Klick­tipps: Oh­ne ei­nen Hauch von Lieb­lo­sig­keit

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - ROCK UND POP - VON SE­BAS­TI­AN DAL­KOW­SKI

In der Ru­brik „Klick­tipps“stel­len wir Links zu Gra­tis-Streams und Vi­de­os vor. Dies­mal ver­dop­pelt je­mand die Ge­schwin­dig­keit von Leo­nard Co­hen und ver­drei­facht die Län­ge ei­nes Coun­try-Songs.

Karl Blau ist nicht der Na­me ei­nes deut­schen Par­ty­schla­ger­sän­gers, son­dern ei­nes US-Song­schrei­bers, der seit 20 Jah­ren Plat­te um Plat­te raus­haut. Dass sei­ne neue trotz­dem „In­tro­du­cing Karl Blau“heißt, liegt dar­an, dass ihn noch im­mer fast kein Schwein kennt. Das Al­bum be­steht aus­schließ­lich aus Coun­try­Co­vern der 60er und 70er. Her­aus ragt „Fal­lin‘ Rain“, das im Ori­gi­nal von Link Wray kei­ne vier Mi­nu­ten lang ist, in Blaus Be­ar­bei­tung bei­na­he zehn Mi­nu­ten er­reicht und – sor­ry Link! – tau­send­mal so er­grei­fend ist. Auf Sound­cloud an­hö­ren.

Ein jun­ger Mann mit dem Na­men Ke­vin Mor­by wird ger­ne mal mit Bob Dy­lan ver­gli­chen, was un­fair ist, denn der frü­he Leo­nard Co­hen liegt viel nä­her. Falls Co­hen dop­pelt so schnell ge­sun­gen und Lust auf mehr In­stru­men­te ge­habt hät­te. „Sin­ging Saw“heißt das drit­te Al­bum des Ame­ri­ka­ners, und der Song „I Ha­ve Be­en To The Moun­tain“zeigt, auf wel­chem Le­vel er mitt­ler­wei­le ist. Gi­tar­re, Kla­vier, Trom­pe­te und Kon­sor­ten kom­men sou­ve­rän zu­sam­men, um dem Som­mer­tag die Lich­ter aus­zu­bla­sen. Den kos­ten­lo­sen Down­load hat KEXP.

Ra­pid Re­sults Col­le­ge ge­hört zu den im In­ter­net un­an­ge­sag­tes­ten Bands der Welt. Ge­ra­de mal 137 Li­kes ha­ben die drei Lon­do­ner bei Face­book ein­ge­sam­melt. Sie ha­ben sich für das Un­spek­ta­ku­lä­re ent­schie­den und be­ru­fen sich auf den Twee-Pop der 80er, Gi­tar­ren-In­die mit schö­nen Me­lo­di­en. So ist auch ihr De­büt „In Ci­ty Light“ei­ne gro­ße klei­ne Plat­te oh­ne ei­nen Hauch von Lieb­lo­sig­keit. Das Al­bum lässt sich bei Band­camp strea­men.

Es ist un­ge­fähr das Schwie­rigs­te auf der Welt, ei­nen Mu­sik­ra­dio-Sen­der zu spie­len, der nicht ir­gend- wann nervt oder lang­weilt. Der aus­tra­li­sche On­line-Sen­der Dou­ble J be­kommt es sehr gut hin. Kaum mo­de­rier­te Shows, die meis­te Zeit läuft ein­fach für al­le Ge­le­gen­hei­ten taug­li­che Mu­sik, von al­ten Lau­rynHill-Songs bis zur neu­en Sing­le der Ava­lan­ches. Die Play­list wird zwar über­wie­gend durch den Com­pu­ter ge­ne­riert. Aber es ist ein Com­pu­ter mit sehr gu­tem Mu­sik­ge­schmack.

Die Links zu den Tipps gibt es un­ter www.rp-on­line.de/herz­ra­sen und ngz-on­line.de/herz­ra­sen.

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