Welt­wei­tes Ent­set­zen über Ter­ror in Ban­gla­desch

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON CHRIS­TI­NE MÖLLHOFF

20 To­te bei ei­nem mut­maß­li­chen Mas­sa­ker des IS.

DHA­KA Die At­ten­tä­ter sol­len „Al­la­hu Ak­b­har“, Al­lah ist groß, ge­schrien ha­ben, als sie am Frei­tag Abend das bei Aus­län­dern be­lieb­te Ca­fe „Ho­ley Ar­ti­san Ba­ke­ry“mit­ten in Dha­kas Di­plo­ma­ten­vier­tel stürm­ten. Dann hät­ten sie die Gei­seln ei­nem Re­li­gi­ons­test un­ter­zo­gen, be­rich­te­ten Über­le­ben­de spä­ter. Je­ne, die aus dem Koran zi­tie­ren konn­ten, hät­ten sie ver­schont. Die an­de­ren sei­en ge­fol­tert und mit Ma­che­ten zu To­de ge­hackt wor­den.

Erst nach zwölf St­un­den konn­ten Spe­zi­al­kräf­te am Sams­tag mor­gen die Gei­sel­nah­me be­en­den. Die blu­ti­ge Bi­lanz: 20 to­te Gei­seln, dar­un­ter neun Ita­lie­ner, sie­ben Ja­pa­ner so­wie ein US-Bür­ger. Auch die 18-jäh­ri­ge in­di­sche Stu­den­tin Ta­ri­shi Jain, die sich auf der Toi­let­te ver­steckt hielt, über­leb­te nicht. „Sie wer­den uns al­le tö­ten“, hat­te sie ih­rem Va­ter noch in ei­nem letz­ten An­ruf ge­sagt. Ih­re Lei­che ha­be Fol­ter­spu­ren auf­ge­wie­sen, be­rich­te­ten in­di­sche Me­di­en. Auch sechs At­ten­tä­ter wur­den ge­tö­tet, ein sieb­ter fest­ge­nom­men.

Der Is­la­mi­sche Staat (IS) re­kla­mier­te das Blut­bad um­ge­hend für sich, doch Ban­gla­deschs Re­gie­rung be­stritt ei­ne Ver­bin­dung der ein­hei­mi­schen Tä­ter zum IS. Der ko­or­di- nier­te Ter­ror­an­schlag mit­ten im Her­zen der Haupt­stadt Dha­ka be­deu­tet für das 160 Mil­lio­nen Ein­woh­ner zäh­len­de Land ei­ne un­heil­vol­le Zä­sur. Der An­schlag schei­ne sich „ge­zielt ge­gen Aus­län­der ge­rich­tet zu ha­ben“, er­klär­te der deut­sche Au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er. So war das Ca­fe „Ho­ley Ar­ti­san Ba­ke­ry“bei Aus­län­dern und wohl­ha­ben­den Ein­hei­mi­schen po­pu­lär. Vor al­lem Ge­schäfts­leu­te aus der Tex­til­bran­che tra­fen sich ger­ne hier.

Der An­schlag kam nicht völ­lig über­ra­schend. Lan­ge galt das mehr­heit­lich mus­li­mi­sche Land als Trutz­burg ge­gen Ex­tre­mis­mus. Doch seit zwei Jah­ren er­schüt­tert ei­ne Mord­se­rie die süd­asia­ti­sche Na­ti­on. Im­mer of­fe­ner ma­chen Ex­tre­mis­ten Jagd auf An­ders­gläu­bi­ge und Li­be­ra­le. Bald 50 Men­schen –Blog­ger, Künst­ler, Schwu­len-Ak­ti­vis­ten, Hin­dus und Chris­ten – wur­den ge­tö­tet, fast im­mer mit Ma­che­ten. Mal re­kla­mier­te der IS, mal El Kai­da die Mor­de für sich.

Egal, wer hin­ter dem An­schlag steckt, er mar­kiert ei­ne neue Di­men­si­on des Ter­rors: Sze­na­ri­en, dass auch Ban­gla­desch in den Stru­del ex­tre­mis­ti­scher Ge­walt ge­rät, schei­nen nicht mehr ab­we­gig. Alar­miert fra­gen Me­di­en: „Wird Ban­gla­desch die neue Kampf­zo­ne des IS-Ter­rors?“

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