos­sen wer­den soll­ten, wenn es zu voll wer­de. Es war nach ei­ge­nen An­ga­ben mit 24 Mit­ar­bei­tern und 72 ex­ter­nen Kräf­ten (pri­va­te Se­cu­ri­ty) im Ein­satz.

FOTO: BERND RO­SEN­BAUM/KÖLNISCHE RUNDSCHAU

Dich­tes Ge­drän­ge an Sil­ves­ter auf der Köl­ner Ho­hen­zol­lern­brü­cke.

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